Fast wie im Fernsehen

tatort augsburg_theater augsburg_2017_foto jan-pieter fuhr
9. Oktober 2017 - 12:21 | Bettina Kohlen

Zwei Kommissare brechen auf »Zu neuen Ufern«. Das Format »Tatort Augsburg« startete am Lech mit der Pilotfolge im Hoffmannkeller.

Hauptkommissar Thomas Weber aus Würzburg und die taffe Hamburger Profilerin Corinna Bruch werden zum Tatort Augsburg gerufen, um den Tod einer Polizistin aufzuklären. Der Polizeipräsident rückt (so kennen wir das aus dem Fernsehen) die Akten nur zögerlich raus. Am Abend treffen sich die beiden Neuen auf ein Glas im Hoffmannkeller, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Als dann die aufgelöste »Aquaarchäologin« Dr. Franziska Fredrich auftaucht, nimmt das Ganze Fahrt auf. Eigentlich will sie zu ihrer Führung durch die unterirdischen Kanäle der Stadt aufbrechen – ihr Herz brennt für die Weltkulturerbebewerbung – und das Publikum wartet bereits. Sie erzählt etwas wirr und verpeilt von einem Toten, den sie in einem Kanalabschnitt gesehen habe. Die beiden Kommissare übernehmen sofort das Regiment, dazu stößt noch Frau Dr. Thielemann (Marlene Hoffmann), die Pathologin. Bruch und Thielemann stürzen sich in Wathosen gewandet in die Unterwelt, Weber nimmt, die 80-köpfige Zuschauermeute im Schlepptau, die Spur oberirdisch auf: Alle raus aus dem Theater und in die Straßen der Stadt, per Video und Tracking immer dicht dran, während Frau Dr. Fredrich tapfer versucht, ihr Führungsprogramm durchzuziehen. Doch der Tote wird wieder lebendig, schnappt sich die Waffe der Kommissarin und flieht – Richtung Lechhausen zum Kanalausgang. Mit einem städtischen Bus, kurzerhand requiriert von Kommissar Weber, geht es dahin. Nur der Gesuchte ist leider schon wieder weg. Die finale Szene findet schließlich auf den Stufen des Altars von St. Petrus statt. Ach ja: Auslöser der ganzen Sache sind wertvolle Reliquien, die im Kanalnetz versteckt sind. Geborgen werden sie aber nicht, da der tatkräftige Polizeipräsident die Kanäle fluten lässt…

David Ortmann inszeniert nach einem Buch von Andreas Hillger (Dramaturgie: Kathrin Mergel) ein nettes Spiel mit den Stereotypen von Krimiserien und kombiniert an verschiedenen Orten der Stadt reale Szenen und Videosequenzen. Die Figuren sind – wie bei Krimipersonal üblich – mit mehr oder weniger verschrobenen Charaktereigenschaften ausgestattet: Klaus Müller gibt den theologisch beschlagenen Thomas Weber, der – stets ein Bibelzitat zur Hand – souverän und väterlich die Fäden in der Hand behält. Natalie Hünigs verkörpert Corinna Bruch, die, immer etwas laut und schrill, ihre Coolness und Stärke unter Beweis stellten muss und Katharina Rehn spielt die leidenschaftlich-huschige Wissenschaftlerin. Nächste Folge bitte!

P.S. Der Fall, zu dem die beiden Kommissare nach Augsburg gerufen wurden, ist ja nun nicht geklärt worden. Keine Sorge, das wird wieder aufgerollt…

Die geplanten Vorstellungen sind leider alle bereits ausverkauft.

www.theater-augsburg.de

Weitere Positionen

22. Januar 2021 - 14:46 | Martin Schmidt

Mit »In Exile« (Stream | CD) legen On The Offshore ihr erstes Album seit elf Jahren vor.

18. Januar 2021 - 13:18 | Bettina Kohlen

Die letzten beiden der insgesamt sieben Wegekapellen, die von der Siegfried und Elfriede Denzel Stiftung initiiert wurden, sind im September und Dezember 2020 errichtet und ökumenisch gesegnet worden. Der Kreis ist somit geschlossen.

14. Januar 2021 - 9:43 | a3redaktion

Im Rahmen der Reihe »Kulturregion trotz Corona« präsentiert a3kultur Podcasts mit Teilnehmer*innen des Kunstprojekts qp. Der Quartier-Parcours zeigt 24 Interventionen von Künstler*innen und Kulturgruppen im Gaswerkquartier.

11. Januar 2021 - 6:00 | Thomas Ferstl

Projektor – die a3kultur-Filmkolumne im Januar: Regisseur David Fincher hat mit »Mank« seinen vielleicht persönlichsten Film gemacht.

8. Januar 2021 - 6:40 | Gudrun Glock

Der Naturpark Augsburg – Westliche Wälder steckt voller Überraschungen. Einige kreative Macher*innen erschließen dieses Potenzial auf vielfältige Weise und lassen dabei ihrem Einfallsreichtum freien Lauf. Ein Interview mit Anja Dördelmann, Eva Liebig und Stephanie Schmid

6. Januar 2021 - 6:40 | Gast

»2021 – schon was vor? Oder lassen Sie es erst mal auf sich zukommen?« – a3kultur bat Kulturschaffende aus der Region um einen Gastbeitrag zum Jahreswechsel. Teil 5: Dr. Christof Trepesch, Kunstsammlungen und Museen Augsburg

5. Januar 2021 - 6:40 | Gast

»2021 – schon was vor? Oder lassen Sie es erst mal auf sich zukommen?« – a3kultur bat Kulturschaffende aus der Region um einen Gastbeitrag zum Jahreswechsel. Teil 4: Marius Müller, Stadtbücherei Augsburg/Buch-Haltung

4. Januar 2021 - 6:40 | Gast

»2021 – schon was vor? Oder lassen Sie es erst mal auf sich zukommen?« – a3kultur bat Kulturschaffende aus der Region um einen Gastbeitrag zum Jahreswechsel. Teil 3: Daniela Bergauer und Michael Hehl, Liliom Kino

3. Januar 2021 - 6:02 | Gast

»2021 – schon was vor? Oder lassen Sie es erst mal auf sich zukommen?« – a3kultur bat Kulturschaffende aus der Region um einen Gastbeitrag zum Jahreswechsel. Teil 2: Valentin Holub, bayerische kammerphilharmonie

2. Januar 2021 - 6:40 | Gast

»2021 – schon was vor? Oder lassen Sie es erst mal auf sich zukommen?« – a3kultur bat Kulturschaffende aus der Region um einen Gastbeitrag zum Jahreswechsel. Teil 1: Anne Schuester, Sensemble Theater