Ausstellungen & Kunstprojekte

Faun und Apfelblüte

Iacov Grinberg
16. Juli 2020

Von der neuen Ausstellung »Faun und Apfelblüte« in der Galerie Facette habe ich einen gemischten Eindruck bekommen. Die Arbeiten der beiden Künstler aus Augsburg und Friedberg zeigen moderne Kunst. Eigentlich ist ein Besuch einer neuen Ausstellung moderner Kunst etwas riskant. Nicht selten versteht man die von renommierten Kunstwissenschaftlern ausgewählten und von ihnen hochgeschätzten Arbeiten nicht. Diesbezüglich ist ein Besuch der Galerie Facette weniger riskant: Außer der laufenden Ausstellung gibt es dort ständig andere Kunstobjekte, die sozusagen zum Interieur der Galerie gehören und welche es auch zu bewundern lohnt.

Gleich am Eingang der Galerie sprangen mir und meiner Begleiterin viele Abbildungen von Frauen ins Auge. Einige zeigten ganze Figuren, andere nur Gesichter. Ich empfand sie als ästhetisch im klassischen Sinne kaum schön und sie erinnerten uns an kindliche Zeichnungen, die mit ungeübter Hand gemacht wurden. Die Benennungen der Bilder haben uns noch zusätzlich verwirrt. Ein Bild, an dem meine Frau auf den ersten Blick eine sehr gut abgebildete geflügelte Hexe erkannt hat, entpuppte sich als »Michael«, ein Frauengesicht mit dem Titel »Bin ich schön?« stufte ich eindeutig als eine Karikatur ein.

Ein professioneller Künstler ist kein Kleinkind, seine Hand ist geübt und er malt zielstrebig. Er versucht in seinen Bildern, nach seinen Worten, ein tiefliegendes, inneres Geschehenes bildnerisch sichtbar zu machen. Beim Betrachten seiner Bilder kann es geschehen, dass der Betrachter mit den Bildinhalten in Resonanz geht, hofft der Künstler. Bei uns ist das nur mit einem seiner Bilder geschehen, mit dem Bild »Freund«, das uns beide begeisterte.

In der Galerie erwarteten uns auch viele kleine und große Bronzeskulpturen. Falls etwas in Bronze gegossen wird, wie üblicherweise Büsten von großen Komponisten oder Wissenschaftlern, soll dies meiner Vorstellung nach eindeutig verdient sein. In diesem Fall war es die beste Schöpfung des lieben Gottes, oder wie Atheisten sagen würden der Mutter Natur: der Frauenkörper. Ich weiß, dass dies in heutigen Zeiten von political correctness nicht zeitgemäß klingt, aber meine Vorstellungen von Schönem basieren auf antiken Vorbildern. Viele Figuren waren klein, zwei relativ groß.

Die kleinen Figuren, meist Akte, erfreuten meine Frau, mich aber nicht besonders: Für mich braucht eine menschliche Figur unbedingt einen Kopf mit einem Gesichtsausdruck, denn genau der gibt der Figur eine notwendige Stimmung. Ein Torso kann schön und ausdrucksvoll sein, aber ohne Gesicht fehlt etwas ganz Wesentliches. Bei den kleinen Figuren sind Gesichter bestenfalls nur angedeutet, bei beiden großen Figuren sind sie mit einem bestimmten Gesichtsausdruck versehen, der den Figuren eine Vollständigkeit und wirkliche Schönheit beigibt.

Ich kann Ihnen, liebe Leser*innen, empfehlen, diese Ausstellung selbst anzuschauen. Vielleicht schauen Sie einfach die Arbeiten an, die wir bewundert haben, und bewundern die Arbeiten, die wir einfach angeschaut haben. Das ist noch bis Dienstag, 21. Juli, möglich.

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