Ein Fest des Minimalismus

26. Februar 2016 - 12:27 | Patrick Bellgardt

Mit »I Hired A Contract Killer« transportiert das Sensemble Theater Aki Kaurismäkis unvergleichlichen Stil auf die Bühne.

In Aki Kaurismäkis Filmen begegnen dem Zuschauer immer wieder lakonische, fast schon apathisch anmutende Figuren – kuriose Antihelden, die sich vorzugsweise im gesellschaftlichen Abseits bewegen. Sebastian Seidel hat sich an den schwierigen, aber erstklassigen Stoff des Kultregisseurs herangewagt. Mit der Bühnenumsetzung von »I Hired a Contract Killer« (deutscher Titel: »Vertrag mit meinem Killer«) präsentiert der Sensemble-Chef eines der bekanntesten Werke des exzentrischen Finnen.

Wer einen Film auf die Theaterbühne bringen möchte, in dem – überspitzt gesagt – mehr geraucht als gesprochen wird, braucht sehr gute Schauspieler. Seidel setzt sie gekonnt in Szene. Florian Fisch übernimmt die Rolle des gerade entlassenen Henri, der keinen anderen Ausweg sieht, als sich umzubringen. Nachdem all seine Abschiedsversuche kläglich scheitern, soll es ein Profikiller (Jörg Schur) richten. Dieser nimmt den ungewöhnlichen Selbstmordauftrag ohne zu zögern an. Wie es das Schicksal so will, verliebt sich Henri wenig später in die Blumenverkäuferin Margaret (Sarah Hieber) – das Leben macht plötzlich wieder Sinn, der Killer sitzt ihm aber schon im Nacken.

Die Inszenierung transportiert die Film-Noir-Ästhetik der Vorlage mit einer stilvollen Coolness auf die Sensemble-Bühne. Das Trio Fisch, Schur, Hieber entwickelt auch ohne große Worte ein intensives Zusammenspiel, das Henris kafkaeske Tristesse mühelos ins Augsburger Textilviertel verfrachtet. Unterstützung erhalten die drei von Birgit Linner als munter die Rollen wechselnder Sidekick – wie gewohnt mit einer Mimik, die wortlos alles sagt. Durch diese verbale Zurücknahme sollte der Zuschauer unbedingt (noch) genauer hinsehen: Jedes Schulterzucken, jeder Blick erzählt die tragikomische Geschichte weiter. Für den letzten Feinschliff sorgt der geniale Instrumentalsoundtrack von Rainer von Vielen, der die 75 kurzweiligen Minuten zu einem beeindruckenden Fest des Minimalismus macht.

Weitere Termine: 26. Februar, 4., 5., 11., 12., 18. und 24. März sowie 1., 2., 8. und 9. April. Im Anschluss an die Vorstellung am 24. März präsentieren Rainer von Vielen und Gitarrist Mitsch Oko ab circa 22:30 Uhr eine exklusive Akustikshow.

www.sensemble.de

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