Ein Fest der Grafik

2. Februar 2017 - 16:21 | Iacov Grinberg

Die Kunstsammlungen und Museen Augsburg leisten ihren Beitrag zum Reformationsjahr: Im Grafischen Kabinett sind Originalillustrationen von Klaus Ensikat zu sehen, die er für das Kinderbuch »Von Martin Luthers Wittenberger Thesen« von Meike Roth-Beck gezeichnet hat.

Städtische Museen sind ihrem Status nach weltanschaulich neutral. Die Ausstellung zeigt keine Huldigung des großen Reformators, vielmehr sind wunderbare Werke eines Meisters zu bestaunen. Klaus Ensikat ist als Graphiker und Illustrator seit 1960 tätig. Er ist ein brillanter Vertreter der DDR-Schule der Buchillustration. In Zeiten des »sozialistischen Realismus« durften Künstler nur in bestimmten Bereichen arbeiten. Buchillustrationen, besonders für Kinderbücher, gehörten dazu. Die Originalarbeiten, die der Kurator der Ausstellung, Dr. Tilo Grabach, vom Berliner Kindermann Verlag geholt hat, entfalten in der Ausstellung ihre ganze Anmut.

Technisch gesehen sind es kolorierte Federzeichnungen in Kupferstich-Manier. Dichte Strichlagen kontrastieren mit stark farbigen Flächen und täuschen dem Betrachter vor, sie seien mit dem Grabstichel entstanden. Dies entspricht dem »Geist der Zeit«, da der Kupeferstich ausgerechnet damals, im ersten Viertel des 16. Jahrhundert, seine Blüte erlebte.

Die Gesichtszüge vieler abgebildeter Personen sind gut erkennbar: Der Künstler orientierte sich an den künstlerischen Vorbildern dieser Zeit, die von großen Meistern wie Lukas Cranach, Albrecht Dürer, Rafael u.a. geschaffen wurden. Ihre Bilder waren aber repräsentativ, Ensikat hat diesen Gesichtern zudem einen lebendigen Gesichtsausdruck gegeben: In einem Kinderbuch sollen Illustrationen emotional sein, man soll auf den ersten Blick erkennen, wer gut und wer böse ist. Der Hintergrund der Illustrationen ist voller Bedeutung: Eine detaillierte Darstellung der harten Lebenswelt der Reformationszeit, die Ensikat gleichfalls historischen Vorlagen entnahm.

Die Bauten sind sonderlich gezeigt. Einige Gebäude gleichen historischen Vorlagen, andere ihrem heutigen Anblick: Die Kinder sollen erkennen, dass die Geschichte hier geschah, an diesem und anderen Orten. Die vom Ausstellungskurator ausführlich verfassten Erklärungen helfen dem Betrachter die künstlerischen Geheimnisse dieser Illustrationen zu verstehen.

Ich verstehe, dass ein Besuch dieser Ausstellung für praktizierende Katholiken nicht besonders angenehm sein kann. Trotzdem kann ich empfehlen, diese Ausstellung, die ein wirkliches Fest exzellenter Grafik ist, zu bewundern. Dies ist noch bis zum 2. April möglich.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

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