Festliche Referenz

17. Mai 2019 - 8:05 | Renate Baumiller-Guggenberger

Mit der Neueinspielung der »Missa Solemnis« von Leopold Mozart positioniert sich die Bayerische Kammerphilharmonie im LEO 300-Jubiläum.

Kein Wunder, dass Bratschist Valentin Holub als geschäftsführender 1. Vorsitzender der Bayerischen Kammerphilharmonie mächtig stolz ist auf die Einspielung von Leopold Mozarts »Missa Solemnis«. Das Werk wurde vor 1764 im Stil der süditalienischen »Kantatenmesse«, in der sich teils polyphone Chorsätze mit solistischen Partien von ariosem Charakter abwechseln, wundervoll kühn komponiert und war bis dato überhaupt nur einmal (1982 mit der Domkapelle Berlin) eingespielt worden. Im entsprechenden Augsburger Release-Konzert am 19. Mai um 18 Uhr in St. Georg (Leopolds Taufkirche) findet in der Tat auch das einzige Konzert von internationalem Format im Rahmen des Deutschen Mozartfests 2019 statt, das in aller Ausschließlichkeit den Jubilar als ernstzunehmenden (Kirchenmusik-)Komponisten ins Zentrum stellt.

Damit schließt die Kammerphilharmonie im LEO 300-Jubiläumsjahr eine sonst womöglich länger nachhallende Lücke, zumal die »Missa Solemnis in C« lange Zeit im Köchelverzeichnis des Sohnes herumgeisterte und als eine der besten Leistungen des jungen Mozart als Kirchenmusiker gerühmt wurde. Das ist nur eine der bemerkenswerten Tatsachen, die im geistreich verfassten Booklet der CD nachzulesen sind. Es betont augenzwinkernd, dass mit dieser CD dem leidigen »Leopold-Bashing« endlich der Garaus gemacht wurde. Die sportliche Lauferei von Pontius zu Pilatus im kräftezehrenden Vorfeld der Produktion hat sich am Ende definitiv in vielfacher Hinsicht gelohnt. Nicht zuletzt, weil sich im Laufe des Proben- und Aufnahmeprozesses sogar die bei den Orchestermitgliedern vorhandene Skepsis gegenüber der Qualität des Werks entschieden zum sehr Positiven hin veränderte, wie Valentin Holub berichtet. Dazu mag sicher auch das hörbar sehr homogen agierende Interpreten-Team unter der Leitung des Experten für Alte Musik, Allessandro de Marchi, seinen Teil beigetragen haben. Das auf alten Instrumenten spielende Orchester, der junge Chor namens »Das Vokalprojekt« sowie das Solistenquartett Arianna Venditteli, Sophie Rennert (Mezzo), Ludwig Mittelhammer (Bariton) und Tenor Patrick Grahl näherten sich mit vokaler und instrumentaler Brillanz und Spannung der klanglichen und technischen Charakteristik der Partitur und ihrer wenig geschnörkelten Stilistik. Sie beschwören in der »Missa Solemnis« Gottesfurcht und -vertrauen ebenso intensiv wie die kontrastreiche Palette der emotionalen Stimmungen, mit der Leopold Mozart in seiner Vertonung des lateinischen Liturgietextes raumfüllend Opulenz schafft.

Mit Frische und Elan – und mit Unterstützung der Stadt Augsburg und des BR Klassik – ist im aparte-Label damit die musikalische Referenz an den Jubilar gelungen. Die Bayerische Kammerphilharmonie bereichert mit dieser CD ihr beachtliches Konvolut an Alben (darunter auch die CD aus dem Jahr 2016 mit Leopold Mozarts weltlichen Werken). Alles ganz im Sinne des Anliegens, dem »Vater zu huldigen, den Erschaffer« zu ehren.

www.kammerphilharmonie.de

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