Feuer und Flamme für die Literatur

12. März 2020 - 11:11 | Juliana Hazoth

Mit gerade einmal 24 Jahren veröffentlichte die Augsburgerin Sophie Bichon am 10. Februar ihren ersten Roman »Wir sind das Feuer« beim Heyne Verlag. Was ihr das bedeutet, verrät sie uns im Interview.

Einen Monat ist es her, dass dein Debütroman »Wir sind das Feuer« erschienen ist. Wie hat sich dein Leben seither verändert?
Eigentlich hat sich gar nicht so viel verändert, gleichzeitig hat sich aber alles verändert. Ich mache das Gleiche wie schon zuvor, aber jetzt bekomme ich langsam das Gefühl, dass ich tatsächlich Autorin bin. Es ist schön zu erfahren, dass Leute mein Buch lesen und sie mir Fragen dazu stellen. Richtig bewusst geworden ist mir das wahrscheinlich, als ich die ersten Exemplare signiert habe. Und so richtig surreal ist es, in einer Buchhandlung zu sehen, dass Leute das Buch wirklich kaufen.

Am Valentinstag hattest du deine erste Lesung im Augsburger Liliom Kino. War das auch einer dieser Momente, in denen dir bewusst geworden ist, dass du ein Buch veröffentlicht hast?
Ich würde sagen, das war bisher der krasseste Moment. Ich dachte bis dahin, dass der emotionalste Moment die Abgabe meines Manuskripts war, aber dieser Abend hat alles übertroffen. Wenn man schreibt, steckt man alles, was man hat in die Geschichte hinein. Ich habe viel Energie, Leidenschaft und Liebe in das Buch gesteckt und bei der Lesung kam von den Leser*Innen so viel zurück. Es war irre zu merken, dass all diese Leute ja wegen mir und meiner Geschichte da waren. Sie haben ihren Abend »Wir sind das Feuer« gewidmet und das hat sich einfach magisch angefühlt.

In »Wir sind das Feuer« geht es um Louisa und Paul. Wie würdest du ihre Geschichte beschreiben?
Louisa und Paul sind zwei Menschen Anfang 20, die am Anfang ihres Studiums stehen und damit auch am Anfang ihres Erwachsenseins. Beide sind auf ihre eigene Art und Weise kaputt, weil sie in ihrer Vergangenheit traumatisierende Dinge erlebt haben. Im Laufe der Geschichte lernen die beiden sich kennen und erkennen in dem jeweils anderen eine Stütze, jemanden, der sie versteht und so akzeptiert, wie sie sind.

Aus dem gegenseitigen Vertrauen entsteht Liebe und sie kommen zusammen. Man merkt aber beim Lesen, dass die beiden nicht nur Teil eines Paares, sondern eigenständige Personen sind. Warum war dir das beim Schreiben wichtig?
Ich weiß, dass die Zielgruppe dieses Subgenres sehr jung ist, teilweise schon bei 15- oder 16-Jährigen liegt. Mir ist es deswegen wichtig, dass meine Geschichten ihrer Vorbildfunktion gerecht werden. Ich möchte von einem Kennenlernen auf Augenhöhe erzählen, einer gleichberechtigten Beziehung, in der jeder seine Bedürfnisse kommunizieren kann. Ich will keine Figuren schaffen, die gerettet werden müssen, weil diese Art der Abhängigkeit nicht gut ist. Louisa und Paul gehen ihren Weg zwar gemeinsam, aber jeder muss sich selbst retten, damit ihre Beziehung Bestand haben kann.

Du möchtest also keine klassische Liebesgeschichte erzählen?
Natürlich ist die Liebe das zentrale Thema, aber nicht nur die romantische Liebe zwischen zwei Menschen. Es geht auch viel um Freundschaften, um Familie. Vor allem eben aber auch um Selbstliebe und darum, wie wichtig diese für Beziehungen zu anderen Menschen ist. Mir ist es wichtig, zu zeigen, dass Liebe Facetten hat und auch unkonventionelle Modelle vollkommen normal sind.

Dein Buch enthält auch einige LGBTQ+Ansätze. Ist das auch eines der Themen, die dir wichtig sind?
Ja, absolut. In meinem Umfeld ist es völlig normal, dass Menschen queer sind. Ich möchte keinen »schwulen besten Freund« für die Quote schreiben, sondern die Liebe zwischen Menschen als all das zeigen, was sie ist: magisch, normal und vor allem real. Das ist mir persönlich sehr wichtig.

Du hast vorhin ein Subgenre angesprochen. »Wir sind das Feuer« ist ein New-Adult-Roman. Warum hast du dich für dieses Genre entschieden?
Ich wusste schon immer, dass ich auf jeden Fall eine Liebesgeschichte schreiben möchte. Im New Adult geht es um junge Erwachsene, zwischen 18 und 25 vielleicht, die ihr eigenes Leben beginnen, abgenabelt von den Eltern. Es geht um das Erwachsenwerden, darum herauszufinden, wer man sein möchte und was man sich vom Leben erwartet. Da das auch einfach meine eigene Lebenswelt ist, war die Entscheidung für das Genre gar nicht so bewusst, sondern eher selbstverständlich.

Die Erwartungen an das Leben sind ein gutes Stichwort. War das Schreiben schon immer dein Plan A vom Leben?
Ja, auch wenn es lange gedauert hat, mir das selbst einzugestehen. Mir war immer klar, dass Schreiben meine große Leidenschaft ist. Dennoch war es mir wichtig, dass ich zum Beispiel ein abgeschlossenes Studium habe, weil natürlich nicht jeder Wunsch in Erfüllung geht und man auch viel Glück braucht.

Hat dir das Studium beim Schreiben geholfen? Du hast ja in Augsburg Germanistik mit Kunstgeschichte im Nebenfach studiert.
Ich denke, teilweise ja. Wenn man schreiben möchte, dann macht man das, egal was und ob man studiert. Aber natürlich hat das Germanistikstudium beeinflusst, wie ich an Geschichten rangehe. Ich glaube, man bekommt ein Gespür für Erzählweisen und Handlungsstrukturen. Natürlich muss man sich aber bewusst sein, dass das theoretischen Wissen ist und man immer mit fremden Texten arbeitet.

Wie geht es jetzt für dich als Autorin jetzt weiter?
Im Mai erscheint »Wir sind der Sturm«, die Fortsetzung von »Wir sind das Feuer«. Mit diesem Buch ist die Geschichte von Louisa und Paul dann beendet. Außerdem wird es nächstes Jahr auf jeden Fall wieder etwas von mir zu lesen geben und es wird auch wieder New Adult sein. Mehr kann ich aber noch nicht verraten. Außerdem arbeite ich gerade an einem Jugendbuch und natürlich sind da noch die anderen Ideen, die im Kopf herumschwirren, aber noch keine ganzen Geschichten sind.

Zum Buch »Wir sind das Feuer« auf:
www.randomhouse.de

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