Flaschen aus dem Ausland

4. September 2017 - 10:17 | Thomas Ferstl

Projektor – die a3kultur-Filmkolumne im September

Anlässlich der »Flüchtlingskrise« tauchen in den Kinos immer häufiger all zu heitere Integrationskomödien auf. Dass diese nur selten gut und hauptsächlich schlecht, da abziehbildhaft uniform sind, wird bei all der gezeigten Toleranz auch gerne einmal übersehen. Ein österreichischer Regisseur mit »Migrationshintergrund« wagt sich nun aus einem neuen, frischen Blickwinkel an dieses Thema. Problematisch und delikat ist die Thematik nun aber gerade in Öster­reich, wo kürzlich eine hitzige Debatte um die »Noch mehr Flaschen aus dem Ausland«-Kampagne des deutschen Smoothie-Herstellers True Fruits entbrannt ist. Worum es sich bei dem Film handelt und ob er im Gegensatz zu vielen Genrekollegen sehenswert ist, erfahren Sie hier.

»Die Migrantigen« (3. September, Kindodreieck) sind Marko (Aleksandar Petrović) und Benny (Faris Rahoma), zwei Wiener mit sogenanntem »Migrationshintergrund« und vollständig integriert. So sehr, dass sie kaum noch als fremd wahrgenommen werden. Als die beiden jedoch aufgrund ihres Aussehens am Rudolfsgrund, einem ethnisch durchmischten Vorstadtviertel, von der ambitionierten Redakteurin Marlene Weizenhuber (Doris Schretzmayer), die nach Protagonisten für ihre TV-Dokuserie sucht, angesprochen werden, geben sie sich als kleinkriminelle und abgebrühte Migranten aus, die es faustdick hinter den Ohren haben. Damit ihre Lüge nicht auffliegt, bauen sie sich eine zweite Identität, die aus Klischees und Vorurteilen besteht. Und während die beiden durch die Erfüllung dieser Erwartungen und Vorurteile die Serie zum Erfolg machen, setzen sie sich gleichzeitig zum ersten Mal mit den echten Integrationsschicksalen auseinander – auch mit ihren eigenen.

Regisseur Arman T. Riahi flüchtete in den 1980er-Jahren aus dem Iran nach Österreich und weiß, wovon er erzählt. Rotzfrech und mit pechschwarzem Humor schildert er diese scharfsinnige Geschichte zwischen Schein und Wirklichkeit, zwischen Migration und Integra­tion. Dabei erlaubt es das dokumentarische Szenario des Films, eben genau dieses Wechselspiel effektiv auf die Spitze zu treiben, ohne dass die Geschichte konstruiert daherkommt. Ebenfalls zur Glaubwürdigkeit tragen die beiden Hauptdarsteller Aleksandar Petrović und Faris Rahoma bei. Sie spielen ihre Doppelrollen authentisch und dass sie bereits in Peter Kollers »Auf bösem Boden« gemeinsam vor der Kamera standen, merkt man ihrem Zusammenspiel positiv an. Einziger Kritikpunkt ist, dass Riahis Geschichte bei den Nebenhandlungen abseits der TV-Produktion etwas zu oberflächlich bleibt. Ansonsten eine absolute Empfehlung, bei der man auch als Piefke beherzt an einer vermeintlich völlig falschen Stelle lachen darf – leiwand!

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