Eine Frage von Herkunft und Zugang

7. September 2020 - 7:00 | a3redaktion

»Diversität« sollte längst eine Selbstverständlichkeit sein. Die Zukunft von Medien hängt davon ab. Ein Kommentar von Alfred Schmidt.

Wer die Welt beschreibt, ist nicht frei von persönlicher Wahrnehmung. Das liegt in der Natur des Menschen. Die kulturelle und soziale Herkunft beeinflusst den Blickwinkel. Auch Journalistinnen und Journalisten, die sich von Berufs wegen um ein Höchstmaß an Objektivität bemühen, können milieubedingte Erfahrungen und Prägungen bei der Arbeit nie ganz ausblenden – das wäre übermenschlich. Wer schreibt über wen und wie? Für die wirklichkeitsnahe journalistische Berichterstattung in einer fragmentierten Gesellschaft mit ihren vielen Milieus ist diese Frage von hoher Relevanz.

Schaut man sich deutsche Medien und die Zusammensetzung ihrer Redaktionen an, lässt die Abbildung der kulturellen Vielfalt trotz der zweifellos gemachten Fortschritte zu wünschen übrig. Es offenbart sich ein Manko, das bei der Wahrnehmung und Darstellung von Themen nicht ohne Folgen bleibt. Menschen mit nichtdeutschen Wurzeln, die sich von Medien nicht ausreichend repräsentiert fühlen, betrifft der eingeschränkte Horizont journalis­tischer Arbeit besonders. Richtig hart wird es für sie, wenn die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bereicherung durch Zuwanderung ignoriert und auf negative Aspekte reduziert wird.  Medien könnten ihren Stand und ihre Glaubwürdigkeit bei Menschen mit migrantischen Wurzeln verbessern, wenn sie Zugang zu Themen durch migrantisch erfahrene Journalistinnen und Journalisten hätten.

In Städten wie Augsburg, wo fast jede*r Zweite von Migration betroffen ist, sollte das Thema »Diversität« längst eine Selbstverständlichkeit sein. Auch die Zukunft von Medien hängt davon ab. Es gibt gute Ansätze, passiert ist bisher aber viel zu wenig, obwohl der demografische Wandel mit seinen umwälzenden gesellschaftlichen Veränderungen in den Medien seit Jahren beschworen wird.

Doch wie gehen sie selbst damit um? Wie hoch ist der Anteil der Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund in den Redaktionen? Medienschaffende müssen sich mehr denn je mit der Frage auseinandersetzen, ob sie in ihrer Arbeit die gesellschaftliche Wirklichkeit ausreichend abbilden (können) und den Bedürfnissen und Ansprüchen von Leserinnen und Lesern mit Zuwanderungsgeschichte gerecht werden.

Interkulturelle Kompetenz der Medien ist unverzichtbar. Sie leistet einen entscheidenden Beitrag für den Zusammenhalt und das friedliche Miteinander in unserer bunten Gesellschaft.  

Der Autor: Alfred Schmidt ist als freier Journalist und Berater tätig. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Augsburger Presseclubs und leitete von 2004 bis 2017 die Lokalredaktion der Augsburger Allgemeinen.

Bild: Gert Altmann | Pixabay

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