Das Fremde ist nur in der Fremde fremd

26. Februar 2019 - 14:54 | Iacov Grinberg

Schöpferische Arbeiten von Studierenden in der ehemaligen Synagoge Kriegshaber

Die neue Ausstellung in der ehemaligen Synagoge Kriegshaber, die unter dem Titel »Das Fremde ist nur in der Fremde fremd« Arbeiten von Studierenden der Kunstpädagogik der hiesigen Universität unter der Leitung von Dozent Markus Schlee zeigt, ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Einerseits gehört ein Museum, das für alles genug Geld hat, zusammen mit Drachen und Kobolden, zu den Märchenwesen. Eine Ausstellung, die nur ein paar Objekte von anderen Orten braucht, bedeutet bereits ungeheuer viele zusätzliche Ausgaben. Eine Ausstellung, die auf lokalen Objekten basiert, ist folglich immer willkommen.

Andererseits sollen Studierende ihre eigenen künstlerischen Arbeiten schaffen und diese von Zeit zu Zeit anderen zeigen. Das sind in der Regel eher interne Ausstellungen, die von Bekannten, Verwandten, anderen Studierenden, aber kaum von einem breiten Publikum besucht werden. Die für Studierende wichtige Rückmeldung ist folglich eng. Diesmal hat aber Markus Schlee zusammen mit der Museumsdirektorin Dr. Barbara Staudinger für seine Studierenden die Möglichkeit eines realen Themas mit nachfolgendem Präsentieren der Arbeiten für ein breites Publikum geschaffen. Für die Studierenden zweifelsohne ein Glücksfall.

Auch wir, das breite Publikum, zumindest dessen älterer Teil, bekommt mit dieser Ausstellung eine interessante Möglichkeit. Hier kann man die Differenzen zwischen unserer Wahrnehmung von Objekten und Begriffen und der Wahrnehmung seitens einer jüngeren Generation konvex fühlen.

Einige ausgestellte Arbeiten verursachen keine besonderen Differenzen, wie zum Beispiel »Adam und Eva« von Miriam Rauh. Diese zwei waren nach der Vertreibung aus der gewohnten Umgebung, dem Paradies, die ersten Fremden in einer fremden Umgebung. Sie sind gemacht aus Beton, faktisch Sand, aber mit Rippenstreckmetall, das den Sand zusammenhält, als hielte dies ihre Seelen. Gleich gut verständlich ist der metaphorische Gehalt einer anderen Arbeit von Miriam Rauh »Fremde Schatten«. Auch völlig verständlich ist die Metapher der Arbeit »Ohne Namen« von Hajdi Siegmund, wo eine Verknüpfung der Symbole für Aufstieg, Wohlstand, Zerstörung und Flucht zusammen eine Anspielung auf viele Schicksale unserer Zeit bildet.

Dagegen fordert die Audioinstallation »Zu Hause« von Chava Uszkurat ein Verständnis der modernen Geräuschkulissen. Während der Ausstellungseröffnung konnten viele ältere Personen die Laute dieser Installation, die zweifelsohne eine Bedeutung haben, nicht zuordnen. Der Darm aus Garn von Ida Lutzenberger, eine hängende Konstruktion aus Textil mit Füllung aus Latex und roter Beleuchtung, verursachte bei Älteren nicht die von der Künstlerin gewünschten philosophischen Assoziationen, sondern symbolisierte aus der Sicht von Älteren, wie der Staat Menschen ausnutzt, ihren Inhalt aussaugt und danach wegschmeißt, also eine Anspielung auf die heutigen Debatten über drohende Altersarmut.

»Küchentisch« von Katharina Leitl, der den Besucher zum Hinsetzen einlädt und Kommunikation mit einem Smartphone vorschlägt, was für die jüngere Generation wohl normal ist, haben wir nur als eine böse Satire auf die heutige zwischenmenschliche Kommunikation gesehen, wo es zwischen zwei Personen keinen Augenkontakt, sondern zwei Smartphones gibt. Auch die Installation »Polit-Talk« von Gonga Saglam, wo die Besucher eingeladen sind, sich auf einige Hocker zu setzen und miteinander zu reden, bewirkte bei uns eher Abstoßen: auf den Hockern sind die Porträts von verschiedenen Staatsoberhäuptern abgebildet. Nach dem Knigge meiner Generation darf man diese Personen lieben oder hassen, aber mit dem eigenen, mit Verlaub, Arsch zertrampeln, nein.

Als Paradebeispiel kann »Ez Chajim« (der Baum des Lebens) von Dana Hawlicki dienen. Die Künstlerin hat es als eine Metapher an den Begriff aus der Kabbala, die bei jüngerer Generation beliebt ist, geschaffen. Aber diese Liebe zu der Kabbala verläuft fast ohne jegliches tiefes Verständnis, oberflächlich. Dieser Begriff ist in der Kabbala selbst eine Metapher und eine Abbildung des Sternbildes Ursa Major als eine Bärin ist schon lange Zeit unüblich. Die Künstlerin hat aber Ez Chajim als ein Gebilde eines im Inneren leeren Baumstammes mit Spänen unter ihm geschaffen. Die von der Künstlerin gewünschten Assoziationen hat es leider nicht geweckt.

Sehen Sie sich diese Ausstellung an, dies ist noch bis zum 8. März möglich, und lesen Sie die Erklärungen der Schöpfer*innen. Vielleicht wird die Differenz in der Wahrnehmung auch für Sie deutlicher. Diese Differenz ist wichtig: Neue Arbeiten werden von einer jüngeren Generation geschaffen und um sie zu verstehen, sollte man die Auffassungen und Intentionen der Schöpfer*innen kennen.

www.jkmas.de

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