Auf in fremde Welten

22. Dezember 2017 - 8:43 | Gast

Vielfältiges Musiktheater im martini-Park. Ein Gastbeitrag von Sophie Walz

Augsburg ist für mich neu und ich entdecke auf meinen Wegen zwischen Theater, martini-Park und meiner Wohnung täglich neue Dinge. In der Stadt sowie im Theater, wo ich seit September als leitende Dramaturgin für das Musiktheater tätig bin, lerne ich ständig neue Menschen kennen und bin gespannt, wer mir noch alles im Laufe des Jahres 2018 begegnen wird. So freue ich mich sehr auf den Moment, wenn wir vom Musiktheater mit unseren Büros in die Räumlichkeiten des martini-Parks umziehen. Denn dann sind wir wieder ganz nah am künstlerischen Geschehen und gleichzeitig haben wir die Chance, zum Beispiel in der dortigen Kantine, den Mitarbeitern aus den anderen auf dem martini-Park-Gelände ansässigen Betrieben zu begegnen. Mal sehen, welche Synergien dadurch entstehen.

Künstlerisch geht für mich die Reise im Theater in der ersten Hälfte von 2018 gleich in drei ganz unterschiedliche Welten: Zunächst arbeite ich gemeinsam mit André Bücker an Giuseppe Verdis »La forza del destino« (Premiere: 24. März). Diese fulminante Oper erzählt von der zerstörerischen Kraft von Rache, Macht und Krieg, die das Glück zweier Menschen gänzlich verhindert. Es folgt in dem Ballettabend »Dimensions of Dance« (Premiere: 21. April) die Auseinandersetzung mit drei Choreografen, die Einblicke in die Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes eröffnen. Auf die erneute Zusammenarbeit mit Ballettchef und Chefchoreograf Ricardo Fernando freue ich mich ebenso wie auf die Begegnung mit Choreografiegrößen wie Mauro Bigonzetti und Young Soon Hue. Im Mai schließlich wende ich den Blick in die Sterne.

Die deutsche Erstaufführung von Dai Fujikuras »Solaris« (Premiere: 18. Mai) ist mir eine besondere Herzensangelegenheit. Stanisław Lem schuf 1962 mit seinem Roman »Solaris« ein Meisterwerk der Science-Fiction-Literatur – eine Parabel auf die menschliche Unfähigkeit, mit einem ihm gänzlich fremden Geschöpf zu kommunizieren oder es gar zu verstehen. Lem zeigt auf, dass der Mensch stets auf sich selbst zurückgeworfen wird. Der junge Regisseur Dirk Schmeding will Fujikuras so treffende atmosphärische Komposition aufgreifen und uns als Publikum im martini-Park in diese fremde Welt des Planeten Solaris entführen.

Neben diesen Inszenierungen, die ich selbst dramaturgisch betreue, bin ich ebenso neugierig auf die Welten, die uns die deutsche Erstaufführung von Rufus Wainwrights Erstlingsoper »Prima Donna« (Premiere: 3. Februar), Martin Zells Kinderoper »Die große Wörterfabrik« (Premiere: 21. April) nach dem entzückenden Bilderbuch von Agnès de Lestrade sowie die Uraufführung des Musicals »Herz aus Gold« (Premiere: 30. Juni) eröffnen werden. Stephan Kanyar und Andreas Hillger laden in ihrem Musical für die Freilichtbühne am Roten Tor die Zuschauer 2018 zu einer Zeitreise in das Augsburg von Jakob Fugger ein.

Sophie Walz, geboren in Ulm, studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Bayerischen Theaterakademie August Everding Musiktheaterdramaturgie. Nach Abschluss ihres Studiums 2009 arbeitete sie bei den Schwetzinger Festspielen und beim Festival Rossini in Wildbad. Ab 2010 war sie Dramaturgin für Musiktheater und Ballett am Anhaltischen Theater Dessau. 2014 wechselte sie als Leitende Dramaturgin für Musiktheater, Ballett und Konzert ans Theater Plauen-Zwickau. Zur Spielzeit 2017/18 übernahm Sophie Walz die Position der Leitenden Dramaturgin Musiktheater am Theater Augsburg.

www.theater-augsburg.de


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