Freude auf der Bühne und im Saal

15. Mai 2016 - 18:27 | Iacov Grinberg

Der Diedorfer Theaterworkshop hat seine neue Arbeit präsentiert.

Die Aufführung »Ein Sommernachtstraum (frei nach Shakespeare)« im Theater Eukitea habe ich gezielt besucht. Ich kenne einige der dortigen Teilnehmer seit ihrem Mitwirken am Internationalen Theater, das zum Friedensfest 2005 entstand und bis 2008, bis zur Veränderung der Stadtregierung, existierte. Meine Bekannten haben eine große schauspielerische Begabung, haben sich aber nicht für eine Karriere auf der Bühne entschieden. Warum?

Der Beruf Schauspieler*in, von dem viele junge Menschen träumen, ist schwer und hart. Über den Erfolg entscheidet dort sehr oft nicht Begabung und harte Arbeit, sondern der Glücksfall. Erinnern Sie einfach an eine der unzähligen Geschichten, wie eine junge Sängerin per Zufall eine Rolle als Primadonna bekommen hat, wie ein(e) Schauspieler*in zufällig von einem Regisseur für seinen Film ausgewählt wurde und danach als Star galt. Ja, der Gewinn in dieser Lotterie kann sehr groß sein, aber nicht alle sind bereit, ihr Leben als ein Lotterielos zu betrachten. Dazu gibt es noch in einem künstlerischen Kollektiv unvermeidliche Intrigen und Kämpfe, um eine gute Rolle. Und wenn eine Frau sich, zum Beispiel, entscheidet, dass ihre Mutterrolle viel wichtiger für sie ist als ein möglicher Erfolg auf der Bühne, kann man dagegen nichts sagen.

Die schauspielerische Begabung enthält nicht nur die Möglichkeit, anderen verschiedene Gefühle und Charaktere zu zeigen, sondern auch ein inneres Bedürfnis, das zu machen. Auch wenn Menschen mit einer schauspielerischen Begabung für sich eine andere Laufbahn wählen, dieses Bedürfnis bleibt. Dies bildet den Nährboden für Amateurtheater und Theaterworkshops. Der Diedorfer Theaterworkshop ist da keine Ausnahme.

Bei solchen Workshops sammeln sich Menschen mit unterschiedlicher Begabung, verschiedenen Alters und verschiedenen physischen Möglichkeiten, wobei Frauen in der Regel wesentlich zahlreicher sind als Männer. Die Hauptaufgabe bei solchen Workshops liegt auf den Schultern des Leiters, der in der Regel auch als Regisseur agiert. Man kann metaphorisch sagen, dass in einem »normalen« Theater ein Regisseur ein Theaterstück aus gut vorbereiteten Steinen in den von ihm gewünschten Ausmaßen baut. In einem Theaterworkshop hat er Bausteine von verschiedener Größe und Qualität und in einer begrenzten Zahl, wobei er auch fast alle beim Bau benutzen soll, und muss daher oft die Pläne von dem zu bauenden Gebäude an die vorhandenen »Bausteine« anpassen. Nicht umsonst trägt das Diedorfer Theaterstück die Bemerkung »frei nach Shakespeare«.

Aufführungen solcher Amateurtheater haben für die Zuschauer einige Vorteile. In einem professionellen Theater kann eine Aufführung Spuren von Routine tragen, hier niemals. Die Teilnehmer gelangen endlich auf die Bühne und arbeiten mit all ihren Kräften. Außerdem herrscht wirkliche Teamarbeit und Teamgeist, man unterstützt einander. Alle Beteiligten arbeiten mit innerem Engagement und das ist spürbar.

Alles das war präsent bei der Aufführung des Diedorfer Workshops und das Stück ist gelungen. Es macht keinen Sinn, jemanden besonders zu loben: Man kann nicht sagen, dass ein(e) der Schauspieler*innen besser als andere war, es war eine gemeinsame Feier auf der Bühne, eine allgemeine Freude. Das war unabhängig von Text und Sinn des Stückes und den Teilnehmern ist es gelungen, diese Freude, dieses feierliche Gefühl, dem Saal zu übergeben.

Ich kann Ihnen, liebe Leser, empfehlen: Falls der Workshop noch einmal auf die Bühne kommt, seien Sie unter den Zuschauern, es lohnt sich zweifelsohne!
(Iacov Grinberg)

Foto: Szene aus dem Stück © Diedorfer Theaterworkschop

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