Ein Freundeskreis

8. September 2017 - 8:40 | a3redaktion

Unsere Region hat zahlreiche hervorragende Einrichtungen zur musikalischen Ausbildung zu bieten. Das Angebot ist riesig. a3kultur sprach mit drei jungen Musiker*innen über ihre Leidenschaft. Teil 2: Stefan Steinemann, Augsburger Domsingknaben

a3kultur: Seit wann machst du Musik?

Stefan Steinemann: Mit fünf Jahren bin ich zu den Domsingknaben gekommen. Meine Eltern haben mich dort zur musikalischen Früherziehung angemeldet. Wir trafen uns einmal die Woche, haben gesungen und gespielt. Das hat mir scheinbar so gut gefallen, dass ich bis heute diesem Chor treu geblieben bin.

Welche Rolle spielt Musik in deiner Familie?

Ich bin, was das Thema angeht, ganz sicher erblich vorbelastet. Meine Mutter ist schließlich Kirchenmusikerin und hat bestimmt ihren Anteil daran, dass ich heute an der Hochschule für Musik in München studiere und in Basel an der Schola Cantorum. Allerdings haben längst nicht alle Domsingknaben einen solchen Hintergrund.
 
Hast du neben der Stimmbildung im Chor auch Instrumente gelernt?

Ja, natürlich. Das ist auch ganz wichtig für die Ausbildung. Heute spiele ich Klavier, Orgel und Cembalo.

Wie viel Zeit investierst du in deine Musik?

Heute ist mein Kalender nahezu komplett von der Musik beherrscht. Ich habe die Chance, Musik zu meinem Beruf zu machen und mir damit einen Traum zu erfüllen. Als Kind oder Jugendlicher hatte ich zwei bis drei Proben mit dem Chor und für das Klavier in der Woche. Regelmäßig haben wir Domdienste, das heißt, ich darf die Messen mit dem Chor musikalisch gestalten. Der Advent und die österliche Bußzeit sind mit weiteren Terminen, wie Konzerten, sozusagen Hochsaison für die Domsingknaben. Mit dem Kammerchor machen wir zudem spektakuläre Konzertreisen, zum Beispiel nach Südafrika, in die USA, nach China und in viele europäische Länder: Polen, Portugal, Frankreich, Belgien. Das sind Erlebnisse, die du nur mit den Domsingknaben haben kannst. Mir macht das heute noch großen Spaß. Und genügend Zeit für den Fußball­verein und meine Freunde hatte ich eigentlich auch.

Wie hast du diese Leidenschaft im Alltag organisierst?

Bei den Domsingknaben gibt es eine ganz gute Hausaufgabenbetreuung und auch auf Reisen ist immer jemand dabei, der bei schulischen Fragen helfen kann. Dazu kommt, dass die Männerstimmen prinzipiell die Knabenstimmen unterstützen und man im Chor füreinander da ist. So entsteht ein Freundeskreis aus Domsingknaben und Ehemaligen, der für mich auch heute noch sehr wichtig ist.

Was sagen die Leute in deiner Umgebung zu deiner musikalischen Leidenschaft?

Man hat schon einen gewissen Exotenstatus. Unser Chor ist eben etwas Besonderes, nicht nur in Augsburg. Die Leute sprechen einen an, wenn die Medien über uns berichten oder wenn man mit dem Chorpulli in der Stadt unterwegs ist. Das sind aber gute Rückmeldungen. Ich glaube, vielen Menschen hier gefällt, was die Domsingknaben machen, und sie sind vielleicht auch ein wenig stolz darauf, eine solche Institution in ihrer Stadt zu wissen – auch wenn sie selber gar nicht so viel mit unserer Musik verbindet.

Was war der bisher beste Augenblick deiner Karriere?

Das Spannendste war wohl die Mitwirkung bei der Oper »Das schlaue Füchslein« von Leoš Janácek an der Staatsoper München. Ich war als Heuschrecke zu erleben. Der ergreifendste Augenblick war 2005 bei einer Tournee in Polen. Wir hatten am Todestag von Papst Johannes Paul II. ein Konzert in Krakau und erst kurze Zeit vorher im Vatikan gesungen.

Wann und wo ist dein nächster Auftritt?

Demnächst geht es auf eine Konzertreise nach Ungarn und im September singen wir bei unserem eigenen Festival »Bach in Rokoko« in Günzburg.


Bach in Rokoko. Das Festival der Augsburger Domsingknaben

FR 29.09. Frauenkirche Günzburg – Bach und Rennaissancemusik aus Spanien und England: Byrd, da Vittoria, Bach 19:00
SA 30.09. Frauenkirche Günzburg – Bach und Barockmusik aus Italien und Ungarn: Istvánffy, Vivaldi, Bach 16:00
SO 01.10. Frauenkirche Günzburg – Abschlusskonzert: Schubert 16:00

Geistliches Abendkonzert in Mering

SO 22.10. St. Michael Mering – Kammerchor der Augsburger Domsingknaben: Komm, Jesu, komm 18:00

www.augsburger-domsingknaben.de

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