Ist Frieden möglich?

20. Juni 2017 - 10:41 | Dieter Ferdinand

Zum Jubiläum »500 Jahre Reformation«: Uraufführung der Friedensoper »Letzte Nacht« als Auftragswerk in der evangelisch-lutherischen Kirche St. Anna.

In dieser Nacht müssen die Schwestern Stella und Soledad eine Entscheidung treffen, um Frieden in der Welt zu stiften. Stella lauscht und hört Stimmen des Leidens und der Hoffnung. Mitgefühl und Abneigung gegen einfache Lösungen machen sie passiv. Soledad will handeln und wird besucht von einem Gesandten »von oben«, der auf Taten drängt. Am Ende der Nacht fallen Entscheidungen. Der Gesandte: »endlich Krieg, endlich Frieden.« Stella: »Es endet nie. Morgen wird es wieder geschehen.« Bleibt alles beim Alten?

Die erste Oper des 24-jährigen Komponisten Patrick T. Schäfer wurde in einem längeren Prozess erarbeitet; Zeichen dafür, dass heute nichts mehr von oben diktiert, sondern eine »protestantische Diskurskultur« gepflegt werde, so Dramaturg Kornelius Paede. Einbezogen ist die gesamte Kirche. Eindrucksvoll steht Stella auf der Kanzel und breitet die Arme aus: »Alles brennt!« Der Madrigalchor bei St. Anna füllt den Raum mit dem »Chor der Angsthasen«. Der Alte spricht: »Die Kraft von früher ist wieder da. So fühlt sich das also an« und stirbt. Texte werden gesungen oder gesprochen. Die Musik schildert gut die verschiedenen Stimmungen. Im Mittelpunkt steht der wiederkehrende Luther-Choral: »Verleih uns Frieden gnädiglich«. Zu bewundern ist, wie Dirigentin Carolin Nordmeyer mit den hervorragenden Philharmonikern das komplizierte Gesamtwerk im Griff hat.

Die Dauer der Oper von 70 Minuten stand fest. Ich finde, es war zu viel reingepackt. Häufig singen viele gleichzeitig, der Text wird kaum verstanden. Das wundert in einer Kirche, für die das Wort einen hohen Stellenwert hat. Die Hörenden schwanken zwischen Lesen im Programmheft und Szenenbeobachtung. Mitwirkende und Besucher*innen müssen individuell entscheiden, wie sie zu Inhalt und Aufführung stehen. Hingehen und Sich-Einlassen lohnen sich. Anhaltender Applaus nach dem »Sonnenaufgang«.  

Weiterer Termin: 25. Juni, 21 Uhr

www.annamusik.de

Foto (Ulrich Stark): Susanne Simenec (links) und Liat Himmelheber, Aufnahme bei der Hauptprobe am 16. Juni

Weitere Positionen

6. Juli 2019 - 8:15 | Renate Baumiller-Guggenberger

Ganz klassisch – die a3kultur-Klassik-Kolumne im Juli

1. Juli 2019 - 12:57 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere von Andrew Lloyd Webbers Rockoper »Jesus Christ Superstar« auf der Freilichtbühne am Roten Tor

1. Juli 2019 - 8:41 | Gast

Quergelacht: die a3kultur-Kabarett-Kolumne im Juli. Von Marion Buk-Kluger

28. Juni 2019 - 8:01 | Iacov Grinberg

Die neue Ausstellung »Immer Kopf« in der Galerie Süßkind zeigt Arbeiten von Mike Mayer.

26. Juni 2019 - 13:00 | Thomas Ferstl

Der Juli ist bald da, die Temperaturen steigen und die Kinoleinwände zieht es hinaus an die frische Luft. Projektor – die a3kultur-Filmkolumne

21. Juni 2019 - 10:23 | Bettina Kohlen

Ein Kaiser und ein Dichter spielen in diesem Sommer große Rollen im Augsburger Ausstellungsgeschehen.

21. Juni 2019 - 10:20 | Iacov Grinberg

Seit zwei Monaten tagt das »Philosophische Café« im Brechthaus. Das Thema der letzten Sitzung war »non-verbal«

Fotomontage: Susanne Thoma, Foto Haller: Fred Schöllhorn
19. Juni 2019 - 16:29 | Susanne Thoma

Pareaz e.V. hat zusammen mit dem Quartiersmanagement Oberhausen ein Projekt der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit mit dem Titel »Bring' den Haller auf den Platz!« gestartet.

17. Juni 2019 - 8:40 | Jürgen Kannler

»Positive und kreative Utopien zu entwickeln, bedeutet nicht Naivität, sondern praktische Vernunft« – tim-Direktor Karl B. Murr im Interview mit a3kultur

14. Juni 2019 - 14:04 | Patrick Bellgardt

Vom 14. bis 16. Juni steigt das Internationale Django Reinhardt Festival im Parktheater des Kurhauses Göggingen. Der Augsburger Vibraphon-Virtuose Wolfgang Lackerschmid gestaltet den Abschluss des Gipsy-Jazz-Events. Ein Interview