Theater & Bühne

Ist Frieden möglich?

Dieter Ferdinand
20. Juni 2017

In dieser Nacht müssen die Schwestern Stella und Soledad eine Entscheidung treffen, um Frieden in der Welt zu stiften. Stella lauscht und hört Stimmen des Leidens und der Hoffnung. Mitgefühl und Abneigung gegen einfache Lösungen machen sie passiv. Soledad will handeln und wird besucht von einem Gesandten »von oben«, der auf Taten drängt. Am Ende der Nacht fallen Entscheidungen. Der Gesandte: »endlich Krieg, endlich Frieden.« Stella: »Es endet nie. Morgen wird es wieder geschehen.« Bleibt alles beim Alten?

Die erste Oper des 24-jährigen Komponisten Patrick T. Schäfer wurde in einem längeren Prozess erarbeitet; Zeichen dafür, dass heute nichts mehr von oben diktiert, sondern eine »protestantische Diskurskultur« gepflegt werde, so Dramaturg Kornelius Paede. Einbezogen ist die gesamte Kirche. Eindrucksvoll steht Stella auf der Kanzel und breitet die Arme aus: »Alles brennt!« Der Madrigalchor bei St. Anna füllt den Raum mit dem »Chor der Angsthasen«. Der Alte spricht: »Die Kraft von früher ist wieder da. So fühlt sich das also an« und stirbt. Texte werden gesungen oder gesprochen. Die Musik schildert gut die verschiedenen Stimmungen. Im Mittelpunkt steht der wiederkehrende Luther-Choral: »Verleih uns Frieden gnädiglich«. Zu bewundern ist, wie Dirigentin Carolin Nordmeyer mit den hervorragenden Philharmonikern das komplizierte Gesamtwerk im Griff hat.

Die Dauer der Oper von 70 Minuten stand fest. Ich finde, es war zu viel reingepackt. Häufig singen viele gleichzeitig, der Text wird kaum verstanden. Das wundert in einer Kirche, für die das Wort einen hohen Stellenwert hat. Die Hörenden schwanken zwischen Lesen im Programmheft und Szenenbeobachtung. Mitwirkende und Besucher*innen müssen individuell entscheiden, wie sie zu Inhalt und Aufführung stehen. Hingehen und Sich-Einlassen lohnen sich. Anhaltender Applaus nach dem »Sonnenaufgang«.  

Weiterer Termin: 25. Juni, 21 Uhr

www.annamusik.de

Foto (Ulrich Stark): Susanne Simenec (links) und Liat Himmelheber, Aufnahme bei der Hauptprobe am 16. Juni

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