Für die Zukunft arbeiten

5. Dezember 2017 - 10:57 | Dieter Ferdinand

Teilhabe und Kommunikation, Begegnung und Kultur: das Öko-Sozialprojekt.

Herbstfest auf dem Gelände der ehemaligen Ballonfabrik in der Austraße: ein buntes Treiben, warme Suppe, Obst, Gemüse und Salate in vielfältigen Formen und Farben, frisches Brot, leckerer Kuchen und ein interkulturelles Kulturprogramm. Eingeladen hat der Zusammenschluss SoLaWi, Solidarische Landwirtschaft Augsburg. Biologisch und regional statt giftig und konzernabhängig lautet die Devise. »Proteste allein reichen nicht aus. Wir müssen auch konkrete Alternativen aufzeigen«, sagt Bruno Marcon, Vorstand des 2008 gegründeten Vereins Öko-Sozialprojekt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, auf zukünftige Weise für die Zukunft zu arbeiten.

Zu diesem Projekt gehört auch Solawi Augsburg, das 2014 in Öd bei Schrobenhausen als Pilotprojekt startete. Die bisher vier landwirtschaftlichen Höfe und Gärtnereien in Öd, Emersacker, Augsburg-Bärenkeller und Döpshofen eint der Anbau auf biologischer Grundlage und das Leben mit der Natur sowie der verantwortliche Umgang mit Boden, Wasser, Pflanzen und Tieren. Neben den Landwirten gibt es die Gruppe der Stadtwirte, das sind die derzeit 126 Bezieher*innen der Lebensmittel. Sie haben ein Mitspracherecht, was und in welcher Menge produziert wird. Die Landwirte liefern ihre Lebensmittel an den Treffpunkt der Solawi in Augsburg, Oberer Graben 9. Hier sind das zentrale Depot und zugleich die dezentrale Verteilstelle für die Innenstadt. Boten holen die bestellten Ernteeinheiten dort ab und bringen sie in die fünf weiteren Verteilstellen Göggingen, Herrenbach, Hochzoll, Pfersee und Senkelbach. Die Stadtwirte holen dort die von ihnen bestellten Einheiten ab.

»Wir kontrollieren nicht, was Landwirte und Gärtner bringen, es gibt keine Waage«, erläutert  Marcon, »bisher hat das gut geklappt.« Damit wird auch vermieden, dass kleinlich verglichen wird, ob ein anderer etwa ein paar Gramm mehr hat. Es geht um den Aufbau von Vertrauen. Die Landwirte erhalten von den Stadtwirten einen Betrag, der über dem Bio-Großhandelspreis, aber unter dem Einzelhandelspreis liegt. Der Zwischenhandel ist ausgeschaltet, die Belastungen durch Transport und Verkehr werden minimiert.

»Kommunikation und Begegnung sind das Allerwichtigste«, erläutert Marcon. Durch regelmäßige Treffen, Feste und Bildungsveranstaltungen werden sie ermöglicht. Bei Hoffesten können alle Interessierten sich mit den Landwirten treffen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Höfe und Gärtnereien zu vereinbarten Zeiten zu besuchen und bei der Arbeit zu helfen. Die praktische Arbeit kann so handgreiflich erfahren werden. Weitere Begegnungen finden bei den Frühjahrs- und den Herbstfesten statt. Dabei wird auch immer ein Kulturprogramm geboten. Es treten regionale Musiker, Mundartdichter und alle auf, die etwas bieten wollen, auch mit Geschichten und Gedichten. Einmal jährlich findet die Mitgliederversammlung statt, bei der aufgelistet wird, was bisher geliefert wurde und eine Planung für das kommende Jahr vorgenommen. Die Landwirte berichten, was sie anbauen wollen und können, die Stadtwirte äußern ihre Vorstellungen und Wünsche. Dies kann auch laufend geschehen im Treffpunkt der Solawi.

Die erste Tat des Vereins Öko-Sozialprojekt war 2011 die Errichtung eines interkulturellen Gartens auf dem Gelände der ehemaligen Ballonfabrik. Viele Hände griffen zu. Sie trugen den belasteten Boden ab und frische Muttererde auf, so dass Anpflanzungen möglich wurden. Menschen mit unterschiedlicher kultureller und ethnischer Herkunft arbeiteten und arbeiten mit. Der interkulturelle Aspekt ist insgesamt sehr wichtig. Marcon: »Es gibt Grundsätze, die jedes Mitglied ausgehändigt bekommt. Dazu gehören: Ablehnung jeglicher Art von Rassismus, interkulturelle Orientierung, gleichberechtigte und auf demokratischer Grundlage beruhende Zusammenarbeit, Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft.«

Ein Anfang ist gemacht. Weitere Interessierte und Aktive sind willkommen. Insgesamt haben wir es hier ähnlich wie beim Grandhotel Cosmopolis mit einem sozialen Kunstwerk zu tun.

www.oeko-sozial-projekt.de
www.solidarische-landwirtschaft-augsburg.de


Foto (Pia Winterholler): Fröhliche Stadtwirte bei Solawi Augsburg. Im Vordergrund sitzend: Bruno Marcon.

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