»Games for Families« als Kindermagnet

Iacov Grinberg
5. April 2016

Wir – ein Senior, ein Erwachsener und zwei Buben von 8 und 14 Jahren – haben die traditionsreiche Ausstellung afa, die ihre Pforten am 2. April geöffnet hat, schon am ersten Tag besucht. Ich habe die afa zum ersten Mal im Jahr 2000 besucht, mit meinen damals 10 und 15 Jahre alten Kindern. Beim heutigen Besuch ist mir etwas ins Auge gesprungen.

Erstens die Eintrittspreise. Damals überstiegen sie die psychologisch wichtige Latte von 10 DM nicht, heute soll ein Erwachsener schon 10 Euro zahlen. Drastischer sind nur die Preise im öffentlichen Verkehr gestiegen: von damaligen 2,40 DM für Erwachsene bis 2,70 Euro heute. Nicht nur Preise – damals war es möglich am Wochenende mit einer Fahrkarte bis zu 3 Erwachsene oder 6 Kinder mitzunehmen, auch mit der Streifenkarte konnte man eine Person mitnehmen – heute ist das längst vorbei. Diese Preistreiberei, besonders in Verbindung mit offiziellen Daten über Lohn-, Rentensteigerung und Inflation erinnerten mich an einen bösen Spruch aus der ehemaligen UdSSR: »Was wächst bei uns ständig und unentwegt, wir aber bemerken das nicht? – Unser Wohlstand!«

Zweitens die Zusammensetzung der Aussteller. Heute kauft man viele Warenarten über das Internet, es waren wenige Verkaufsstände bei der Ausstellung. Die meisten Stände waren mit exklusiven Sachen versehen, die man sorgfältig anschaut und anprobiert vor dem Kauf. Es gab auch wenige Stände von Reiseveranstaltern und Kurorten, da ihr Verkaufsplatz sich auch ins Internet verschoben hat. Für Kinder war das unangenehm, da sie an solchen Ständen in der Regel etwas bekommen könnten: Kugelschreiber, Bonbons und andere Werbegeschenke.

Kinder haben natürlich andere Interessen als Erwachsene. Sie sind gezwungen uns beim Betrachten und Besprechen von Kleidung, Haushaltswaren, Betten, Fenstern und Türen gelangweilt zu begleiten und kompensieren das für sich dadurch, den Ausstellungsbesuch als Beutezug zu betrachten: Sie schnappen Werbegeschenke – Kugelschreiber, Süßigkeiten etc. Beim Besuch im Jahr 2000 haben meine Kinder ihre gemeinsame Beute zu Hause sortiert und geteilt. Nur Kugelschreiber haben sie damals mehr als 1,5 kg gesammelt! Heute sind frei liegende Kugelschreiber an den Ständen eine Seltenheit, viele vorhandene sind mit einem Strick oder einem Kettchen befestigt. Am Ende der Ausstellung erwies sich die heutige Beute mit nur 7 Kugelschreibern. Auch Süßigkeiten gab es wenig. Die, an den meisten Ständen vorhandenen, Gummibärchen haben die Kinder mäkelig abgelehnt – das ist für ganz Kleine!

In der Halle 1 haben die Kinder ein Novum bemerkt: Die Stände vom Deutschen Bundestag und Bayerischen Landtag. Sie aber erwiesen sich für Kinder als nicht interessant, abgesehen von Schokoriegeln am Stand des Landtags, die wurden gleich mit Vergnügen vernascht. Der älteste meinte, dass sie wegen der Wahlvorbereitung da sind (Kinder meinen immer, dass sie etwas von Politik verstehen). Diese Vermutung platzte aber gleich, da aus Parteien dort nur die Junge Union und der Landesverband der Freien Wähler vertreten waren.

In Halle 2 konnten wir Küchen und Möbel ruhig anschauen, da die Kinder etwas für sich Interessantes bei der Gartenschau gefunden haben – nämlich die Pilzschau vom Pilzverein Augsburg. Die Kristallinstallation wurde dagegen von den Kindern kritisiert: Sie haben Kristalle mehrmals in Naturmuseum gesehen und wissen, dass nur eine gute veränderbare Beleuchtung Kristalle zwingen kann, ihre ganze Schönheit zu zeigen. Bei dieser Installation war das Licht konstant und etwas dunkel.

Zu Neubau und Sanierung in die dritte Halle sollten wir später, ohne Kinder zurückkehren, da sie dort nichts Interessantes für sich gefunden haben. Dagegen lockten sie in der vierten Halle viele kulinarische Angebote von internationalen Vereinen an. Das war der einzige Platz für ihre Gaumenfreude: Andere Gastronomieläden baten nichts Besonderes an, auch im Unterschied zu den vorigen Ausstellungen war bei dieser das Café Dichtl, das die Kinder mit Begierde erwarteten, nicht dabei. Die Kinder kennen die Qualität von Süßigkeiten sehr gut!

In der fünften Halle waren die Kinder enttäuscht. Sie haben wie üblich viele Plätze erwartet, wo man verschiedene Käsearten probieren kann, diesmal war das Angebot klein. Mode, Textilien und Kosmetik weckten bei ihnen kein Interesse, zahlreiche Weinstände waren auch nichts für sie.

In der Halle 7 haben wir die Rollen gewechselt. Zuerst sprachen die Kinder »fachkundig« miteinander über die dort ausgestellten zahlreichen Autos, danach klebten sie fest an den »Games for Families«. Zahlreiche Spielekonsolen, Computerspiele, Brettspiele verschiedenster Art beschäftigen sie mehr als eine Stunde, im Laufe derer wir in die dritte Halle zurückkehren, um dort für uns Interessantes anzuschauen. Und nach einer Stunde waren die Kinder von den Spielmöglichkeiten noch nicht satt!

Ich kann Ihnen, liebe Leser, empfehlen: Falls Sie die Ausstellung mit Kindern besuchen möchten, wiederholen Sie unseren Fehler nicht, gehen Sie nicht von 1 bis 7, beginnen Sie gleich mit der Halle 7. Dort finden ihre Kinder für sich eine Beschäftigung und Sie können die Ausstellung in Ruhe anschauen. Es gibt dort reichlich zu sehen und zu kaufen.
(Iacov Grinberg)

www.afa-messe.de

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