»Ganesha Sharanam, Sharanam Ganesha«

Martin Schmidt
14. September 2015

Nach dem hinduistischen Mondkalender ist nun der Monat Bhadrapad. Am vierten Tag dieses Monats – im westlichen Kalender fällt er heuer auf Donnerstag, 17. September – feiern die Hindus Ganesh Chaturthi, den Geburtstag von Ganesha, dem Gott mit dem Elefantenkopf.

Ganesha wird in fast allen hinduistischen Glaubensströmungen verehrt. Er gilt als einer der beliebtesten Götter (und ist in Indien auf nahezu jeder Hochzeitseinladung zu finden). Ganesha heißt »Herr der Scharen«. Bekannt ist er auch unter den Namen Ganapati, »Gebieter der Scharen«, oder Vinayaka, »Entferner (von Hindernissen)«. Das erklärt auch schnell seine Verehrung: Er ist Vighnantaka bzw. Varada (»der Wohltaten Schenkende«) oder auch Siddhita (»der, der Erfolg bei der Arbeit schenkt«). Ganesha gilt als Sohn des Shiva und ist die Verkörperung von Weisheit, Glück und Erfolg.

Fast jeder Europäer hat schon einmal eine Abbildung von Ganesha gesehen. In der Regel sitzt Ganesha auf einer Lotusblüte. Schaut man sich die Darstellungen des Elefantengottes auf Bildern oder als Statuen ganz genau an, erkennt man zum einen, dass er immer nur einen Stoßzahn hat (der andere wird oft als abgebrochen gezeigt); Ganesha heißt deswegen bisweilen auch Ekadanta, »der mit dem einen Stoßzahn«. Zum anderen ist tatsächlich immer irgendwo eine kleine Maus oder Ratte auf der Abbildung versteckt. Sie ist Ganeshas Reittier (vahana) und steht für einen von ihm gezähmten Dämon.

In Europa haben wir als Kinder in der Schule gelernt, dass man afrikanische Elefanten an den großen Ohren erkennt, die asiatischen hingegen an sehr kleinen Ohren. Darum ist es bezeichnend, dass die asiatische Ikonografie Ganeshas Ohren stets überdimensional groß zeigt. Warum? Ganeshas großen Ohren samt seinem großen Kopf stehen für Weisheit – sie wird durch Hören (sravana) und Denken (manana) erworben.

Ganesha Chaturthi ist das höchste aller Feste im Jahreslauf. Viele Hindu sprechen an diesem Tag das Mantra »Ganesha Sharanam, Sharanam Ganesha«, »Möge Ganesha die Hindernisse entfernen«. Auch soll man an jenem Tag vermeiden, den Mond anzuschauen. In den Häusern und Straßen werden aus Lehm gefertigte Ganesha-Statuen – von winzig bis riesengroß – auf Altäre gestellt. Je nach Tradition und Ort anderthalb bis elf Tage lang. Gefeiert wird mit Gottesdiensten, Musik, Tanz und einer abschließenden fröhlichen Prozession zum Meer. Hier werden die Statuen dann feierlich im Wasser versenkt. 

Im Jahr 1995 stand bei vielen Ganesha-Verehrern der Atem still: Aus Delhi verbreitete sich wie ein Lauffeuer das Gerücht, dass eine Ganesha-Statue alle die ihr dargebrachten Milchopfer aufgesaugt haben soll. Man berichtete, Ganesha habe die Gaben mit seinem Rüssel oder seinem Stoßzahn weggetrunken.

Foto: Eine typische Darstellung Ganeshas, der Verkörperung von Weisheit und Glück. Zu Füßen Ganeshas: die kleine Maus, das Reittier (vahana) des Gottes

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