Die ganze Bandbreite der Illustration

22. September 2020 - 14:02 | Bettina Kohlen

Die anwendungsorientierte Kunst der Illustration wird meist in einem eher kleinen Rahmen gezeigt. Ganz anders in Augsburg: Die »Schwabillu« im Glaspalast schöpft mit Fläche und Menge aus dem Vollen.

Illustrationen begleiten unser aller Leben, sei es in der Werbung, als bildlicher Begleiter von Literatur oder als eigenständige Geschichten wie im Comic. Eine Illustration unterstützt in der Regel ein Anliegen, sie soll nicht dominieren, aber dennoch augenfällige Marker setzen. Welche Bandbreite die Arbeit von Illustrator*innen aus dem schwäbischen Raum aufweist, ist derzeit im Glaspalast zu erleben.

In der wunderbar weiten Halle 1, in der bis zum letzten Jahr eine Filiale der Staatsgalerie residierte, haben Nontira Kigle und Katharina Netolitzky für das Illustratorennetzwerk Augsburg ehrenamtlich eine umfangreiche Schau auf die Beine gestellt. Ausgewählt von den drei Jurorinnen Barbara Friedrichs (Kulturamt der Stadt Augsburg), Jana Schwindel (H2 – Zentrum für Gegenwartskunst) und Nontira Kigle geben 35 Meister*innen dieser angewandten Kunst Einblick in ihr vielfältiges und vielgestaltiges Werk.

Zwar arbeiten Illustrator*innen heute vorwiegend mit digitalen Instrumenten, dennoch bleibt das handwerkliche Können die unabdingbare Basis. Folgerichtig sind im Glaspalast vor allem Arbeiten zu sehen, die auf traditionellen Techniken basieren wie Tuschzeichnung, Aquarell, Acrylmalerei oder auch Holzschnitt. Lane Ziegler ist beispielsweise mit philosophisch-schrägen Radierungen vertreten.

Die hohe Zahl der in und um Augsburg tätigen Illustrator*innen hat sicherlich auch mit der Hochschule Augsburg zu tun. An der dortigen Fakultät für Gestaltung haben viele dieser Künstler*innen ihr Rüstzeug erhalten und Kontakte geknüpft, so dass ein Netzwerk entstehen konnte. So ist nun in der Ausstellung auch Mike Loos vertreten, der in Augsburg lehrt.

Damit befindet er sich allerdings in der Minderheiten-Gruppe der Männer – die »Schwabillu« ist eindeutig weibliches Terrain … So zeigt die Kinderbuchautorin und -illustratorin Daniela Kulot Ausschnitte aus ihren Büchern über Krokodil und Giraffe, aber auch Beispiele freier Arbeiten, so die Rabenbilder. Eva Krusches typische Figuren finden sich sowohl in ihrer freien wie auch der angewandten Arbeit. Natürlich ist auch Lisa Frühbeis dabei, die für ihren Comic-Sammelband »Busengewunder« erst vor wenigen Tagen mit dem Bayerischen Kulturförderpreis für Literatur ausgezeichnet wurde.

Ach ja: Der illustratorische Nachwuchs steht schon bereit – Levi Jähn, der jüngste Teilnehmer, ist 11 Jahre alt.

Das Angebot, mit einer Illustrationsausstellung die enorm große Fläche der Halle 1 zu bespielen, war sicher ebenso reizvoll wie herausfordernd für die Organisatorinnen. Doch das Wagnis einzugehen, mit vielen eher kleinformatigen Arbeiten gegen den Raum anzutreten, hat sich unbedingt gelohnt!

Schwabillu – Schwäbische Illustration | Halle 1 im Glaspalast | bis 25. Oktober | Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (10 Euro)

www.schwabillu.de
www.illustratorenaugsburg.de

Abbildung: Eines der Titelmotive zur »Schwabillu« von Eva Krusche

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