Gastbeiträge zum Abschied

4. Mai 2020 - 9:47 | Gast

Zum 30. April endete die Amtszeit des Augsburger Kulturreferenten Thomas Weitzel. Peter Bommas, Geschäftsführer der Kulturpark West gGmbH, und Korbinian Grabmeier, Vorsitzender des Augsburger Kulturbeirats, ziehen Bilanz.

Keine Akzente für eine »neue Kulturpolitik«

Thomas Weitzel war der Referent für Theater und Klassik, da war er Experte, dem Themenbereich war er zugewandt und der hatte absolute Priorität in seinem kulturpolitischen Handeln, obwohl ihm selbst in  diesem, seinem genuinen Bereich, bei entscheidenden Herausforderungen der OB mehrfach den Dirigentenstab aus der Hand nahm. Ob Konflikt und Bürgerbeteiligung um die Theatersanierung oder die Entwicklung und Konzeptionierung des Gaswerksareals, die Moderation des Finales im Kulturpark West oder beim Modular- bzw. Brechtfestival – es war sein Zuständigkeitsbereich, aber er hatte nicht die zündenden Ideen und den souveränen Zugriff darauf. In der Museums- und Kunstlandschaft agierte eher unglücklich – siehe Trepesch und BBK. Für viele Kulturakteure der Independentkultur, der Popkultur, der freien Kunst-, Film-, Musik- und Literaturszene hatte seine Expertise etwas Schlagseite. Diese Form von Kultur war nicht sein Ding, Partizipation war ihm eher suspekt und das konnte er auch schlecht verbergen.

Und im abgelaufenen Wahlkampf, quasi seine letzte Chance, setzte er keine Akzente für eine »neue Kulturpolitik«, blieb weitgehend stumm. Ebenso während der jetzt schon sechs Wochen dauernden Corona-Krise – kein Plan, kein Statement, kein Hilfsangebot von ihm. Enttäuschend! Also kein Grund für Elogen auf ihn. Sein jetzt von der neuen Regierungsmehrheit beschlossener, ziemlich unwürdiger Abgang allerdings bleibt trotzdem ein Trauerspiel und lässt Schwarz-Grün ganz schlecht aussehen. (Peter Bommas, Geschäftsführer der Kulturpark West gGmbH)


Große Aufgaben für den Nachfolger

Der CSU, den Grünen und Thomas Weitzel gelang es nicht, sich zusammenzuraufen. Warum genau, das bleibt im Dunkeln. Mit seinem erfolgreichen Management des Staatstheater-Interims (ein jahrelanges Mammutprojekt!) hat sich der Kulturfachmann parteiübergreifend Respekt erworben. Auch die neue Clubförderung und die Stärkung der freien Theater stehen aus seiner Amtszeit als Erfolge zu Buche. Die Zusammenarbeit mit dem Kulturbeirat war stets von gegenseitiger Wertschätzung geprägt.

Als kritikwürdig wird von manchen die politische B-Note angeführt. Es übernimmt nun aber kein Parteipolitiker, erneut wird ein Experte gesucht. Für die Kulturstadt Augsburg ist zu hoffen, dass sich ein würdiger Nachfolger oder eine würdige Nachfolgerin findet. Die Aufgaben waren schon vorher groß, nun soll  die sachfremde Aufgabe Sport dazukommen. Noch mehr: die Herausforderung, das Kulturleben trotz Corona zu erhalten und und im Angesicht erhöhter Ungewissheit beherzt für die Kultur als Politik- und Investitionsfeld zu kämpfen. (Korbinian Grabmeier, Vorsitzender des Augsburger Kulturbeirats)


Foto: a3kultur/Frauke Wichmann

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