Wie geht Bürgerbeteiligung?

Helioswerke Köln-Ehrenfeld
22. Februar 2015 - 11:33 | Bettina Kohlen

Gehören unsere Städte nur denen, die Eigentümer von Grund und Boden sind? Wie können die Menschen, die dort leben, ihr Umfeld gestalten und Einfluss nehmen?

Was in Augsburg beim Gaswerk nur mühsam in die Gänge kommt und bei den Brauereiflächen zwischen Maximilianstraße und Adenauerallee komplett versäumt wurde, hat in Köln-Ehrenfeld geklappt. Eine Bürgerinitiative wollte die Pläne eines Investors kippen, der aus dem gründerzeitlichen Industrieareal der Helioswerke ein großdimensioniertes Einkaufszentrum machen wollte. Ein Beteiligungsprozess kam in Gang, der Bürger, Stadt und Eigentümer an einen Tisch holte.

„Wem gehört die Stadt?“ fragt die Dokumentarfilmerin Anna Ditges. Über zwei Jahre hinweg hat sie beobachtet, was passiert, nachdem ein solcher Prozess angestoßen wird.

Alle Beteiligten entwickeln Nutzungsmöglichkeiten, die diskutiert und wieder verworfen werden. In einem zähen und mühsamen Ringen einigt man sich schließlich auf eine Nutzung eines Teils des Geländes für ein Schulprojekt, die Stadt Köln erwirbt den entsprechenden Grundstücksteil.

Ditges zeigt, wie der Beteiligungsprozess seine eigene Dynamik entwickelt. Sie ergreift nicht Partei für die eine oder andere Seite. Der Investor, ein mittelständischer Unternehmer wird ebenso unkommentiert beobachtet wie die einzelnen Mitglieder der Bürgerinitiative. Weitere Akteure sind der umtriebige Bezirksbürgermeister und die eher steifen Bauleute aus der Verwaltung.

Die Bürgerinitiative, eine keineswegs homogene Gruppe, setzt auf Kultur, freie Begegnung, Bürgergrün - das klassische Repertoire bildungsbürgerlichen Engagements, das überdimensionierter rein kommerzieller Nutzung entgegengesetzt wird. Der Eigentümer des Grundes reduziert im Laufe des Prozesses seine ursprünglichen Pläne. Irgendwann kommt das Projekt Schule ins Spiel, das letztendlich als rettende Lösung gesehen wird. Darauf kann man sich einigen.

Bürgerbeteiligung ist Interaktion. Im Film wird klar, dass hier Menschen agieren mit all ihren Macken, Interessen, Zielen. Der Eigentümer ist nicht der böse Immobilienhai, der Bezirksbürgermeister kann mit allen, die Mitglieder der Bürgerinitiative haben eine gewisse Tendenz zur Selbstverwirklichung, die Verwaltungsleute sind hilflos.

Am Ende sind alle erleichtert, eine Lösung gefunden zu haben. doch es bleibt ein schaler Nachgeschmack. Die konkret Betroffenen, die Handwerker, Einzelhändler, Gastronomen sind auf der Strecke geblieben. Egal wie das Helios-Gelände genutzt werden wird, für sie ist kein Platz mehr.

„Wem gehört die Stadt?“ läuft in Augsburg im Savoy-Kino.

http://wemgehoertdiestadt-derfilm.de

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