Geliebte Heimat?

28. Oktober 2012 - 0:00 | Gast

Mit zwei aktuellen israelischen Stücken startet das Theater Augsburg in die neue Spielzeit: Israel, mon amour

Beide Werke setzen sich mit der gesellschaftspolitischen Situation Israels auseinander. In Taher Najibs „In Spuckweite“ versucht ein Palästinenser mit israelischem Pass ausgerechnet am 10. September 2002 von Paris nach Tel Aviv zu fliegen. Als menschliches Sicherheitsrisiko eingestuft darf er erst am nächsten Tag ausreisen und auch in einem Café in Israel gehen ihm die Menschen aus dem Weg. Im zweiten Stück „Ulysses auf dem Flaschenfloß“ erzählt Gilad Evron die Geschichte eines ehemaligen Lehrers, der versucht, über den Seeweg russische Literatur in den Gazastreifen zu schmuggeln. Er wird festgenommen und muss in Haft. Dennoch hält er an seinen Idealen fest.

Die beiden Stücke haben im Theater Augsburg ihre deutschsprachige Erstaufführung. Gerade bei solch einem brisanten Thema ist es schön, dass sich auch das Theater mit dem täglichen Ausnahmezustand der Bevölkerung Israels und des Gazastreifens befasst. Zu Beginn der Vorstellung regnet es Jaffa-Orangen von der Decke. Das Symbol des längst vergangenen friedlichen Zusammenlebens von Palästinensern und Israelis verstreut sich auf der Bühne und wird weggekehrt. Man fragt sich, was dort Heimat bedeutet. Ist sie nur da, wo ich mein Kopfkissen hinlege, so wie der Protagonist behauptet? Am Rande der Bühne hängt ein Leuchtschild mit hebräischen und arabischen Schriftzeichen. Ins Englische übersetzt heißen sie: Going Home Since 1917.

In der Inszenierung von Markus Trabusch mag der Funke aber leider nicht so recht überspringen. Marcus Calvins Monolog des heimkehrenden Palästinensers scheint mit einer Distanz vorgetragen und auch beim zweiten Stück, in dem neben Calvin Tjark Bernau, Judith Bohle, Alexander Darkow und Eberhard Peiker zu sehen sind wirkt die Vorstellung teils steif und einseitig. Sehr schade bei diesem interessanten Thema. (ran)

Die weiteren Termine sind am 9., 12., 17., 20., 26. und 28. Oktober sowie am 3. und 4. November.

Im Rahmen der Produktion zeigen der Kunstverein Augsburg und das Theater Augsburg in Kooperation aktuelle Videokunst aus Israel im Holbeinhaus. Die Schau geht noch bis zum 21. Oktober.

www.theater-augsburg.de

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