Das Geschäft mit der Angst

11. Februar 2013 - 0:00 | Gast

Premiere von „Das Produkt“ im Sensemble Theater

Eine Frau verliert ihren Freund bei den Terroranschlägen des 11. September, dann verliebt sie sich in einen al-Quaida Terroristen und will mit ihm Disneyland Paris in die Luft jagen. Klingt wie ein Hollywood Streifen, und genau das soll es auch werden. In Mark Ravenhills Stück „Das Produkt“ versucht ein Filmproduzent eine Schauspielerin für die Hauptrolle zu gewinnen. Was im Original ein Monolog des Produzenten ist, hat Sebastian Seidel für das Sensemble Theater als ein zwei Personen Stück inszeniert, in dem sich Jörg Schur und Birgit Linner gegenseitig hochschaukeln und gemeinsam Ideen für den Film entwickeln, um das anwesende Publikum zu überzeugen. Das sitzt in der kleinen Probebühne im Kreis um die beiden Schauspieler herum, ist also hautnah bei der Entwicklung des Flims mit dabei. Mehrere Requisiten machen diesen schon einmal anschaulich, wie Barbiepuppen, eine Micky Maus, das aufblasbare Sturmgewehr, Gebetsteppich, Messer. Im Spiel mit den Requisiten folgt eine überzogene Idee der anderen, wenn Amy, die Hauptfigur des Streifens, liebt, dann vergöttert sie, wenn sie wütend ist, wird sie zur Kampfmaschine. Allen Hollywoodklischees wird dabei genüge getan, von der Gucci Taschen tragenden Amy, die in einem fantastischen Loft, ehemals Schlachthaus, wohnt, über den jungfräulichen Terrorist namens Mohammed bis hin zu jeder Menge Gewalt, Sex und Explosionen. Zuerst halten Barbie und Ken noch als Verkörperungen von Amy und ihrem Mohammed her, dann übernehmen Schur und Linner selbst die Rollen und gehen ganz ihn ihnen auf. Ganz im Sinne von: Je größer das Unglück, desto dicker kann auch im Film aufgetragen werden. Hauptsache die Zuschauerzahl stimmt. Das Schlimmste bei all dem: Irgendwie will man diesen Film, der einem hier gerade verkauft wird, tatsächlich sehen. So überzeugt die Mediensatire über die Traumfabrik, über die Vermarktung eines Produkts und über Zuschauermanipulation auch im Sensemble Theater. (ran)

Die weiteren Vorstellungen sind am 15., 16., 22. und 23. Februar sowie am 7. März.

www.sensemble.de

Weitere Positionen

26. Februar 2020 - 16:16 | Martin Schmidt

Der Theologe Prof. Dr. Georg Langenhorst (Uni Augsburg) beleuchtet in seinem neuen, im Herder Verlag erschienenen Buch religiöse Motive in der modernen Literatur.

26. Februar 2020 - 11:14 | Gast

Eine ganz persönliche Brechtfestival-Bilanz. Von Knut Schaflinger

25. Februar 2020 - 11:15 | Renate Baumiller-Guggenberger

Das Abschluss-»Spektakel« verlangte den Zuschauer*innen in den bestens gefüllten martini-Park-Räumen einiges an (Schlange-)Steh- und Denkvermögen ab und überraschte mit mal mehr, mal weniger geglückten Programmen in Stegreif-Manier.

24. Februar 2020 - 16:22 | Jürgen Kannler

Die Brechtfestival-Organisation suchte Ärger mit Besucher*innen – und fand ihn.

24. Februar 2020 - 13:25 | Jürgen Kannler

Der Schauspielabend »Švejk / Schwejk« ist eine gelungene Kooperation zwischen den Städtischen Bühnen Prag und dem Staatstheater Augsburg.

21. Februar 2020 - 14:11 | a3redaktion

Der Podcast zur Kommunalwahl 2020 in Augsburg – ein Projekt von DAZ und a3kultur

20. Februar 2020 - 22:56 | Iacov Grinberg

Die neue Ausstellung »Sumos und Superhelden« in der Galerie am Graben zeigt Arbeiten des Kissinger Bildhauers Christian Richter.

19. Februar 2020 - 16:10 | Jürgen Kannler

Dienstagabend startete das »Heiner-Müller-Festival« seine kleine, spannende Hörspielreihe aus dem Kosmos des legitimen Erben Bertolt Brechts im Planetarium der Stadtsparkasse.

19. Februar 2020 - 12:05 | Renate Baumiller-Guggenberger

Das Best of Poetry Slam mit vier virtuosen Wortkünstlern wurde im nahezu ausverkauften Parktheater als beliebtes Brechtfestivalspecial begeistert aufgenommen.

18. Februar 2020 - 12:10 | a3redaktion

Gertrud Scheuberth sucht in ihrem Buch »Das blaue Gehwegschild – ein Vaterbild zerbricht« nach der Kriegsvergangenheit ihres Vaters Johann.