Gesichter im Auge des Betrachters

11. März 2019 - 17:14 | Iacov Grinberg

Die neue Ausstellung in der Kunsthalle des BBK im abraxas »Gesichte – Portraits & Visionen« zeigt die Arbeiten von drei KünstlerÜinnenn.

Die Malerin und Zeichnerin Cordula Güdemann aus Stuttgart ist mit ihren Gouachen und Ölbildern auf Leinwand, der vielseitige Künstler Pit Kinzer aus Markt Rettenbach ist mit Fotoarbeiten und Malereien, der Objekt- und Multimediakünstler Ingo Lie aus Hannover ist mit Digitaldrucken und Aquarellen vertreten. Sie arbeiten in verschiedenen Techniken und haben jeweils ganz unterschiedliche Sichtweisen auf das menschliche Gesicht, das wir mit modernen Begriffen als ein Interface, mit dem eine Person mit der äußeren Welt kommuniziert, bezeichnen. Natürlich werden auch die Werke der Künstler*innen von verschiedenen Betrachtern verschieden wahrgenommen.

Bei den Digitaldrucken von Ingo Lie sind die Gesichter nur schematisch angedeutet, ohne einen Gesichtsausdruck. Auf seinen Aquarellen sieht man sie eher als eine Karikatur: eine Eigenschaft der abgebildeten Personen ist deutlich gezeigt, alles andere bestenfalls nur angedeutet. Ähnliches geschieht bei den Gouachen und Ölbildern auf Leinwand von Cordula Güdemann. Auch in ihrer Serie »49 VIPs« sind die abgebildeten Personen, die manchmal leicht erkennbar sind, sozusagen »eindimentional« dargestellt, sie verdeutlichen eine bestimmte Charakteristik. Das gefiel nicht allen. Ein Kommentar war: »Mutter Natur hat schon selbst genügend abscheuliche Gesichter geschaffen, schauen Sie einfach auf die Straße. Wieso sollte man die existierenden Gesichter noch zusätzlich verfratzen?«

Die Gesichter der Serie »Gerngross Models Einkommensgrößen A-Z« von Pit Kinzer sind Gesichter der Plastikpuppen aus einem Spiel, ihre Fotos sind mit ausgedachten Daten »Name, Jahrgang, Beruf, Einkommen« versehen. Das scheint wie eine böse Allegorie auf die menschliche Position in der heutigen Gesellschaft, wo die meisten eine von der Gesellschaft erzwungene Rolle spielen und durch andere leicht ersetzbar sind.

Ganz anders sind seine »Gerngross Models Zseitensprünge: Tagtraum am Meer« und »Gerngross Models Zseitensprünge: Let’s dance«. Das sind Kompositionen mit vielen Personen und Objekten, wobei man, um den Gedanken des Künstlers zu verstehen, die Personen, Objekte und ihre Geschichte erkennen sollte. Die Arbeiten sind nach dem alten Prinzip geschaffen: Sapienti sat! (Es bedarf keiner weiteren Erklärung für den Eingeweihten!).

Diese Arbeiten sind aus meiner Sicht wie ein Gedicht. Wenn es nicht gelingt, ein feines Gefühl, ein Objekt oder eine Situation mit Worten zu beschreiben, schreibt man ein Gedicht und beschreibt dabei die Gefühle und Umstände rund um das gewünschte Gefühl oder Objekt – und versucht dadurch beim Leser das Gewünschte zu erwecken. Ganz ähnlich versucht der Künstler hier mit abgebildeten Personen, Objekten und ihren Konstellationen seinen Gedanken – ein eindeutig tiefer Gedanke – dem Betrachter zu vermitteln. Mir und vielen anderen Betrachtern gefielen diese Arbeiten sehr, aber auch hier hörte ich ein Seufzen: »Das ist keine Malerei, das ist am Computer gemacht« – als ob künstlerische Mittel für ein Kunstwerk von entscheidender Bedeutung sind.

Wie fast alle Ausstellungen in der Kunsthalle des BBK ist diese nur kurz zu sehen, sie dauert nur bis zum 14. April. Eine Besichtigung lohnt sich zweifelsohne.

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