Der gewisse Moment

Bidlhauermeister Wolfgang Auer, Foto: Susanne Thoma
1. November 2019 - 9:21 | Susanne Thoma

Der Friedberger Bildhauermeister Wolfgang Auer hat die Bronzefigur von Helmut Haller für die WWK-Arena geschaffen. Jetzt arbeitet er an neuen Skulpturen für die Fans in kleinerer Ausführung.

Wolfgang Auer zeigt den berühmten Augsburger Kicker Haller als humorvollen Menschen. Dabei ging es ihm »um einen gewissen Moment aus dem Leben Hallers.« Die Stellung, wie er einen Schuss abfeuert, sagte dem Künstler am meisten zu. Gleich drei Fußbälle sind in der 2,5 Meter hohen Bronzeskulptur verarbeitet, die seit 2015 in der WWK-Arena steht. Den ersten Ball hat Haller unter den Arm geklemmt – den geklauten Ball aus dem Wembleyspiel 1966. Haller schmuggelte ihn auf der Ehrentribüne beim Weltmeisterschaftsendspiel an der Queen vorbei und nahm ihn mit nach Hause. Auf einem weiteren Ball steht Haller – er bildet den Sockel der Bronzefigur. Den dritten Ball hat Haller gerade abgeschossen – er ist nur imaginär vorhanden. »Ich wollte mit meiner künstlerischen Arbeit den Menschen darstellen und nicht nur die Sportmaschine Haller.« Tatsächlich war der berühmte Augsburger Ausnahmsfußballer sehr humorvoll und hat seine Zeitgenossen häufig auf freundliche Weise gefoppt. Die Bronzefigur zeigt ihn in der Blüte seiner Jahre. Die Frisur, der körperliche Duktus und Habitus sind ausgezeichnet getroffen.

Am Anfang des Kreativprozesses hat Auer mit Fotografien aus verschiedenen Blickwinkeln gearbeitet. »Es ist immer eine besondere Herausforderung, jemanden nach seinem Ableben darzustellen. Man kann ja schlecht um den Menschen herumlaufen und ihn betrachten.« Auer legte Wert auf eine Skizzenhaftigkeit seiner Entwürfe. »Die Kunst besteht im Reduzieren. Wenn man zu glatt arbeitet, kann es 'umkippen', wie man im Fachjargon sagt. Man muss den Christuseffekt vermeiden.» Auer meint damit, dass man eine Figur so lange noch leidender machen kann, bis sie irgendwann zu lachen anfängt.

Die Herstellung einer Bronzefigur ist aufwendig. Der Künstler modelliert zunächst aus Ton das erste Modell. Dann kommt das Wachsausschmelzverfahren mit vielen Arbeitsschritten in der Gießerei zur Anwendung. Zur Realisierung des Haller-Objektes standen 24000 Euro zur Verfügung. Das Geld wurde durch Sammlungen der FCA-Fanszene, einem Haller-Trikot-Verkauf, Spenden des Vereins und einigen privaten Spenden aufbetrieben. Zuvor hatte sich der Akademische Bildhauer und Kunstpädagoge Wolfgang Auer bei einem künstlerischen Wettbewerb gegen 18 andere Bewerber durchgesetzt und den Zuschlag für das Kunstobjekt erhalten.

Auer hat nun begonnen, auch Büsten herzustellen. Die plastische Darstellung des Kopfes von Haller wird schon bald in Bronze für Fans und Kunstsammler*innen erhältlich sein. Eine weitere Idee ist, eine Skulptur für den Helmut Haller Platz in Oberhausen nahe des Geburtshauses von Haller zu errichten.

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