Gib mir Küsse, gib mir KUS!

17. Februar 2019 - 14:59 | Martin Schmidt

Soundblast »Glaspalast«: Augsburgs Indie-Label »Kleine Untergrund Schallplatten« (KUS) legt seine erste Compilation vor. Eine Rezension

Herbst 2015: Augsburgs Indie-Label »Kleine Untergrund Schallplatten« (KUS) erblickt das Licht der Welt. Etwas mehr als drei Jahre später erscheint nun die erste Label-Compilation – auf Vinyl natürlich (in blau/transparent), in limitierter Auflage (300), aber unlimitierter Popschönheit. 13 Tracks von ebensovielen Bands hat Label-Chef Ronny Pinkau auf »Glaspalast« zusammengestellt, dabei handelt es sich um Vinylpremieren und darüberhinaus zum Teil um Stücke und Versionen, die noch nie veröffentlicht wurden.

Den Einstieg machen Botschaft, die von Postpunk und Prä-NDW informiert den Gesangscharme von Stahlnetz und Kraftwerk mit 80er-Pop und der popkulturellen Denke der ersten 2000er-Jahre vermählen. Cheesy Romantik trifft ironisch Radiopop, Pop-Lego auf Platte. Friedrich Sunlight machen weiter mit ihrem unvergleichlichem (Re-)Mix aus Musical-Pop und 60er- und 70er-Pop. Deutschsprachig ist das knitz wie Sau, eine Art Lavalampe, gebastelt aus Marshmallows und Discokugel-Glitzer. Oder so.

Überträger & The New Lines erinnern (mich) mit ihrem Beitrag (ein wenig) an Spoonfed Hybrid (most known: »Boys in Zinc«), psychedelische Harmonieverschiebungen, wunderbar arrangiert und durchdacht. Während The BVs Shoegazer zart mit Krautrock und halligem Gesang paaren (ein Dunkeltraum aus Liebe, Sehnsucht und Herzverwirrung), konterkariert dies Stefan Geissler mit Minimal Instrumental-Electronica, eine Art smooth-krautiger Sonic Boom, eine Mischung aus Appliance und Melodien Kraftwerk'scher Klarheit – Kino-Abspannmusik in geilo, ein eigener Film für sich.

Zimt klingen immer, als würden sie Lieder von Zimt nachsingen, was ihren Liebreiz ausmacht und sie natürlich extrem gut beherrschen. Den Charme und die Melancholie von Britta kreuzen sie mit Pittiplatsch-Charme, »Weg der Harmonie« ist ein doppelbödiges Stück mit sogar kleinem, noisy Keyboard-Solo. Jetstream Pony ziehen Sing-a-long-Shoegazer-Pop auf Breitwand, und reichern alles mit der poppigen Jangle-Seite von JAMC an. Singer/Songwriter Raphael Kestler findet mit Frederik Jehle (von dem auch das Artwork und Design der LP stammt) zusammen eine ungemein poppige Facette seiner Musik, aber alles erfährt seine Bruch dadurch, dass Feedback, Overloads und Noises dazugefügt werden. Ein sich sanft steigernder, melancholischer Song, der unspektakulär anfängt und dann knistert.

Endlich Blüte zeigen ihre Meisterschaft in erzählendem Jingle-Jangle-Pop, Indie in ultra-zeitlos. Auch die Pale Lights paaren klugen Indie-Schrammel mit Jangle-Sound – Lloyd Cole meets countryesque The Go-Betweens. Dann kommen The Pippinger Flur, die an Monster Movie erinnern und Crooner-Pop mit Streichersätzen zu Honig verweben. Im Zeichen treibenden Flows stehen ab repeat: sie verflechten Postrock, Krautrock und Psychedelic zu einem repetitivem Klangteppich. Einen verträumt-darken Schlusspunkt setzen Eccentric Blabla – und überraschen mit einem Cover von Joy Divisions »Atmosphere«. Jangle-Gitarren tränken die dunkle Tiefe des Stücks und geben ihm einen JAMC-esquen »Just like Honey«-Anstrich.

Gemastert wurde die Platte von Moritz Illner (Duophonic Augsburg). »Glaspalast« macht mit ihrer Trackanzahl die Ziffer 13 zur Glückszahl, ein Indie-Traum für jeden Popperlen-Fan, direktemang aus Augsburg.

Kontakt Kleine Untergrund Schallplatten: kus-mail@gmx.de
Facebook: www.facebook.com/kus2015/
Soundcloud: https://soundcloud.com/kleineuntergrund

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