Ein Glanzlicht leuchtet selten allein

8. Januar 2018 - 8:15 | a3redaktion

Kaminski, Wasser, Barockmalerei – die Kunstsammlungen und Museen 2018. Ein Gastbeitrag von Christof Trepesch

Die Kunstsammlungen und Museen Augsburg haben spätestens seit 2006 – mit den Wieder- und Neueröffnungen von Schaezlerpalais, Maximilianmuseum, Mozarthaus und H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast – maßgeblich zum Aufstieg Augsburgs zur überregional wirksamen Kulturstadt beigetragen.Die Mischung von Ausstellungen, die sich unterschiedlichen Augsburger Themen ebenso widmen wie solchen, die sich inhaltlich am internationalen Niveau orientieren (oft bilden beide zudem deutliche Schnittmengen), wird sowohl beim heimischen als auch beim touristisch orientierten Publikum außerordentlich gut angenommen. Und so werden wir selbstverständlich auch 2018 in unseren Häusern weiterhin ein sehr ambitioniertes Programm bieten, das die Stadtbevölkerung ebenso begeistern wird, wie die Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Welt!

Den Auftakt bildet eine Retrospektive zum Werk des in Augsburg lebenden Malers Max Kaminski im H2 im Glaspalast, der im Mai seinen 80. Geburtstag feiern wird. Er gilt als einer der Hauptvertreter der Malergeneration Lüpertz, Baselitz & Co. und hat in seinen Gemälden immer auch seinen jeweiligen Lebensmittelpunkt verarbeitet. Im Zusammenhang mit der Bewerbung Augsburgs als UNESCO Welterbestätte steht hingegen die große Sonderpräsentation »Wasser Kunst Augsburg«. Sie zeigt die Reichsstadt in ihrem Element, denn obwohl sie weder am Meer noch an einem wirklich großen Fluss liegt, verdankt sich ihr Wohlstand von der Römerzeit bis heute der Kraft des Wassers. Dem niederländischen Stecher Hendrik Goltzius (1558–1617), einem der bedeutendsten Grafiker des Frühbarock – einer Zeit, in der auch Augsburg eine künstlerische Blüte erlebte – widmet sich die Ausstellung »Mythos, Macht und Menschlichkeit« im Schaezlerpalais. Goltzius gilt aufgrund seiner technischen Brillanz und Virtuosität in der Handhabung des Kupferstichs als der bedeutendste Druckgrafiker seiner Zeit und wurde auch von Augsburger Künstlern rezipiert.

Und auch im letzten Quartal des Jahres steht das Zeitalter des Barock im Fokus: In unmittelbarer Nähe zu den Werken der Deutschen Barockgalerie präsentieren wir herausragende Beispiele von Florentiner Meistern und zeigen so in der Stadt des »Augsburger Geschmacks«, wie sich die Kunst aus Deutschland und Italien gegenseitig beeinflusste. Ganzjährig lohnt sich übrigens ein Besuch in unserem Römerlager im Zeughaus. Im mittlerweile leider zum »Dauerinterim« gewordenen Ausweichraum unseres Römischen Museums bieten wir neben kleineren Themenpräsentationen auch immer wieder Informationen zu den neuesten Funden der Stadtarchäologie. Die Kunstsammlungen und Museen Augsburg bilden mit ihren acht Häusern und Institutionen den hochattraktiven kunst- und kulturgeschichtlichen Nucleus der Stadt Augsburg. Damit dieser Kern seinen Bogen wieder zur Gänze auszuspannen vermag, ist die Neukonzeption und Wiederöffnung des Römischen Museums eine substantielle Notwendigkeit, der sich alle bewusst sein sollten. Augsburg ist eben nicht nur Stadt der Fugger, der Renaissance, Stadt des Wassers, Stadt Mozarts, Brechts und Diesels, sondern sie ist eben auch die bedeutendste Römerstadt Bayerns!   

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

Der Kunsthistoriker Dr. Christof Trepesch ist seit 2004 Direktor der Kunstsammlungen und Museen Augsburg. Seit 2016 ist er zudem Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Museen in Bayern (AMB).


Ausstellungen 2018 – Eine Auswahl
H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast: Max Kaminski zum 80. Geburtstag, 14.04.–02.09.
Maximilianmuseum: Wasser Kunst Augsburg, 15.06.– 30.09.
Schaezlerpalais: Mythos, Macht und Menschlichkeit. Die Bildbotschaften von Hendrik Goltzius 20.07.–23.09. // Barockmalerei aus Florenz. The Haukohl Family Collection, 20.10.–20.01.19

Was bringt das neue Jahr? Die a3kultur-Redaktion hat 16 Kulturmacher*innen aus unserer Region um einen Gastbeitrag zu ihren Projekten 2018 gebeten. Mehr in unserer aktuellen Printausgabe: http://a3kultur.de/ausgabenarchiv

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