Glaspalast in Bewegung

28. Februar 2015 - 10:03 | Patrick Bellgardt

Interview mit der neuen Noah-Galeristin Wilma Sedelmeier

Geradezu passend erscheint die aktuelle Ausstellung »Tanzrausch« in der Galerie Noah, schließlich sind nicht nur Helge Leibergs leichtfüßige Figuren in Bewegung – auch das Team des Hauses im Glaspalast präsentiert sich verändert. Zu Beginn des Jahres übernahm die Kulturjournalistin und studierte Kunsthistorikerin Wilma Sedelmeier die Leitung der Galerie sowie des Kunstmuseums Walter. Ihre Vorgängerin Elisabeth Schulte verabschiedete sich nach 13 Jahren aus dem täglichen Kunstbetrieb. Grund genug für a3kultur, Wilma Sedelmeier einen Antrittsbesuch abzustatten. Die Fragen stellte Patrick Bellgardt.


Frau Sedelmeier, herzlichen Glückwunsch zum neuen Job! Wie wird man eigentlich Galeristin?

Meine Leidenschaft für die Kunst hat mich wohl ganz automatisch in diese Richtung getrieben. Ich hatte schon immer ein Faible für die Malerei. Vor meiner Zeit als Journalistin habe ich Kunstgeschichte studiert. Der Job ist irgendwie zu mir gekommen und so wird man dann tatsächlich ganz plötzlich über Nacht Galeristin.

Sind Sie privat selbst künstlerisch aktiv?

Früher habe ich mich darin versucht und hatte sogar mal kurz überlegt, Malerei zu studieren. Im Endeffekt hatte ich dann aber doch zuviel Angst vor dem Künstlerdasein. Ich bewundere alle, die da dran geblieben sind und ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben. Die Lust, kreativ zu sein, verspüre ich weiterhin, als Galeristin jetzt aber auf eine eher theoretische Art.

Markus Lüpertz, Georg Baselitz und viele andere ganz große Namen waren schon in der Galerie Noah zu Gast. Haben Sie als frischgebackene Galeristin so etwas wie eine Wunschliste?

Natürlich, die hatte ich auch schon vorher. Ganz oben steht Gerhard Richter, der derzeit völlig berechtigt zu den teuersten Künstlern der Welt zählt. Sein Werk, von den 60er-Jahren bis heute, ist einfach unglaublich spannend. Meiner Vorgängerin, Elisabeth Schulte, ist es leider nicht gelungen, ihn nach Augsburg zu holen. Da werde ich auf jeden Fall dran bleiben.

Zuletzt lag der Fokus vor allem auf Malerei und Skulpturen. Wo möchten Sie in Zukunft die Schwerpunkte setzen?

Die zeitgenössische Malerei ist mein Steckenpferd. Unser Fokus liegt daher weiterhin ganz klar auf der deutschen Gegenwartskunst. Ab und zu mal eine Installation, warum nicht? Klar, testen wir das auch mal aus! So wird Ende Juli die in Berlin lebende Künstlerin SEO mit einer riesigen Installation zu Gast sein. Insgesamt würde ich aber sagen: Never change a winning team.

Der Glaspalast, samt der hier ansässigen Galerien und Museen, hat immer wieder mit seiner Randlage zu kämpfen. Wie sehen Sie dieses Problem?

Wir brauchen eine bessere Anbindung über öffentliche Verkehrsmittel und eine funktionierende Beschilderung, das steht außer Frage. Zusammen mit der Stadt, den Kunstsammlungen und Museen Augsburg sowie der Regio möchte ich an einem gemeinsamen Konzept arbeiten. Als erster Schritt soll ein runder Tisch ins Leben gerufen werden, an dem wir uns regelmäßig treffen. Der Glaspalast könnte sich zukünftig als Zentrum für zeitgenössische Kunst in Süddeutschland bestens vermarkten. Das kann nur Hand in Hand funktionieren.

Können Sie sich eine stärkere Zusammenarbeit mit der freien Kunstszene vorstellen?

Absolut. Im Rahmen einer parallel zu unserem normalen Programm laufenden Ausstellungsreihe möchte ich Künstlern aus Augsburg und der Region in Zukunft ein Forum bieten, um sich regelmäßig präsentieren zu können. Gerne zum Beispiel in Kooperation mit dem H2. Diese Pläne stecken zwar noch in den Kinderschuhen, eine stärkere Einbindung der freien Szene steht aber auf jeden Fall auf meiner Agenda.


Noch bis zum 1. März sind in der Galerie Noah Gemälde und Skulpturen von Helge Leiberg zu sehen. Am 5. März um 19:30 Uhr startet die neue Ausstellung »Mythos Meer« mit Werken von Hermann Albert. Zur Vernissage wird der in Berlin und Italien lebende Künster anwesend sein. Bis Jahresende stehen sieben weitere Ausstellungen auf dem Programm, darunter Präsentationen von Bernd Zimmer, Arnulf Rainer und Rosa Loy.

www.galerie-noah.com

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