Gleich gleich #2

7. März 2019 - 9:34 | a3redaktion

a3kultur sprach mit sieben Menschen aus unserer Region über ihre Erfahrungen und Positionen zum Thema Gleichheit. Teil 2: Elisabeth Morhard, Kulturamtsleiterin der Stadt Bobingen und Organisatorin des Internationalen Bobinger Frauentags

»Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.« Über 70 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bleibt dieses große gemeinsame Ideal der Menschheit noch immer Utopie. Global betrachtet könnten die Lebensbedingungen und Verwirklichungschancen nicht ungleicher sein. Denken wir in einem kleineren Rahmen und blicken auf unseren Alltag, begegnet uns der Wert der Gleichheit in den unterschiedlichsten Ausprägungen und Themenfeldern. a3kultur sprach mit sieben Menschen aus unserer Region über ihre Erfahrungen und Positionen. Sie zeigen: Gleichheit ist eine Maxime, die wir nicht aufgeben sollten. 


Elisabeth Morhard, Kulturamtsleiterin der Stadt Bobingen und Organisatorin des Internationalen Bobinger Frauentags:

Gleichheit bedeutet für mich vor allem Chancengleichheit. Sie ist insbesondere bei Frauen im Berufsleben – bei gleicher Qualifikation – oft nicht gegeben: ungleiche Bezahlung, geringer Anteil an Frauen in Führungspositionen, in den meisten politischen Parteien und in den Parlamenten. Die formale, rechtliche Gleichheit gemäß dem Grundgesetz gewährt noch lange keine Gleichbehandlung in vielen Lebensbereichen.

Die Chancengleichheit für Frauen thematisiere und fördere ich alljährlich im Rahmen des städtischen Kulturprogramms mit dem Internationalen Bobinger Frauentag – übrigens dem größten Frauentag seiner Art im Landkreis Augsburg, der heuer am 15. März bereits zum 19. Mal stattfindet. Der Frauentag ist eine pulsierende Informationsveranstaltung von Frauen für Frauen und will vor allem Impulse geben und das Netzwerken fördern. Die Veranstaltung kommt sehr gut an, die Chancen – bei freiem Eintritt – nutzen alljährlich 500 bis 600 Frauen.

»Kulturelle Teilhabe und Chancengleichheit fördert das Kulturamt Bobingen unter anderem durch das Projekt ›Der Mensch lebt nicht vom Brot allein – kostenfreie Kulturtickets für Bedürftige‹.«

Ebenso sind mir die Chancengleichheit und die Teilhabe am kulturellen Leben bei Kindern sehr wichtig. Deshalb gibt es seit 2014 in Bobingen den »Bobinger Kulturbeutel« – ein Kulturbeutel im doppelten Sinne, der einmal im Jahr an alle dritten Klassen der Grundschulen und ihrer Außenstellen verteilt wird. Darin stecken Kulturgutscheine, die überwiegend freien oder stark kostenreduzierten Eintritt zu kulturellen Veranstaltungen, Führungen oder Workshops gewähren. Auf diese Weise haben alle Kinder in Bobingen unabhängig von ihrer Herkunft die Chance, Kulturorte zu besuchen.

Kulturelle Teilhabe und Chancengleichheit fördern das Kulturamt Bobingen seit Jahren auch bei bedürftigen Erwachsenen durch das Projekt »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein – kostenfreie Kulturtickets für Bedürftige«. Darüber hinaus gibt es im Kulturprogramm immer wieder interkulturelle Veranstaltungen, die gegen Rassismus und für Demokratie stehen – auch hier ist der Internationale Bobinger Frauentag ein Beispiel, der zugleich als Beitrag im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus läuft.

Mehr zum Thema in der a3kultur-Printausgabe März 2019:
https://a3kultur.de/ausgabenarchiv

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