Gleich gleich #4

9. März 2019 - 9:45 | a3redaktion

a3kultur sprach mit sieben Menschen aus unserer Region über ihre Erfahrungen und Positionen zum Thema Gleichheit. Teil 4: Barbara Friedrichs, Popkulturbeauftragte der Stadt Augsburg

»Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.« Über 70 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bleibt dieses große gemeinsame Ideal der Menschheit noch immer Utopie. Global betrachtet könnten die Lebensbedingungen und Verwirklichungschancen nicht ungleicher sein. Denken wir in einem kleineren Rahmen und blicken auf unseren Alltag, begegnet uns der Wert der Gleichheit in den unterschiedlichsten Ausprägungen und Themenfeldern. a3kultur sprach mit sieben Menschen aus unserer Region über ihre Erfahrungen und Positionen. Sie zeigen: Gleichheit ist eine Maxime, die wir nicht aufgeben sollten.


Barbara Friedrichs, Popkulturbeauftragte der Stadt Augsburg:

Bei uns im Kulturamt wie auch in der Stadtverwaltung habe ich den Ruf als Feministin weg. Das stört mich aber nicht. Eigentlich erwarte ich in einer Stadtgesellschaft von heute, dass sich alle nicht nur bemühen, die Gleichberechtigung unter den Geschlechtern voranzubringen, sondern sich insgesamt solidarisch zeigen mit jenen, die schlechtergestellt sind. In meiner Arbeit achte ich darauf, dass Frauen gleichberechtigt berücksichtigt werden – sei das beim Booking, bei der Zusammenstellung von Jurys oder bei Moderationen. Auch eine gleiche Gage für Frauen und Männer ist selbstverständlich. Ich glaube ganz stark an die Kraft des Empowerments. In den letzten Jahren gab es zum Beispiel einen echten Aufschwung bei weiblichen Singer-Songwritern in Augsburg – das freut mich ungemein. Seit einigen Monaten wächst zudem das Netzwerk »musicBYwomen« in Bayern heran, mit dem wir eng kooperieren und im April einen Workshop in Augsburg planen.

»Alle Frauen, die ich kenne, haben Diskriminierungserfahrungen – darüber reden wir auch abends beim Bier, im Freundeskreis und selbst im Fußballstadion.«

Ungleichheit bedeutet in diesem Kontext für mich, dass Frauen immer noch weniger gehört werden, dass sie weniger auf Bühnen präsent und weniger in leitenden Positionen tätig sind. Manchmal passiert das mit System, manchmal ist den Leuten aber auch gar nicht bewusst, dass sie sich immer wieder im gleichen Netzwerk bewegen und die gleichen Kontakte abrufen und pflegen. Es spricht ja auch gar nichts dagegen, einen guten männlichen Musiker für einen Gig zu buchen. Aber wenn Frauen dadurch automatisch außen vor gelassen werden, sehe ich meine Aufgabe darin, zumindest beratend tätig zu werden.

Darüber hinaus war und bin ich dankbar für die #metoo-Debatte – weil sie die Diskussion insgesamt vorangebracht hat. Es ist leichter geworden, erlebte Ungleichheit zu thematisieren. Alle Frauen, die ich kenne, haben Diskriminierungserfahrungen – darüber reden wir auch abends beim Bier, auch im Freundeskreis und selbst im Fußballstadion. Schön finde ich, dass es mittlerweile so viele Männer gibt, die das Thema verstanden und auf dem Schirm haben.

Mehr zum Thema in der a3kultur-Printausgabe März 2019:
https://a3kultur.de/ausgabenarchiv

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