Gleich gleich #5

10. März 2019 - 9:55 | a3redaktion

a3kultur sprach mit sieben Menschen aus unserer Region über ihre Erfahrungen und Positionen zum Thema Gleichheit. Teil 5: Benjamin Stechele und Martin Spengler, Geschäftsführer des »Lab for Media Art« Lab Binær

»Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.« Über 70 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bleibt dieses große gemeinsame Ideal der Menschheit noch immer Utopie. Global betrachtet könnten die Lebensbedingungen und Verwirklichungschancen nicht ungleicher sein. Denken wir in einem kleineren Rahmen und blicken auf unseren Alltag, begegnet uns der Wert der Gleichheit in den unterschiedlichsten Ausprägungen und Themenfeldern. a3kultur sprach mit sieben Menschen aus unserer Region über ihre Erfahrungen und Positionen. Sie zeigen: Gleichheit ist eine Maxime, die wir nicht aufgeben sollten.


Benjamin Stechele und Martin Spengler, Geschäftsführer des »Lab for Media Art« Lab Binær:

Als Labor für Medienkunst begegnet uns Gleichheit auch im Kontext unserer kreativen Arbeit. Anhand der Themenfelder Hierarchie, Zieldefinition, Bewertung und Urheberschaft möchten wir einen Einblick in die Vielschichtigkeit des Themas geben.

Hierarchie: Bei Lab Binær arbeiten wir immer im Team: Mitarbeiter*innen, Kooperationspartner*innen, Zuliefer*innen und andere sind Teil des kreativen Prozesses. Sowohl in der Ideenfindung, der Konzeption, aber auch in der Umsetzung arbeiten wir im engen Austausch. Dabei hat jedes Teammitglied, egal welches Spezialgebiet oder welche Kompetenzstufe es innehat, grundsätzlich das gleiche Recht, Meinungen und Ideen beizusteuern. Alles wird gehört, analysiert, bewertet und trägt so direkt oder indirekt zur Lösungsfindung bei. Das Ergebnis weist trotzdem – oder gerade deswegen – keine streng dogmatische Verteilung des Inputs und der Personenzahl auf.

Zieldefinition: Jedes unserer Projekte führt uns an neue, selbst oder fremdgestellte Themen, in denen wir zunächst mehr oder weniger Laien sind. Unsere Profession ist es, diese in analog-digitale Metaphern zu übersetzen, die Nachricht auf überraschende Art und Weise zu vermitteln und die Rezipient*innen so nachhaltig zu begeistern. Unser Anspruch, Originäres, also Überraschendes, zu schaffen, impliziert, dass wir eine Interpretation erschaffen, die für sich steht, also möglichst ungleich anderen Kommunikationsansätzen und Paradigmen ist. Dieses Alleinstellungsmerkmal und die damit einhergehende Aufmerksamkeit rechtfertigen den Aufwand, der dafür notwendig ist.

»Bei Lab Binær hat jedes Teammitglied grundsätzlich das gleiche Recht, Meinungen und Ideen beizusteuern. Alles wird gehört, analysiert, bewertet und trägt so direkt oder indirekt zur Lösungsfindung bei.«

Bewertung: Trotz absolut identischer Aufgabenstellung fördert kreative Arbeit meist unterschiedlichste Lösungsansätze ans Tageslicht, die in Bezug auf die Erfüllung der gestellten Aufgabe weniger objektive Vergleichsparameter liefern, als man es aus anderen Disziplinen vielleicht gewohnt ist. Natürlich gibt es auch hier ein Grundrepertoire an objektiv messbaren Parametern. Aber ist ein Kandinsky jetzt besser als ein Monet? Man könnte die Verweildauer der Museumsbesucher*innen messen und hinterher eine objektive Wertung ableiten. Am Ende kommt es zu einem nicht unwesentlichen Teil wohl auch auf den Kontext und persönliche Vorlieben bzw. die Bereitschaft an, sich auch auf etwas Neues einzulassen. Falle und Chance zugleich für Anbieter kreativer Arbeit.

Urheberschaft: Allgemein formuliert ist kreative Arbeit selten das Produkt eines singulären Genies. Die Inspiration, also der Nährboden, auf dem etwas entsteht, spielt eine wesentliche Rolle. Bezogen auf das Ergebnis stellt sich also immer die Frage, wie viel originären Anteil der oder die vermeintliche Schöpfer*in selbst hat und wie viel von »außen« kommt. Ein wichtiger Aspekt, damit gleicher schöpferischer Anteil nicht ungleich weniger honoriert bzw. ordentlich zitiert wird.

Mehr zum Thema in der a3kultur-Printausgabe März 2019:
https://a3kultur.de/ausgabenarchiv

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