Gleich gleich #6

11. März 2019 - 9:05 | a3redaktion

a3kultur sprach mit sieben Menschen aus unserer Region über ihre Erfahrungen und Positionen zum Thema Gleichheit. Teil 6: Jürgen »NT« Endres, Booker bei der Kantine und Veranstalter der queer-straight-whatever-Partyreihe »Lovepop«

»Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.« Über 70 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bleibt dieses große gemeinsame Ideal der Menschheit noch immer Utopie. Global betrachtet könnten die Lebensbedingungen und Verwirklichungschancen nicht ungleicher sein. Denken wir in einem kleineren Rahmen und blicken auf unseren Alltag, begegnet uns der Wert der Gleichheit in den unterschiedlichsten Ausprägungen und Themenfeldern. a3kultur sprach mit sieben Menschen aus unserer Region über ihre Erfahrungen und Positionen. Sie zeigen: Gleichheit ist eine Maxime, die wir nicht aufgeben sollten.


Jürgen »NT« Endres, Booker bei der Kantine und Veranstalter der queer-straight-whatever-Partyreihe »Lovepop«:

Egal, welchen Geschlechts, ob groß, ob klein, ob weiß oder grün, ob Atheist oder Buddhist – ich behandle jeden mit Respekt und erwarte das auch von jedem anderen. Scheuklappendenken und Schubladisierung bringen keinen weiter und dürfen in Zukunft gerne aussterben. Es sollte jeder nach seiner Vorstellung leben dürfen und können, solange er niemandem damit schadet.

So gerne wir bei unseren Veranstaltungen jeden reinlassen würden: Wir müssen an der Tür auch schauen, wer mit dem Partymotto harmoniert und wer nicht. Leider gibt es immer noch viele Leute, die mit »anders Liebenden oder Lebenden« ein Problem haben und dem Ganzen durch blöde Sprüche, Gesten und Gelächter bis hin zu Gewaltandrohung Ausdruck verleihen. Die meisten Störenfriede drehen zum Glück an der Kasse um, wenn man sie auf unser Motto aufmerksam macht. Wenn dann schon Witze gemacht werden, dann wars das und es gibt keinen Einlass. Da verzichte ich lieber auf Einnahmen und habe eine harmonische Party. Auch Gäste, die das queere Publikum wie Tiere im Zoo »beobachten« wollen, brauchen wir nicht. Alle, die einfach ohne Scheuklappen feiern möchten, sind herzlich willkommen.

»Leider gibt es immer noch viele, die mit ›anders Liebenden oder Lebenden‹ ein Problem haben und dem Ganzen durch blöde Sprüche, Gesten und Gelächter bis hin zu Gewaltandrohung Ausdruck verleihen.«

Wir haben etliche Geflüchtete als »Lovepop«-Stammgäste, die sich hier endlich einmal ungezwungen verhalten können. In einem Fall kam durch Zufall ein engstirniger Hetero aus der gleichen Wohneinrichtung zum Feiern. Später hat er einen Gast bei Bekannten geoutet und ihm so das Leben zur Hölle gemacht – der queere Gast musste sich nach einer neuen Wohnung umsehen. Manche sind leider noch sehr rückständig und weit weg von »open-minded«. Ein sehr schwieriges Thema.

Aktionen wie »freier Eintritt für Frauen« sind, was Gleichheit im Nachtleben angeht, ein Schuss in die falsche Richtung. Die eintrittsfreien Damen sollen hier ja nur die Eintritt zahlenden Männer anlocken. Somit ist das sexistischer Bullshit. Gleiches Recht für alle: Geschlechtsneutrale Sonderaktionen sind hier das Richtige. Insgesamt ist es zu  begrüßen, dass man immer mehr Wert auf solche Dinge legt. Leben und leben lassen ohne Ausgrenzung und ausgestreckten Zeigefinger! Je bunter, offener und abwechslungsreicher die Gesellschaft, desto wohler sollte man sich in ihr fühlen.

Mehr zum Thema in der a3kultur-Printausgabe März 2019:
https://a3kultur.de/ausgabenarchiv

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