Gleich gleich #7

12. März 2019 - 9:14 | a3redaktion

a3kultur sprach mit sieben Menschen aus unserer Region über ihre Erfahrungen und Positionen zum Thema Gleichheit. Teil 7: Silke Klos-Pöllinger, DGB-Regionsgeschäftsführerin und Vorsitzende des DGB-Kreisverbands Augsburg

»Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.« Über 70 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bleibt dieses große gemeinsame Ideal der Menschheit noch immer Utopie. Global betrachtet könnten die Lebensbedingungen und Verwirklichungschancen nicht ungleicher sein. Denken wir in einem kleineren Rahmen und blicken auf unseren Alltag, begegnet uns der Wert der Gleichheit in den unterschiedlichsten Ausprägungen und Themenfeldern. a3kultur sprach mit sieben Menschen aus unserer Region über ihre Erfahrungen und Positionen. Sie zeigen: Gleichheit ist eine Maxime, die wir nicht aufgeben sollten. Protokoll: Patrick Bellgardt


Silke Klos-Pöllinger, DGB-Regionsgeschäftsführerin und Vorsitzende des DGB-Kreisverbands Augsburg:

In ganz vielen Themenfeldern begegnen uns als Gewerkschafter*innen Gleichheit und Ungleichheit. Ein Beispiel wäre die Entlohnung: Nur noch rund die Hälfte der Beschäftigten in Bayerisch-Schwaben ist über Tarifverträge abgedeckt. Die Menschen führen ähnliche oder sogar gleiche Tätigkeiten aus, werden für ihre Arbeit aber unterschiedlich entlohnt – im Extremfall sogar in ein und demselben Unternehmen. In Branchen, in denen überwiegend Frauen tätig sind, zum Beispiel in der Pflege oder Erziehung, wird im Vergleich schlechter bezahlt. Ist das gerecht?

Gleichheit und Gleichberechtigung haben mich persönlich schon immer beschäftigt. Ich komme aus einer Familie mit drei Kindern. Wenn es darum ging, die Garage zu streichen oder den Rasen zu mähen, habe ich schon mal gehört: »Du bist ein Mädchen, du kannst das nicht.« Warum sollte ich nicht das können, was mein Bruder kann? Wen das Thema Gleichheit nicht berührt, ist in Gewerkschaften fehl am Platz.

»Gerade in von Männern dominierten Unternehmen haben viele noch die Schere im Kopf. Sie bedienen ihre eigenen, männlichen Netzwerke, wenn es um vakante Posten geht.«

Hinsichtlich der Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt wären wir heute längst nicht so weit, würde sich die Wirtschaftslage nicht so darstellen, wie es aktuell der Fall ist. Der Ruf nach Fachkräften führt dazu, dass Frauen größere Chancen haben – beispielsweise im Hinblick auf einen Wechsel von Teil- in Vollzeitstellen oder bezüglich des beruflichen Aufstiegs. Es gibt aber noch viel zu tun. Wenn freiwillige Selbstverpflichtungen nicht helfen, muss man auch über Quoten nachdenken. Der Blick muss aber viel früher anfangen – nicht erst auf den oberen Etagen der Unternehmen. Wir sollten uns fragen: Sind die Rahmenbedingungen für einen gleichberechtigten Aufstieg von Frauen überhaupt gegeben und welche Unterstützung ist notwendig? Gerade in von Männern dominierten Unternehmen haben viele noch die Schere im Kopf. Sie bedienen ihre eigenen, männlichen Netzwerke, wenn es um vakante Posten geht.

Von der anderen Seite betrachtet glaube ich, dass Frauen kritischer mit sich ins Gericht gehen. Sie fragen sich häufiger: Kann ich das überhaupt? Ist der Job mit meiner Familie vereinbar? Kann ich meiner Familie einen Ortswechsel zumuten? Während Männer vorbehaltloser Berufsangebote annehmen, denken Frauen lieber noch einmal darüber nach. Letztlich spielen geschlechtergerechte Formulierungen bei Stellenausschreibungen – auch mit dem sogenannten dritten Geschlecht – in der Praxis durchaus eine Rolle. Die Wirkung von Sprache ist nicht zu unterschätzen: Unternehmen signalisieren damit, dass ihnen die Privatperson – oder wie diese sich definiert – erst einmal egal ist. Wichtig ist doch, ob es die richtige Person für den Job ist.

Mehr zum Thema in der a3kultur-Printausgabe März 2019:
https://a3kultur.de/ausgabenarchiv

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