Glücksfeeling mit geistreicher Bewegung

14. Januar 2019 - 9:35 | Renate Baumiller-Guggenberger

Internationale Ballett- und Tanzgala 2019 des Staatstheaters Augsburg im martini-Park

Wahre Ballettfans lassen sich auch vom Winterwahnsinn nicht abschrecken, zumal wenn die Internationale Ballettgala in den martini-Park lockt. Schon leicht schräg, angesichts des meteorologischen Ausnahmezustands, der am Freitagabend herrschte, direkt mit dem choreografierten »Sommer« (aus der Ballettproduktion »Vier Jahreszeiten«) in dieses erneut extrem abwechslungsreiche Tanzevent zu starten, für das Ballettchef Ricardo Fernando eindrucksvolle Stars und Gäste aus Italien, der Slowakei, aus Belgien sowie den Nachbar-Metropolen München und Stuttgart ins »Tanzmekka Augsburg« – wie er zurecht kommentierte – eingeladen hatte.

Mit dem preisgekrönten Franzosen Kévin Coquelard (»Le Somnabule«) sowie der millionenfach auf Youtube geklickten »Fußmord«-Nummer (ansehen!) von Anne Klinge gab es zudem »schräge Vögel«, bzw. handfeste Beweise dafür, wie geistreich Tanz-Soli und raffiniert inszenierte Körperteile sein können. Schön, dass mit Marco Goeckes Stück »Infant Spirit« auch »Gauthier Dance« Stuttgart wieder mit von der Partie war, um mit dem unfassbar fokussierten Tänzer Rosario Guerra zu Beginn schon zeitgenössisches Topniveau zu demonstrieren. Intensität und emotionale, assoziativ wirkende  Aussagekraft moderner Choreografie machte auch das Tänzertrio aus Italien im Kurzwerk »Formami« erlebbar, ebenso wie die japanische Ausnahmetänzerin Aki Saito, die gemeinsam mit Bühnenpartner Mikio Kato nicht nur Forsythes »Approximate Sonata« sondern im zweiten Teil einen betörenden innovativen »Pax de Deux« aus der Feder von Sidi Larbi Cherkaoui tanzte, der technische Brillanz und Tragik verflocht. Mit Sinnlichkeit und eleganter »Symbiosis«, mit absoluter Harmonie und verblüffender Virtuosität begeisterten Haruhi Otani und Ángel García Molinero, die zuvor ganz klassisch und entschnörkelt im Don Quichotte-»Pas de deux« Spitzenleistungen zeigten. Nachwuchssorgen sind definitiv kein Thema, wie die vier jungen Tänzer des Bayerischen Junior Balletts in den »3 Preludes« mit ihrem rundum bühnenreifem Charisma und Dynamik klar stellten!

So jagte ein Höhepunkt den nächsten… Das Staatstheater-Ballett Augsburg (wo »der Storch gleich zweimal über den Schwanensee geflogen ist« – wie Armin Frauenschuh, der gemeinsam mit Erich Payer moderierte, verriet) rührte in seinen drei Previews geschickt auch die Werbetrommel für die anstehende Premiere »Missing Link« am 1. Februar. Dröhnend-euphorischer Finalapplaus belohnte alle vor und hinter der Bühne, die das Gala-Glücksfeeling herbeigezaubert hatten!

www.staatstheater-augsburg.de

Foto (Jan-Pieter Fuhr): Haruhi Otani, Ángel García Molinero, Companía Nacionale de Danza

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