Götternot, Frauenmut, Heldentod, Hoffnungsschimmer

25. April 2019 - 10:54 | Dieter Ferdinand

Im Kongress am Park wurde mit Richard Wagners »Die Walküre« eine konzertante Galavorstellung zugunsten der Theatersanierung gegeben.

Ein erstklassiges Musikfest war am Karsamstag zu erleben. Der in Augsburg lebende und weltweit als Mime in Wagners »Der Ring des Nibelungen« gefeierte Gerhard Siegel hatte Sänger*innen von Weltrang eingeladen. Sie verzichteten zugunsten der Theatersanierung auf ihre Gage.

Im Nachtgewitter flieht Siegmund (Gerhard Siegel) »in Feindes Haus«. Sieglinde, die Frau des Hauses,  stärkt ihn, sie verlieben sich ineinander und erkennen sich als Zwillingspaar. Siegel singt lyrisch und durchdringend heldisch. Als Brünnhilde ihm verkündet, dass er sterben und seine Geliebte zurücklassen muss, weist er sie entschieden zurück.

Als Hunding, Sieglindes Mann (Walter Fink), heimkommt, macht er mit der ersten Frage: »Du labtest ihn?« raumfüllend klar, wer Herr und Gewaltmensch im Hause ist. Er fordert Siegmund zum Duell.

Jennifer Holloway als Sieglinde artikuliert sehr gut, mit starker Stimme, meisterhafter Mimik und liebendem Blick. Sie war mit Siegmund geflohen, ist todtraurig über dessen Schicksal und jubelt erst wieder, als sie von Brünnhilde erfährt, dass sie »den hehrsten Helden der Welt« (Siegfried) in ihrem Schoß trägt.

Wotan will Siegmund schützen. Seine Frau Fricka (Katharine Goeldner), »der Ehe Hüterin«, verlangt scharfzüngig Siegmunds Tod. Johan Reuter als Göttervater singt stark und spielt trefflich die Trauer über den bevorstehenden Tod seines Schützlings, dessen Schutz er Brünnhilde verbietet.

Iréne Theorin als Wotanskind Brünnhilde zeigt schon beim ersten Kampfruf »Hojotohoh« ihre große Wagner-Stimme. Sie versucht vergeblich, Wotan umzustimmen. Die Todverkündung an Siegmund geschieht mit traurigem Unterton, dann warm und begeistert ihr Beschluss, diesen doch zu schützen. Wotan aber fährt dazwischen, zerstört mit seinem Speer Siegmunds Schwert, Siegmund fällt, Wotan tötet Hunding und kündigt harte Strafe für Brünnhilde an.

Wotan klagt auch vor den effektvoll singenden acht Walküren Brünnhilde an, sie habe sich selbst von ihm losgesagt. Johan Reuter entfaltet gesanglich und mimisch sein ganzes Können als strenger Vater und seine Vaterliebe, als er von seiner Tochter traurig Abschied nimmt. Stark auch Iréne Theorin, die mit Wotan streitet und erreicht, dass nur ein wahrer Held sie als Schlafende auf dem Weg zur Menschwerdung wecken darf.

Die Augsburger Philharmoniker unter ihrem Generalmusikdirektor Domonkos Héja boten eine Glanzleistung, bei der alle Stimmungen deutlich wurden. Bei seiner ersten vollständigen Wagner-Oper leitete Héja souverän und gab die Einsätze für die Sänger*innen präzise durch Blicke.

Begeistertes Publikum, sich steigernde Ovationen nach jedem Aufzug, am Ende stehend minutenlang für alle Mitwirkenden.

www.staatstheater-augsburg.de

Abbildung (Klick hier zum Vergrößern), von links nach rechts: Gerhard Siegel (Hunding), GMD Domonkos Héja mit Philharmonikern, Jennifer Holloway (Sieglinde), sitzend Walter Fink (Hunding). Foto: Jan-Pieter Fuhr

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