Göttliche Familiengeschichte mit Wundereffekt

13. Mai 2019 - 10:27 | Sarvara Urunova

Unter dem Titel »Father and son« fand am 11. Mai die Eröffnung des Deutschen Mozartfestes im Kleinen Goldenen Saal statt.

In diesen Tagen spielt sich in Augsburg eine besondere Familiengeschichte ab, eine Geschichte über das Verhältnis zwischen einem liebevollen Vater und seinem genialen Sohn, das durch »das göttliche Wunder« geprägt ist.

Ein Wunderkind zu erziehen ist nicht immer einfach. Leopold Mozart, dessen 300. Geburtstag die Stadt Augsburg mit einer Reihe von Veranstaltungen würdigt, einschließlich des diesjährigen Mozartfestes, kann stolz darauf sein, dass es ihm gelang. Seine Geburtsstadt ist es auf jeden Fall. Kulturreferent Thomas Weitzel betont in seiner Eröffnungsrede mehrmals, dass Leopolds pädagogisches Talent, seine Beharrlichkeit und Hingabe, aber auch seine Weltoffenheit zur Entwicklung des musikalischen Talents Wolfgangs beitrugen. Auch die Vizepräsidentin des deutschen Bundestags, Claudia Roth, spricht über das »göttliche Wunder«. Es ist ein Begriff, der sich wie ein roter Faden durch die Beziehung der beiden Mozarts zieht, denn ohne den »göttlichen« Vater gäbe es nicht den »Wunder«-Sohn. Dass Wolfgang Amadeus seinen Vater göttlich verehrt ist zweifellos, denn »nach dem lieben Gott« kam gleich der Vater, so erklärte Wolfgang Amadeus (lat. Gottlieb) mal in einem Brief.

Auch die Auswahl der Werke an diesem Abend zeugte von Ebenbürtigkeit. Es waren ausschließlich Werke von Vater und Sohn zu hören, auf der Bühne in einer nahen Begegnung verbunden, in einem Moment der Ewigkeit durch das Spiel der Akademie für Alte Musik Berlin (Foto) festgehalten und vereint. Die unkonventionelle Darbietung des Orchesters sprühte von Freigeist, es klang unvoreingenommen und leicht. Die Sopranistin Christina Landshamer überzeugte mit ihrer strahlenden Präsenz, als sie die Liebesarien aus Wolfgangs Hand sang. Erwin Wieringa und Miroslav Rovenský übernahmen die Solopartien in Leopolds Konzert für zwei Hörner in Es-Dur. In ihrem musikalischen Dialog kam das Thema des Abends nochmals zum Vorschein, und zwar, dass das Zusammenspiel auf Augenhöhe nur auf Grundlage der Souveränität des Einzelnen möglich ist.

Genauso göttlich geht es mit dem Mozartfest weiter: »Die Schöpfung« heißt das nächste Konzert, das am 13. Mai in der Ev. Heilig-Kreuz-Kirche stattfindet. Im Mittelpunkt steht das Werk von Joseph Haydn, dem »zweiten Papa« von Wolfgang Amadé Mozart.

www.mozartstadt.de

Foto: Christian Menkel

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