Goldene Zwanziger?

6. Januar 2020 - 11:42 | Thomas Ferstl

Eine kleine Vorschau und einige Highlights des frühen Kinojahres 2020. Projektor – die a3kultur-Filmkolumne

Der Cineplex-Verbund und damit auch die dazugehörigen Kinos in Aichach, Königsbrunn und Meitingen bieten zwischen 1. Januar und 31. März ein 30-Tage-Ticket. Für 30 Euro können Sie in diesem Zeitraum an 30 aufeinanderfolgenden Tagen ab dem ersten Besuch so viele Filme schauen, wie Sie wollen.

Im März und April lockt dann das Liliom mit zwei Events in seine Kinosäle. Vom 19. bis 21. März finden erneut die Kurzfilmtage statt. Einsendungen sind noch bis 20. Februar möglich. Einen Monat später, vom 14. bis 16. April, ist das Liliom Austragungsort des Mabig Film Festivals. Kopf hinter dem internationalen Event ist die erst 23-jährige Filmemacherin Andreea Boyer, die hofft, in Augsburg eine cineastische Veranstaltungsreihe zu etablieren, die sich hinter bekannten Festivals in München oder Berlin nicht verstecken muss.

Nun aber genug von der kleinen Vorschau ins erste Quartal 2020. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle noch zwei Filme empfehlen, die ich im Januar für sehenswert halte, ohne sie bisher selbst sichten zu können.

In einer von Machtstrukturen von Weißen geprägten Welt, in der Schwarze noch immer für wirkliche Gleichberechtigung kämpfen müssen und in den USA immer wieder unter oft fragwürdigen Umständen von weißen Polizisten getötet werden, scheint das Spielfilmdebüt der zweifachen Grammy-Gewinnerin Melina Matsoukas »Queen & Slim« (9. Januar, CinemaxX), ein Film von trauriger Notwendigkeit zu sein. Eigentlich hatten Angela (Jodie Turner-Smith) und Ernest (Daniel Kaluuya) gerade ein Date zum Vergessen, doch dann kommt alles noch viel schlimmer: Eine Verkehrskontrolle läuft aus dem Ruder und als die zwei Afroamerikaner den weißen Beamten in Notwehr töten, stellen sie sich danach nicht der Polizei, sondern fliehen. Allerdings wurde der Vorfall von einer Kamera aufgezeichnet – und die Aufnahmen gehen viral. Michael Meyns von der Gilde deutscher Filmkunsttheater findet: »Jeder, der Amerika verstehen will, sollte diesen Film sehen.«

Von einem Drama ganz anderer Art handelt Sam Mendes’ »1917« (16. Januar, CinemaxX, Kinodreieck, Liliom). Auf dem Höhepunkt des Ersten Weltkriegs sollen die beiden britischen Soldaten Schofield und Lieutenant Blake eine nahezu unmögliche Mission erfüllen. In einem unbarmherzigen Wettlauf gegen die Zeit müssen sie zu Fuß feindliches Gebiet durchqueren und eine Nachricht überbringen, die verhindern soll, dass Hunderte ihrer Kameraden einer anderen britischen Einheit in einen Hinterhalt der Deutschen geraten. Auch das Leben von Blakes Bruder hängt vom Gelingen dieser Mission ab. Besonders an diesem Film ist, dass sich die Geschichte in Echtzeit abspielt und in wenigen Plansequenzen gefilmt wurde, was am Ende den Eindruck einer einzigen 110-minütigen, hochdynamischen Szene erweckt. Bereits in den Trailern und Hintergrundberichten wirkt der akribisch ausgestattete Film aufgrund dieser Technik atemberaubend spannend.

Abbildung: Daniel Kaluuya und Jodie Turner-Smith in »Queen & Slim«

 

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