Goldener Februar

3. Februar 2018 - 8:01 | Thomas Ferstl

Ein vielversprechender zweiter Monat des noch jungen Kinojahres 2018. Projektor – die a3kultur-Filmkolumne

Liebe Leserinnen und Leser, das Hoffen seit der letzten Ausgabe hat sich gelohnt. So enttäuschend der Kinojanuar war, so vielversprechend präsentiert sich der zweite Monat des noch jungen Jahres 2018. Warum, fragen Sie sich? Natürlich weil die »Awards Season« nach den Golden Globes nun langsam, aber sicher auf ihren Höhepunkt, die 90. Verleihung der Academy Awards, zusteuert. Moment, Moment, werden sich jetzt einige von Ihnen denken, der Gewinn von Auszeichnungen ist doch noch lange kein Garant für qualitativ hochwertige Filme. Da haben Sie auch völlig recht, aber als Wegweiser durch den Wald an Filmveröffentlichungen dienen diese Veranstaltungen allemal. So bin ich froh, dass diesen Monat gleich mehrere Golden-Globe-Gewinner und -Nominierungen ihre deutschen Kinostarts feiern werden. Obwohl ich keinen dieser Filme gesehen habe, möchte ich Ihnen zwei davon vorstellen und meine Empfehlungen anhand der Trailer und der vorherigen Werke der jeweiligen Regisseure treffen. Welche Filme das sind und ob sich ein Kinobesuch lohnen könnte, erfahren Sie hier:

»Der seidene Faden« (1. Februar, Kinodreieck) spielt im London der 1950er-Jahre. Reynolds Woodcock (Daniel Day-Lewis) ist ein berühmter Damenschneider und begehrter Junggeselle. Gemeinsam mit seiner Schwester Cyril (Lesley Manville) steht er im Zentrum der britischen Modewelt, ihre Marke »The House of Woodcock« wird vom Adel ebenso geschätzt wie von Filmstars und High-Society-Größen. In Liebesdingen hält sich Reynolds für verflucht und flüchtet sich von einer Affäre in die nächste. Doch dann tritt Alma (Vicky Krieps) in sein Leben, eine willensstarke Frau, die nicht nur seine Geliebte wird, sondern auch seine größte Inspiration. Aber Alma will nicht nur der Ton in den Händen des großen Künstlers sein, sie stellt Reynolds vor die Herausforderung, einen anderen Menschen mit einer starken Persönlichkeit an seiner Seite zu akzeptieren. Das sorgsam kontrollierte Leben des Designers droht aus den Fugen zu geraten. Auch in diesem Film ist Regisseur Paul Thomas Anderson wieder ganz dem Thema dysfunktionaler zwischenmenschlicher Beziehungen verhaftet. Dies ist einer der Schwerpunkte seiner Arbeit, die ihm zu Recht den Ruf einbrachte, einer der besten Regisseure der Gegenwart zu sein. Nach »There Will Be Blood« abermals mit Oscar-Rekordhalter Daniel Day-Lewis als Hauptdarsteller verspricht dieses Werk Filmkunst auf höchstem Niveau. Kennt man Anderson, weiß man, dass man sich auf den Film einlassen muss. Leichte Kost wird es sicher nicht, aber allein die Tatsache, dass es Day-Lewis’ vorerst letzter Film sein wird, ist Grund genug, »Der seidene Faden« zu sehen.

»Shape of Water« (15. Februar, Kinodreieck) erzählt die Geschichte der stummen Filmliebhaberin Elisa (Sally Hawkins). Während des Kalten Krieges ist sie in einem Hochsicherheitslabor der amerikanischen Regierung angestellt, wo sie mehr oder weniger einsam und isoliert ihrer Arbeit nachgeht. Doch als sie und ihre Kollegin Zelda (Octavia Spencer) ein streng geheimes Experiment entdecken, das in dem Labor vorangetrieben wird, ändert sich Elisas Leben für immer. Sie freundet sich mit dem mysteriösen Fischwesen (Doug Jones) an, das dort in einem Tank gefangen gehalten wird. Ihre Gefühle für die Kreatur werden immer intensiver und zusammen mit ihrem Nachbarn Giles (Richard Jenkins) fasst sie schließlich den Entschluss, den Amphibienmann zu befreien. Ihre Liebe steht aber natürlich unter keinem guten Stern, denn nun wird das Paar gnadenlos vom Militär und von Laborleiter Strickland (Michael Shannon) gejagt.

Bereits unter anderem als bester Film und für die beste Regie bei den Critics’ Choice Awards und mit einem Golden Globe ausgezeichnet, ist dieser Film auf jeden Fall auch ein heißer Oscarkandidat. Die internationalen Pressestimmen sind ebenfalls voller Lob über Guillermo del Toros jüngstes Werk. Dies sicher nicht zu Unrecht, finde ich doch, dass del Toro der vielleicht größte Märchenerzähler des modernen Kinos ist. Ob »Pans Labyrinth«, »Hellboy« oder »Crimson Peak« – der Mexikaner versteht es, den Zuschauer in eine fantastische, aber immer real wirkende Welt mitzunehmen. Glaubt man dem Trailer, so ist auch in »Shape of Water« dieser Spagat durch eine liebevoll und detailreich umgesetzte Vision gelungen. Diesen Film werde ich auf jeden Fall sehen, ich hoffe, Sie auch.

Foto: Hält »Der seidene Faden« (1. Februar, Kinodreieck) zwischen Alma (Vicky Kriegs) und Reynolds (Daniel Day-Lewis)?

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