Große Synagoge groß gefeiert

24. Juli 2017 - 11:57 | Dieter Ferdinand

In den vergangenen Wochen beging die jüdische Kultusgemeinde das Jubiläum »100 Jahre Große Synagoge«.

In weiten Teilen der Stadtgesellschaft angekommen, anerkannt und aufgenommen sind unsere jüdischen Mitbürger*innen. Deutlich wurde das vor allem beim Festakt zum Jubiläum »100 Jahre Große Synagoge« am 28. Juni 2017. Eine besondere Würdigung erfuhr die israelitische Kultusgemeinde. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kam in das Gotteshaus, um mit Gemeinde und Gästen das Jubiläum zu begehen. Er zeichnete Verfolgungen, Schoah und Neubeginn nach und warnte eindringlich vor zunehmendem Antisemitismus. Ministerpräsident Horst Seehofer sagte eine spürbare Unterstützung für die Sanierung der Synagoge zu, Oberbürgermeister Kurt Gribl sprach über persönliche Begegnungen. Der Botschafter des Staates Israel, Yakov Hadas-Handelsman, und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, beleuchteten das Grauen des Holocaust und erwähnten jüngste Übergriffe und Anschläge. Sie reichten die Hand zur Versöhnung. Bischof Konrad Zdarsa und Regionalbischof Michael Grabow wiesen auf die gemeinsamen Wurzeln der beiden Religionen hin und sagten eine verstärkte Zusammenarbeit zu. Den berührenden liturgischen Teil zelebrierte Rabbiner Dr. Henry Brandt. Umrahmt wurde der Festakt durch musikalische Beiträge, etwa eine Komposition von Paul Ben-Haim, der von 1924 bis 1931 Kapellmeister des Augsburger Stadttheaters war und 1933 nach Tel Aviv auswanderte.

Das Festkonzert am 2. Juli mit einer Darbietung von Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium »Elias« unter der Gesamtleitung von Gereon Trier in der Synagoge schloss die Jubiläumswoche ab. Erzählt wird darin der hochdramatische Kampf des Propheten gegen den Baalskult im Nordreich Israel um 850 v.Chr. Es findet ein Gottesbeweis statt, der den einen Gott Israels als stärker erweist. Das Volk glaubt wieder an seinen Gott, wird aber durch Intrigen irre gemacht und fordert den Tod des Propheten. Elias flieht in die Wüste und erbittet seinen Tod. Er fährt in einem feurigen Wagen mit feurigen Rossen in den Himmel. Das Friedberger Kammerorchester, das Augsburger Vokalensemble und sechs Solist*innen boten eine grandiose Aufführung des für die Romantik richtungsweisenden Chorwerks, dessen Wirkung in der weithin schönsten Synagoge gesteigert wurde. Lesen Sie die ausführliche Besprechung des Abends unter: a3kultur.de/elias.

Bewegend gestalteten sich die Begegnungen mit und zwischen Nachfahren von Schoah-Opfern, die meist von weit her kamen, um am Festakt teilzunehmen und das heutige Augsburg mit der Synagoge zu erleben. Sie waren vom  Jüdischen Kulturmuseum, Frau Dr. Schönhagen, eingeladen und mit einem fünftägigen Programm betreut worden.

Die Ausstellung des Jüdischen Kulturmuseums »… zäh, genial, unbedenklich …« in der ehemaligen Synagoge Kriegshaber war eine große Tat. Paula Buber, Gattin von Martin Buber, wurde als fast vergessene Schriftstellerin und Journalistin sowie als Vorkämpferin der Frauenemanzipation vorgestellt. Derzeit laufen noch zwei Ausstellungen. Das Staatliche Textil- und Industriemuseum tim zeigt bis 26. November die auch durch das Jüdische Kulturmuseum unterstützte Ausstellung »Kahn und Arnold«. In der früheren Synagoge Kriegshaber ist bis 17. September die anregende Kunstinstallation »Garten ←→ Gan« zu sehen. Die jüdischen Mitbürger*innen gehören zu Augsburg. Die Kultusgemeinde nimmt teil am Runden Tisch der Religionen, an interkulturellen Veranstaltungen und Konzerten. Das Jüdische Kulturmuseum bietet Veranstaltungen und Ausstellungen. Es beleuchtet die Geschichte der Israeliten in Stadt und Region sowie jüdisches Brauchtum.

Insgesamt haben die zahlreichen Aktivitäten zum Synagogenjubiläum zu vielen Begegnungen und einer gesteigerten Wahrnehmung des Judentums in Stadt und Region geführt. Uns allen stellt sich die Aufgabe, den Friedensweg weiter zu beschreiten sowie allen Verunglimpfungen und jeder Gewalt, zu der auch die in der Sprache gehört, entschieden entgegenzutreten.

Foto: Franz Kimmel

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