Club & Livemusik

Großmaul

Julian Stech
8. April 2016

Er ist der Mann, den man an einem Abend auf der Kabarettbühne einer unserer humorvollen Großstädte sieht, und am nächsten Tag, wenn man abends die Glotze einschaltet, sitzt er bei Anne Will oder Maybrit Illner mit Politikern in der Runde und gibt seine Statements zur Radikalisierung von jungen Muslimen oder der AfD ab. Serdar Somuncu hat eine Haltung, eine Meinung und was das Wichtigste für einen Kabarettisten seines Kalibers ist: Er hat Wissen. Über Gesellschaftliches und Politisches, über Vergangenes und Gegenwärtiges. Einen witzigen, intellektuellen Volksvertreter könnte man ihn nennen, dessen Humor in einer ständigen Wechselwirkung mit seiner überzeugenden Ernsthaftigkeit steht.

Sechs Jahre lang tourte er mit Polizeischutz durch Deutschland und Europa, las in dieser Zeit aus »Mein Kampf«, parodierte und kommentierte, machte sich viele Feinde in rechten, aber auch linken Szenen. Im Gegenzug festigte er dadurch seinen Status als angstloser Künstler, der seine künstlerische Freiheit als eines der obersten Gebote in seinem Schaffen sieht, und erarbeitete sich somit in den letzten Jahren eine große Fangemeinde. Aber nicht nur die politischen, auch die alltäglichen, volksnahen Themen hat Somuncu drauf. In seinen regelmäßigen Auftritten in TV-Shows (seit 2015 hat er seine eigene: »So! Muncu« auf n-tv) erntet er immer wieder den verdienten Applaus und verursacht herzliche Lachanfälle bei den selbstironischen und amüsierten, kritischen Zuhörern. Dass die zurückgebliebenen Glatzen oder die sich von ihm ertappt und verarscht Gefühlten ihn nicht mögen, ist klar, zeigt aber auch nur, dass er seine Arbeit richtig macht.

Der 47-Jährige ist nicht nur Komiker, Schauspieler, Regisseur, Autor oder politischer Diskussionspartner. Er ist auch Musiker. Kein Autodidakt, sondern ein Studierter, der seine Lehrjahre von 1984 bis 1992 am Konservatorium in Maastricht und an der Staatlichen Hochschule für Musik in Wuppertal verbracht hat. Und genau diese musikalische Leidenschaft hat er mit in sein Programm »Sexy Revolution & The Politics« gepackt. Somuncu als Bandleader, gemeinsam mit vier weiteren Musikern funky und groovy auf der Bühne. Mag für manch einen ungewohnt klingen. Aber keine Sorge, denn der von ihm gewohnte Sarkasmus und Spott kommt in dieser Show nicht zu kurz, sondern wurde hier lediglich in eine musikalische Form gebracht.

Mit diesem Konzertprogramm kommt Serdar Somuncu am 13. April in den Spectrum Club. Einlass ist um 19 Uhr und Showtime um 20 Uhr. Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Sollte einer der Augsburger Somuncu-Hardcorefans oder -Interessierten an diesem Abend leider nicht können – kein Problem. Bereits diesen Herbst begibt sich Somuncu als »Hassias« nochmals in die Fuggerstadt (am 14. Oktober in den Kongress am Park). Dann allerdings ohne Band, sondern mit seinem erfolgreichen Kabarettprogramm »H2 Universe – Die Machtergreifung«.

www.somuncu.de
www.spectrum-club.de

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