Gut eingespielt

27. August 2018 - 10:17 | Jürgen Kannler

Die MAN und die Augsburger Philharmoniker pflegen seit Jahren eine Kooperation mit Vorbildcharakter. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

Man ist angetreten, um »gemeinsam Energie zu entfalten«. Auf diesen markigen Nenner brachte Uwe Lauber, Vorstandsvorsitzender Von MAN Energy Solutions, die seit 2008 bestehende und nunmehr um drei weitere Spielzeiten verlängerte Zusammenarbeit seines Hauses mit den Augsburger Philharmonikern. Dieses Sponsoring ist der MAN jährlich 60.000 Euro wert. Damit war und bleibt das Unternehmen Hauptsponsor des Orchesters und ist darüber hinaus der größte Förderer aus der freien Wirtschaft für das gesamte Theater Augsburg.

Dass dieser Etat nicht im Gesamthaushalt des Theaters versickert, versichert André Bücker, der Intendant des Hauses. Mit dem Sponsoring sichern die Philharmoniker unter anderem ihr Artist-in-Residence-Projekt und ermöglichen das jährliche Klassik-Open Air, bei freiem Eintritt für die Augsburger*innen und Gäste. Es ist nicht nur für den Sponsor wichtig, dass ein solches Engagement sichtbar ist und deutliche Spuren im Kulturleben der Region hinterlässt. Am Beispiel dieser Partnerschaft kann nachvollzogen werden, wie wertvoll die Zusammenarbeit zwischen Kultur und Wirtschaft für die gesamte Gesellschaft sein kann, zumal sie auch von der MAN Belegschaft mit wachsender Begeisterung mitgetragen wird, wie am Rande des kleinen Festakts anlässlich der Vertragsverlängerung zu erfahren war.

Die Kooperation zwischen Theater und MAN sollte Vorbildcharakter haben. Zu selten gelingt den in unserer Region ansässigen Konzernen kulturelles Engagement direkt am Standort. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Oft fehlt es aber einfach an der lokalen Identifikation auf Entscheiderebene. Aus diesem Grund gibt es kaum gewachsene Struktur zwischen diesen Unternehmen und den relevanten Kulturorten.

Anders stellt sich das Problem bei zahlreichen wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen aus dem Mittelstand dar. Hier stößt man in der Geschäftsführung meist sehr wohl auf offene Ohren, wenn es um das Thema regionale Kulturförderung geht. Hier fehlt es jedoch an der nötigen Orientierung, um aus den zahlreichen Anfragen der Kulturmacher*innen die wirklich zum Unternehmen passenden Projekte herauszufiltern. Das von der Stadt vor einigen Jahren formulierte Ansinnen, hier Abhilfe zu schaffen, trägt bisher wenig Früchte.

Auch um diesem Manko beizukommen, wäre die Politik gefordert. Doch diese gefährdet durch zuweilen instinkt- bis respektlosen Umgang mit Kulturarbeiter*innen und Kulturorten neue Kooperationen eher, als diese mit auf den Weg zu bringen. Auch beim Festakt im MAN-Museum glänzte die Stadt durch Abwesenheit.

Die Wirtschaft in unserer Region boomt. Es ist selten eine Etatfrage, ob sich ein Unternehmen kulturell engagiert. Für Sportsponsoring werden ohne mit der Wimper zu zucken Etats bewilligt, von denen Kulturmacher*innen nur träumen können. Allerdings versteht es der Sport auch besser, Mittel einzuwerben und auf die Belange seiner Partner einzugehen. Mit allen bekannten, zuweilen auch negativen Folgen. Wie essenziell eine attraktive Kulturlandschaft auch für den Wirtschaftsraum ist, kann jede Personalabteilung bestätigen, die händeringend nach qualifiziertem Nachwuchs sucht. Es liegt auch an den Unternehmen, diesen Standortfaktor zu pflegen.

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