Gute Erfolge und gute Perspektiven

29. Juli 2015 - 9:29 | Iacov Grinberg

Das erste Jahr des Fugger und Welser Erlebnismuseums.

Das neue Fugger und Welser Erlebnismuseum ist jünger als ein Jahr, hat relativ kleine Räume, verzeichnet jedoch bereits eine ungewöhnlich große Menge an Besuchern. Vielleicht liegt dies an den Personen, welchen es gewidmet ist, den Fuggern und Welsern? Kaum.

Jakob Fugger „der Reiche“ ist eine Person, die auch in Schullehrbüchern über das Mittelalter und die Renaissance erwähnt wird. Dort sind aber sehr viele Personen erwähnt, die Wesentliches für das Land geleistet haben. Jakob Fugger hat für sich und seine Erben ein immenses Vermögen mit nicht unbedingt sauberen und mit dem Christentum zu vereinbarenden Methoden zusammengeschmiedet. Sein sozial wichtigstes Werk – die erste Sozialsiedlung Fuggerei – wurde nicht aus Nächstenliebe geschaffen. Die Einrichtung wurde von Zeitgenossen als „Vergrößerungsvorrichtung fürs Nadelohr“ gespottet (Mt. 19:24): Dort beten alle Bewohner bis heute drei Mal täglich um die Seele von Jakob Fugger. Und die Welser sind in keinem Schullehrbuch erwähnt und außer den Augsburgern nur wenigen bekannt.

Vielleicht liegt die Ursache in authentischen alten Objekten oder Dokumenten, wie es in Museen üblich ist? Auch falsch. Alles Alte ist nur nachgeahmt, kopiert und gespielt. Selbst das Gebäude hat gar nichts mit diesen Personen zu tun. Es war für so reiche Menschen zu klein und gehörte erst den erfolgreichen Handwerkern und danach der Kirche.

Die wirkliche Ursache liegt im dritten Wort des Namens – Erlebnismuseum. Im Unterschied zu klassischen Museen ist es nicht nur ein Ort zur andächtigen Betrachtung in voller Stille, hier soll der Besucher aktiv sein. „Bitte nicht berühren!“ gilt hier nicht. Man darf – und soll – Knöpfe drücken, Schubladen bewegen, Objekte in die Hände nehmen und Exponate einschalten. Hier kann er nicht nur schauen, sondern auch hören, tasten und neuerdings auch das Gaumengefühl benutzen: Es gibt ein Café, wo die Getränke nach damaliger Rezeptur vorbereitet und von Menschen in damaliger Kleidung serviert werden.

Das Museum ist eigentlich das Werk von Götz Beck. Er war der Initiator und Organisator des Hauses. Als Tourismusdirektor der Regio Augsburg Tourismus träumte und dachte er an ein Publikumsmagnet und hat ständig daran gearbeitet, es für das Publikum noch attraktiver zu machen.

Einerseits gibt es dort heute bereits viele gewandete Führungen und Schauspielerführungen. Andererseits wird das Museum zum Veranstaltungsort: Geplant sind ständige Aufführungen der Tanzgruppe der Interessengemeinschaft Historisches Augsburg e.V. und monatliche Reden von Jakob Fugger, die vom Sensemble Theater verlautet werden. Man lässt das Museum nicht isoliert vom Rest der Stadt, sondern baut das Netzwerk aus. Dazu gehört auch das Fuggerzentrum der Augsburger Universität, Führungen in der Loggia und im Badezimmer der Fuggerhäuser.

Es sind spezielle Hefte für Kinder vorbereitet, was sie im Museum Schritt nach Schritt angeleitet machen können. Können Sie sich vorstellen, dass ein Kind nach zwei Stunden im Museum den Eltern sagt, dass es noch nicht alles gemacht hat und noch etwas Zeit braucht? Für Lehrkräfte, die ihre Schulklassen ins Museum bringen möchten, gibt es die Möglichkeit vorerst selbst kostenlos das Museum anzuschauen und die notwendigen Einführungen der Museumsmitarbeiter zu bekommen.

Es ist noch sehr viel geplant, aber schon der heutige Zustand des Museums lässt keine Zweifel: Die leidenschaftliche Tätigkeit von Götz Beck und seinem Team hat sehr gute Ergebnisse erzielt. Man kann weiterhin nur viel Erfolg für die Tätigkeit und die Entwicklung des Museums wünschen.
(Iacov Grinberg)

www.fugger-und-welser-museum.de

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