Gutta cavat lapidem

Christof Rehm, furor 9, Island
9. März 2020 - 18:32 | Iacov Grinberg

In der Ausstellung »furor« im Fotodiskurs herrscht Tiefschwarz auf einem Hintergrund von Schneeweiß – wobei Tiefschwarz keinesfalls gleichmäßig ist, sondern seine eigene komplexe Struktur vorweist.

Dies kann als ein Argument in der Auseinandersetzung zwischen Liebhabern schwarz-weißer und farbiger Fotografie dienen. Ich bin auf dieses Spannungsverhältnis in den frühen 70ern gestoßen, als ein Schulkamerad seine Fotoarbeit an einen Wettbewerb in Hongkong geschickt hat. Er hat den dritten Preis gewonnen und als Belohnung eine Packung von Farbnegativfilmen von Fujifilm und einen Katalog der Ausstellung bekommen. Obwohl der Wettbewerb vom Farbfilmproduzent Fujifilm organisiert wurde, waren mehr als die Hälfte der Arbeiten schwarz-weiß! Es zeigte sich, dass beide Arten ihre spezifischen Kunstmittel haben und beide das Schaffen sehr eindrucksvoller Bilder ermöglichen. Schwarz-weiße Fotografien erlauben, auf farbige Nuancen zu verzichten und einige Eigenschaften der Person/des Objektes zuzuspitzen, »konvex« zu zeigen.

Sowohl die derzeit im Fotodiskurs ausgestellten Acrylbilder auf Leinwand von Werner Knaupp als auch die Fotoarbeiten von Christof Rehm sind der Urgewalt der Elemente Erde und Wasser und derem ständigen Kampf gewidmet. Die abgebildeten Westmännerinseln (Vestmannaeyjar) sind eine Gruppe aus Inseln, Schären und Felsen vulkanischen Ursprungs südlich der isländischen Küste. Einige sind bewohnt, die Künstler interessierten sich jedoch für die »wilden« Gegenden. Die aus dem Meer herausragenden und erstarrten Ströme von Lava stören das Wasser. Es bekämpft diese Neuankömmlinge mit seinen Wellen, Steinchen für Steinchen. In der Höhe setzen dem Gestein Wind und Nässe zu. Dies schafft ein wirklich grandioses Bild eines unentwegten gewaltigen Kampfes. Gutta cavat lapidem, der stete Tropfen höhlt den Stein.

In manchen Ausstellungen ziehen einige Arbeiten unsere Aufmerksamkeit besonders an und ragen aus dem allgemeinen Bild heraus, hier aber schaffen alle Werke zusammen einen faszinierenden Eindruck. Sie unterstützen einander, schaffen ein Bild, das größer ist als ihre einfache Summe. In diesem Sinne ist diese Ausstellung eindeutig gelungen, Sie können sich noch bis zum 29. März davon überzeugen.

www.fotodiskurs.de

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