Halleluja in Günzburg

11. September 2018 - 13:58 | Renate Baumiller-Guggenberger

Die Augsburger Domsingknaben locken am letzten September-Wochenende zu ihrem Festival nach Günzburg. Ein Interview mit Domkapellmeister Reinhard Kammler

»Mozart, Haydn, Händel« stehen als berühmte Komponisten auf dem diesjährigen Festivalprogramm der Augsburger Domsingknaben in der Frauenkirche Günzburg. Im englischen Original gesungen, dürfte Händels erstmals 1742 in Dublin gespieltes Oratorium die größte Herausforderung für den Chor unter der Leitung von Reinhard Kammler sein.  Dabei wartet im Herbst (13. Oktober) im Münchner Gasteig mit Mahlers »Sinfonie der Tausend« unter Valery Gergiev schon weiteres Powerplay pur auf einen der renommiertesten deutschen Knabenchöre. Renate Baumiller-Guggenberger sprach mit Domkapellmeister Reinhard Kammler.

a3kultur: Warum eigentlich Günzburg und dessen Frauenkirche als spätsommerliche Festivallocation?

Reinhard Kammler: Die damals beim Start der Festivals gerade traumhaft restaurierte Rokokokirche von Dominikus Zimmermann mit ihrer optimalen Akustik hat sich als Konzertort angeboten, um über unseren Augsburger Wirkungskreis hinaus in Bayerisch Schwaben einen zusätzlichen musikalischen Akzent zu setzen.

Wie kam es zum Festivalkonzept – was hat sich bewährt, was außer dem Programm wurde im Lauf der Jahre verändert?

Seit 15 Jahren gibt es das Festival nun. Meine Programmkonzepte unter dem Festivalmotto »Bach in Rokoko« habe ich bislang anhand der musikhistorischen Entwicklungen für die Knabenstimme in der Zeit vor und nach Bach entwickelt, also Musik von der altklassischen Polyfonie der Renaissance bis zur frühen Wiener Klassik miteinbezogen. Dieses Jahr steht der andere große deutsche Barockkomponist erstmals im Mittelpunkt: Georg Friedrich Händel.

Wie viele Hörer begeistern die Domsingknaben dort in etwa – gibt es ein Stammpublikum?

In Günzburg haben wir uns ein treues Stammpublikum »ersungen«. Die Konzertbesucher kommen aber auch aus dem Augsburger, Münchner, Stuttgarter und Ulmer Raum. Dennoch hoffen wir, dass wir uns auch heuer wieder durch viele Erstbesucher über drei ausverkaufte Konzerte freuen dürfen.

Wo andernorts im August bis Mitte September die Schüler Ferien feiern, bewältigen die Augsburger Domsingknaben ein stattliches Pensum. Wie gelingt es, die jungen Musiker konstant zu begeistern?

Auch die Domsingknaben hatten große Ferien. Unsere attraktiven Projekte gleich zu Beginn der neuen Saison sind musikalisch längst vorbereitet. Meine Sänger sind Profis. Jeder ist begeistert bei der Sache und muss nicht extra motiviert werden.

Nennen Sie uns doch kurz die Highlights in 2019 oder weitere anstehende ehrgeizige Projekte.

Unser Terminkalender für 2019 ist bereits randvoll. Wir werden mit den Münchner Philharmonikern unter Valery Gergiev in der Pariser Philharmonie auftreten und unter Daniel Harding, einem weiteren Weltklassedirigenten, das »War Requiem« von Benjamin Britten aufführen. Wichtige Konzerte in Österreich und Kroatien stehen vor dem Vertragsabschluss. Dazu kommen viele eigene Projekte wie die »Matthäuspassion«.

Thema Nachwuchswerbung: Ist das schwieriger geworden oder ist die Zukunft der Augsburger Domsingknaben gesichert?

Die Neuanmeldungen zum neuen Chorjahr für unsere musikalischen Früherziehungskurse für Buben ab fünf Jahren laufen derzeit noch. Die Nachfrage ist aber bereits jetzt mehr als zufriedenstellend. Unser stimmlicher Nachwuchs scheint nach heutigem Stand also nicht nur kurz- und mittelfristig, sondern auch langfristig gesichert. Warum das so ist? Vielleicht ist unser Angebot attraktiv und zeitgemäß: Die Augsburger Domsingknaben sind kein umfassend vereinnahmender Internatschor. Wir bieten eine fundierte musikalische und stimmliche Ausbildung an nur ein bis zwei Tagen in der Woche und machen den Familien für diese Zeit ein sinnvolles Betreuungsangebot in unserem Haus St. Ambrosius.


Freitag, 28. September: Josef Haydn – Konzert für zwei Hörner und Orchester Es-Dur // Wolfgang Amadeus Mozart – Sancta Maria, Mater Dei, KV 273 // Wolfgang Amadeus Mozart – Symphonie Nr. 33, B-Dur, KV 319 // Josef Haydn – Missa in honorem Sti. Nicolai für Soli, Chor und Orchester
 
Samstag/Sonntag, 29./30. September: Georg Friedrich Händel – The Messiah für Soli, Chor und Orchester in englischer Sprache

Tickets und weitere Infos:
www.augsburger-domsingknaben.de

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