»Heimatlieder aus Deutschland feat. Augsburg«

Heimatlieder aus Deutschland feat. Augsburg
18. März 2015 - 13:46 | Julian Stech

An acht Tagen fand in Augsburg die Produktion einer CD statt, welche die traditionelle Musik acht verschiedener Nationen vereinigt. Ein Kollaborationsprojekt zwischen der Hauptstadt und der Fuggerstadt.

Wer die drei Worte »Heimatlieder aus Deutschland« liest, mag zu allererst an deutsche Volksmusik denken. Doch falsch gedacht. Denn hinter dem Projekt, welches von Mark Terkessidis und Jochen Kühling 2012/2013 ins Leben gerufen wurde, verbirgt sich kein Lobgesang an deutsche Nadelbäume und Rehkitze. Eher zeigt es Deutschland als multikulturelle Nation, in der man nicht nur Menschen anderer Herkunft antrifft, sondern auch ihre Kultur hautnah miterleben kann.

Musiker aus den verschiedensten Ländern, die aber alle schon seit kurz oder lang in der Bundesrepublik leben, haben es sich zur Aufgabe gemacht, Volkslieder aus ihrer Heimat einzustudieren und zu präsentieren. Unter den Künstlern befindet sich beispielsweise Grup Mesk, die alevitische Volksmusik spielen, oder Ricardo Rafael y Pedro, die sich den traditionellen Liedern ihrer Heimat Kuba widmen. Alle Bands stammen aus Berlin und Augsburg. Grund hierfür ist, dass der Berliner Jochen Kühling für sein Projekt zwei ausgezeichnete Augsburger Partner an seiner Seite hat. Girisha Fernando und Mona Rother, die Kuratoren des Augsburger Friedensfests, waren fleißig in der Fuggerstadt unterwegs und haben recherchiert, wo man die Musik der weiten Welt finden kann. Vereinslokale, »ethnische« Kneipen, Familien wurden besucht und sie wurden fündig. Somit entstand »Heimatlieder aus Deutschland feat. Augsburg«.

»Viele Musiker mit Migrationshintergrund findet man im Jazz-oder Crossoverbereich. Deshalb haben sie sich oft noch nie mit der Musik ihrer Heimat beschäftigt«, sagt Mona Rother. Umso erfreulicher ist es zu hören, wie viel Freude und Engagement die Künstler in dieses Projekt miteinbringen. Denn auch für sie selbst ist es eine Entdeckungsreise, eine Suche nach den eigenen Wurzeln. Heide aus Augsburg, zum Beispiel, hat durch das Einstudieren siebenbürgischer Volkslieder eine neue Klangfarbe ihrer eigenen Stimme entdeckt.

Nach atemberaubenden Konzerten in vielen deutschen Städten wie Berlin, Göttingen, Neuss, Augsburg und Köln, stand nun vor kurzem der nächste Clou an. Vom 19. bis 22. Februar, sowie vom 5. bis 8. März fanden im Augsburger Offshore Studio die Aufnahmen für eine CD-Produktion statt. Vier Bands aus Augsburg und vier aus Berlin werden darauf zu hören sein und noch dazu, Remixe einzelner Songs, bearbeitet von Musikproduzenten wie Ulrich Schnauss. Auf der Scheibe ist auf jeden Fall Abwechslungsreichtum geboten: Folklore aus acht verschiedenen Nationen, Lieder bestehend aus reinem Chorgesang, Lieder versehen mit Klängen exotischer Instrumente. Nach Beendigung der Produktionsphase wird die Platte über Jochen Kühlings Label »Run United« veröffentlicht und wenn zeitlich alles klappt, kann sich Augsburg noch dieses Jahr im Rahmen des Friedensfests auf die Release-Party freuen.

Wer schon einmal einen Vorgeschmack möchte und an diesem wunderbaren Projekt interessiert ist, der begibt sich am Dienstag, 31. März, nach Dresden in die Semperoper. In dieser denkwürdigen Kulisse findet das nächste Konzert der »Heimatlieder aus Deutschland« statt. Weitere Infos und Hörbeispiele gibt es unter www.heimatliederausdeutschland.de

Foto: Copyright by Christian Menkel (www.christian-menkel.de)

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