Ausstellungen & Kunstprojekte

Das heimatlose Museum

Gast
13. Februar 2016

Ganz leicht hatten es die Sammlungen der Antike in Augsburg nie. Obwohl seit dem Gründungsdatum des Römischen Antiquariums im Jahre 1822 Altertümer Beachtung fanden, litt die öffentliche Präsentation meist unter beengten Verhältnissen. Zunächst sind die Stücke Teil des Maximilianmuseums, 1966 erhalten sie mit der Dominikanerkirche eine eigenes Museum.

Doch spätestens seit Beginn der intensiven Grabungstätigkeit in den 1980er-Jahren erwies sich die Ausstellungsfläche erneut als zu klein. Für die beliebten, aber sehr aufwendigen Sonderpräsentationen (»Die Alamannen« 1998, »Barbarenschatz« 2007) mit großem Publikumszuspruch wurden die vorhandenen Exponate mangels einer eigenen Sonderausstellungsfläche immer wieder mühsam ausgeräumt und außerhalb deponiert.

Dies war weder für das Gebäude noch für die antiken Denkmäler günstig. Seit 1998 traten größere Schäden an der Bodenplatte auf. Sein 50-jähriges Jubiläum schaffte das Museum nicht mehr, am 6. Dezember 2012 musste das Haus aus Sicherheitsgründen endgültig für unbestimmte Zeit schließen. Es folgten aufwendige Umzugsarbeiten: 1.800 Objekte aus der Dauerausstellung und etwa 160 Tonnen Steindenkmäler wurden, zum Teil auf Spezialtrassen, endgültig aus dem Gebäude entfernt. Dies war die Voraussetzung für die statischen Erkundungen. Begleitet wurden diese von archäologischen Untersuchungen, denn die Kirche des 16. Jahrhunderts und ihr mittelalterlicher Vorgängerbau sind ihrerseits kunsthistorische Denkmäler ersten Ranges.

Da eine Wiedereröffnung des Museums in unbestimmter Ferne liegt und die römische Geschichte Augsburgs nicht dauerhaft aus dem Sichtfeld der Bürger verschwinden durfte, haben wir aus bekannten und unbekannten Beständen eine Ausstellung zusammengestellt. Diese ist seit Sommer 2015 unter dem Titel »Römerlager – das römische Augsburg in Kisten« in der Toskanischen Säulenhalle im Zeughaus zu sehen.

Mittlerweile liegen grundlegende Erkenntnisse zur Standfestigkeit des Gebäudes vor. Jede weitere Baumaßnahme hängt von der zukünftigen Nutzung ab. Es gibt eine politische Festlegung zum Standort des zukünftigen Römischen Museums, dieses soll im Bereich Dominikanergasse/Predigerberg bleiben.

Um eine der bedeutendsten archäologischen Sammlungen Deutschlands angemessen zu präsentieren, ist zusätzlich zur Sanierung ein Neubau erforderlich. Erste inhaltliche Vorschläge zur Ausstellungsgestaltung ebenso wie zum Raumbedarf wurden von uns bereits gemacht. Zu einigen der möglichen Themen gibt die Ausstellung im Zeughaus bereits einen Vorgeschmack.

Die sanierte Dominikanerkirche soll als Sonderausstellungs- oder Veranstaltungsraum für vielfältige Nutzung bereitstehen, hier existiert in Augsburg ein großer Mangel. Das neue Museum mit seiner Dauerausstellung und Flächen für kleinere Präsentationen erhält seinen Platz südlich auf der Fläche der Hauswirtschaftsschule, ohne diese verlagern zu müssen. Im Neubau würden nicht nur Ausstellungsflächen und Arbeitsmöglichkeiten für die Mitarbeiter zur Verfügung stehen, sondern es gilt vor allem eine besucherfreundliche Infrastruktur zu schaffen, wie sie heute unbedingt erwartet wird. Neben Einrichtungen, die dem Komfort der Besucher dienen, ist eine ausreichende Infrastruktur zur Kulturvermittlung für Schulklassen und alle anderen Aktivitäten eine zwingende Notwendigkeit. Dieses Projekt wäre in Augsburg tatsächlich der erste echte Museumsneubau.

Die Konzeption der Ausstellung im Zeughaus, die dem Besucher Einblick in Umzugskisten gewährt und somit deutliche Züge des Übergangs trägt, soll bei allen Verantwortlichen in Erinnerung halten, dass ein neues Römisches Museum eine dringende Aufgabe ist. Die international anerkannte Augsburger archäologische Sammlung verdient hohe Priorität.

Der Historiker Manfred Hahn ist geschäftsführender Leiter des Römischen Museums Augsburg.

In unserer Printausgabe #02/2016 präsentieren wir die wichtigsten Kulturbaustellen der Region. Insgesamt 16 Kulturmacher haben hierzu Gastbeiträge beigesteuert.

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