Ein herber Verlust

21. März 2015 - 9:24 | Patrick Bellgardt

Augsburg muss vorerst auf In Your Face verzichten. a3kultur sprach mit Marco Hühn über die Hintergründe und Ereignisse der letzten Wochen.

Seit dem 17. März ist es offiziell: Bayerns größte Ausstellung für urbane und zeitgenössische Kunst, In Your Face, kann nicht wie geplant vom 23. bis 26. April in der Fabrikhalle F16 im Riedingerpark stattfinden. Über 40 Künstler aus Deutschland und Europa hatten ihr Kommen angekündigt. Das Event soll nun auf einen unbestimmten Zeitpunkt im Herbst verschoben werden. a3kultur sprach mit Marco Hühn, zusammen mit Manuel Engelhardt und Lisa Bogerts einer der Köpfe hinter In Your Face, über die Hintergründe und Ereignisse der letzten Wochen.

Eigentlich sollte die vierte In Your Face wie geplant in der Halle F16 im Riedingerpark stattfinden. Nun hat euch das Ordnungsamt wenige Wochen vor dem Event einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie kam es dazu?

Ende Februar hat uns das Amt mitgeteilt, dass aufgrund gestiegener Schneelasten im letzten Winter unter Umständen Einsturzgefahr für das F16-Hallendach besteht. Nach dieser Mitteilung haben wir uns um eine Ersatzlocation bemüht und diese mit der leerstehenden Postdirektion in der Grottenau auch gefunden. Noch Ende November war dort die zweite Auflage von Ars Dilettanti zu sehen. Hier bekamen wir eine 90-prozentige Zusage seitens der Stadt. Aufgrund dieser haben wir alle Vorbereitungen vorangetrieben, den Künstlern zugesagt, die Marketingkampagne ausgearbeitet etc. Leider stellte sich dann heraus, dass es in der Postdirektion bereits Bauarbeiten gab und Kernbohrungen durchgeführt wurden. Da zu IYF Tausende, so der O-Ton, Besucher erwartet werden, sei hier die Sicherheit des Gebäudes nicht gewährleistet. Dennoch haben wir alles versucht, das Event doch noch durchzuführen und waren wieder an der F16 dran. Ohne Erfolg – ein statisches Gutachten wäre mit 5.000 Euro für uns einfach nicht tragbar gewesen.

Mit eurem Debüt im Kesselhaus und zwei Ausstellungen in der Fabrikhalle F16 konntet ihr jeweils über 2.500 Besucher anlocken, namhafte Künstler aus dem In- und Ausland waren zu Gast, die Resonanz, auch überregional, war enorm. Hättet ihr für ein solches Projekt nicht mehr Unterstützung seitens der Stadt erwartet?

Generell muss man sagen, dass nach der Absage der Halle F16 viel Unterstützung seitens der Popkulkturbeauftragten Barbara Friedrichs und von Colin Martzy aus dem Wirtschaftsreferat kam. Sie sind auch weiterhin bei der Suche einer Alternativlocation behilflich. Es leuchtet uns allerdings nicht ein, warum plötzlich eine Gefahr von der Halle ausgehen soll, in der schon zwei Mal die Ausstellung erfolgreich und ohne Probleme umgesetzt wurde. Zumal es keine neue Begehung der Örtlichkeiten gab. Natürlich steht auch für uns die Sicherheit der Gäste an erster Stelle, dennoch wäre eine genauere Prüfung wünschenswert gewesen. Zumal wir in den letzten Jahren sehr viel Arbeit und Geld in den Umbau der Halle investiert haben und diese gerne langfristig genutzt hätten. Für die Kulturszene in Augsburg ist die Absage von IYF #4 ein herber Verlust.

Wie geht es jetzt mit In Your Face weiter?

Wir würden IYF #4 gerne noch in diesem Jahr umsetzen – die Werbekampagne und die Konzeption sind ja fertig, Sponsoren gefunden. Wir versuchen auch das Lineup bei der Stange zu halten – allerdings bleibt es fraglich ob uns das gelingt. Leider haben wir bisher auch noch keine neue Location in Aussicht. Einige interessante Räumlichkeiten für eine Zwischennutzung haben wir zwar schon im Blick, für Hinweise jeglicher Art wären wir dennoch sehr dankbar. Im Juni sind zudem einige Arbeiten von IYF #3 auf dem Modular Festival zu sehen. Ansonsten ist das Team gerade privat und beruflich ziemlich eingespannt, kleinere Projekte bleiben deshalb erstmal auf der Strecke.



Für Vorschläge zu möglichen Leerständen, in denen In Your Face #4 umsetzbar wäre, wären die Veranstalter sehr dankbar. Die Kontaktaufnahme ist über info@in-your-face.net möglich. Weitere Infos:
www.in-your-face.net

 

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