Klassik

Herbstliches Gigantentreffen

Renate Baumille...
5. Oktober 2020

Als eines der ersten international besetzten Festivals in Deutschland, das seit Beginn der Corona-Krise große Chor-, Orchester- und Sinfoniekonzerte bietet, punktet das Deutsche Mozartfest Augsburg mit einem stattlichen Programm, das sicher auch nach seiner Verschiebung in den Herbst für kostbare Konzerterlebnisse bürgt.

Weniger einem Wunder als vielmehr dem unermüdlichen Engagement und festen Willen des Mozartbüros sowie der nötigen Flexibilität aller ursprünglich für Mai und Juni eingeladenen Künstler*innen ist es zu verdanken, dass Klassikliebhaber*innen jetzt in der Tat insgesamt zehn Konzerte rund um »MZRT & BTHVN« erwarten. Aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln sowohl für das Publikum als auch für die Künstler*innen mussten für fast alle Konzerte die Räume gewechselt werden, sodass jetzt der Kongress im Park und die Evangelische St.-Ulrich-Kirche unter diesen Voraussetzungen Platz für 200 und mehr Besucher*innen bereithalten. Auf der Suche nach Trennlinien und Übergängen zwischen den Tontitanen Mozart und Beethoven will das Programm diesmal Geschichte hörbar und – laut Pressetext – die »miteinander verwobene Entwicklung der Gamechanger erlebbar machen«.

Die Hörer*innen werden vom frühen zum späten Mozart, vom jungen zum betagten Beethoven geführt, in Querverweisen auf Zeitgenossen wird zudem der musikalische Kosmos der Zeit zwischen 1760 und 1830 ausgeleuchtet. Die zehn Abende schließen das mythenumrankte Mozart-Requiem am 10. Oktober, 20 Uhr, im Kongress am Park ebenso ein wie die »Freistil«-Reihe, die am 12. und 13. Oktober jeweils um 18 und um 20:30 Uhr im Kleinen Goldenen Saal stattfindet. Dank der Shootingstars Sarah Christian und Maximilian Hornung samt »Friends« verheißt sie im direkten Vergleich zwischen Mozart, Beethoven und Fauré virtuose kammermusikalische Momente und Quantensprünge der »gestrichenen« Art.

Mit dem sehr jungen Mozart startet die wie immer hochkarätig besetzte Reise durch das »MZRT & BTHVN«-Universum. Als Orchestra in Residence eröffnet die Akademie für Alte Musik Berlin das Mozartfest mit inspirierenden Werken der Italienreisen des »Teenies« Wolfgang, die er in Begleitung von Vater Leopold unternahm (9. Oktober, 19:30 Uhr, Evangelisch St. Ulrich).

Ausgeklügelt scheint auch das Konzept, Mozarts letzte vier Sinfonien, die als sein instrumentales Vermächtnis gelten, als Zweijahrespackage erklingen – und um Eintönigkeit zu meiden – gar von drei unterschiedlichen Orchestern spielen zu lassen. Heuer also ertönen: die sogenannte »Prager Sinfonie« im Konzert des Stuttgarter Kammerorchesters unter Thomas Zehetmair, der das Programm mit Mozarts funkelndem 3. Violinkonzert bereichert (11. Oktober, 15 Uhr, Evangelisch St. Ulrich), sowie die »Jupitersinfonie« KV 551, die im Rahmen des Konzerts der Bayerischen Kammerphilharmonie ihren Platz neben Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 in B-Dur behauptet (17. Oktober, 19:30 Uhr, Kongress am Park). Dafür konnte keine Geringere als die weltweit gastierende und vielfach mit Preisen ausgezeichnete junge Pianistin und Beethoven-Spezialistin Sophie Pacini verpflichtet werden.

Beethoven definierte viele Gattungen neu, darunter auch die Klaviersonate. Nicht zuletzt die mit dem Label »unspielbar« gekrönte »Hammerklaviersonate« zeigt den Jubilar des Corona-Jahres musikalisch auf seinem Höhepunkt. Wenn sich ein so vielseitiger Tastenzauberer wie Lars Vogt, der alle Mittel der musikalischen Rhetorik auskostet, ans prominente Werk macht, muss man mit einem fulminanten Nachmittag am 18. Oktober, 15 Uhr, in Evangelisch St. Ulrich rechnen! Kontraste setzt er mit Janáček und natürlich Mozart.

»Frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm!« – So überschrieben ist programmatisch das Finale von Beethovens Pastorale, die zum sinfonischen Highlight-Finale die Hörer am 31. Oktober, 19:30 Uhr, in den Kongress am Park lädt. So oder ähnlich könnte aber auch das Fazit des Mozartfest-Publikums lauten … Erneut dürfte die Berliner Akademie für Alte Musik ihre Expertise für Originalklang unter Beweis stellen und damit auch den Beethoven-Megahit, sprich seine fünfte Sinfonie, die sie einen Tag früher am selben Ort zur selben Zeit präsentiert, zur zündenden Festrakete formen.

Mit den ursprünglich für das Frühjahr gekauften Karten ist kein Einlass möglich. Tickets für die abgesagten Konzerte (»Gassenhauer«, »Healing Modes«, »Titanen – Freistil III«) können rückerstattet oder gespendet werden. Es ist keine Abendkasse geplant. Bitte nutzen Sie den Vorverkauf! Detaillierte Infos zu Programmänderungen und Umtauschmodalitäten gibt es unter:
www.mozartstadt.de

Foto: Sophie Pacini, © A2 Photography

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