Theater & Bühne

Herrlich albern

Jürgen Kannler
20. April 2015

Alle mögen Mozart, manche lieben ihn sogar. Seine Musik berührt und sie unterhält zuweilen ausgesprochen gut. Nehmen wir als Beispiel seine vor 240 Jahren in München uraufgeführte Oper »Die Gärtnerin aus Liebe«. Sie feierte soeben im Großen Haus des Theaters Augsburg Premiere. Die Geschichte aus dem Rokoko ist etwas albern, eigentlich banal. Man liebt sich, schlägt sich, küsst sich und am Schluss wird geheiratet. Doch Carolin Nordmeyer gelang mit ihren Philharmonikern musikalisch gesehen ein lockerer und schöner Abend, an dem alle Beteiligten großen Spaß hatten.

Aus dem Ensemble stach, wieder einmal, Cathrin Lange heraus. Die traumwandlerische Sicherheit und Tiefe, mit der sie die Arien der doppelten Titelrolle Violante und Sandrina brachte, waren allein schon den Theaterbesuch wert. Beachtlich auch der Gesang und die sinnliche Präsenz von Samantha Gaul als Hausangestellte Serpetta. Es war eben ganz ein Abend der Frauen. Ein Eindruck, den Adréana Kraschewski in der Rolle der Arminda eindrucksvoll zu unterstreichen wusste.

Überhaupt waren die Männerrollen in der Inszenierung von Roland Schwab noch trotteliger angelegt, als es das Libretto verlangt. David Hohmann verlegte die Handlung in eine 80er-Jahre-Poollandschaft mit weitem Blick über L.A. Vor-, nach- und weitererzählt wurde die Geschichte über bunte Clips, die in einem roten Cabrio spielten, das über den Highway und durch die Milchstraße jagte. Licht (Kai Luczak) und Video (Andreas Füg) spielten an diesem Abend eine entscheidende Rolle. Sie schulterten den herrlich albernen, sich langsam zuspitzenden Plot und sorgten für Spaß und gute Laune im Publikum, das die Gesamtleistung mit langem und freundlichem Applaus bedachte. 

www.theater-augsburg.de

Weitere Positionen

29. Juli 2021 - 11:48 | Anna Hahn

So befindet das Leitungsteam des Sensemble Theaters Anne Schuester und Dr. Sebastian Seidel. Im Rahmen von Teil 2 unserer Serie »Theater. Macht. Zukunft.« sprachen sie über veränderte Machtstrukturen an ihrem Haus, Demokratie in Entscheidungsprozessen und die Notwendigkeit eines öffentlichen Diskurses.

29. Juli 2021 - 10:43 | Anna Hahn

Unter dem Titel »Theater und Macht – Beobachtungen am Übergang« wurden unter anderem acht identische Fragen an zehn Intendant*innen und Leitungsteams aus deutschsprachigen Theatern gestellt. Mit dabei in der prominenten Runde: Kathrin Mädler vom Landestheater Schwaben und André Bücker vom Staatstheater Augsburg. Teil 1 der a3kultur-Reihe »Theater. Macht. Zukunft.«

29. Juli 2021 - 9:53 | Jürgen Kannler

Wie keine anderen Kulturorte stehen die Theater im Fokus der Diskussion um Machtmissbrauch und Hierarchiestrukturen. Start der neuen a3kultur-Reihe

27. Juli 2021 - 11:38 | Jürgen Kannler

Eine Innenstadt ohne Kulturorte ist verloren. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

27. Juli 2021 - 10:07 | Fabian Linder

Stadtkultur mitgestalten – aber wie? Im Textil- und Industriemuseum lud das Netzwerk Degraux! zur Diskussion mit Playern institutioneller und freier Stadtraumgestaltung. Konkreter hätte es sein können, der getane Austausch aber: nötig und ein fruchtbares Experiment. Von Fabian Linder.

27. Juli 2021 - 10:06 | Jürgen Kannler

Auf diesen einfachen Nenner brachte Helge Schneider das Strandkorb-Festivalkonzept an der Augsburger Messe. Eine halbe Stunde nach dem Start brach der Entertainer entnervt seine Show ab und verließ samt Band die grotesk überdimensionierte Bühne.

26. Juli 2021 - 10:08 | Iacov Grinberg

In der Galerie Cyprian Brenner hat die neue Ausstellung »Wiedersehen mit der Gegenwart« ihre Pforten geöffnet. Sie zeigt Arbeiten von Christofer Kochs.

22. Juli 2021 - 10:22 | Renate Baumiller-Guggenberger

Die Open-Air-Operngala des Staatstheaters begeisterte die Zuschauer mit einem musikalischen Feuerwerk am Roten Tor.

21. Juli 2021 - 12:02 | Juliana Hazoth

Mit »Sara« erschien Ende Juni eine zeitgenössische Neuinterpretation des lateinamerikanischen Autors Sergio Ramírez, der darin die Geschichte der Frau Abrahams nacherzählt.

19. Juli 2021 - 14:43 | Renate Baumiller-Guggenberger

Mit einem sehr persönlichen, auch von der Corona-Erfahrung beeinflussten Solo-Programm »Bei mir« erfüllte sich der charismatische bayerische Liedermacher und TV-Moderator Werner Schmidbauer (»Gipfeltreffen«) kurz vor seinem 60. Geburtstag und nach langer Zeit im Duo mit Martin Kälberer das Bedürfnis, alleine auf der Bühne zu stehen. Am Sonntag gastierte er mit einer Doppelvorstellung im gut besuchten Parktheater.