Ist es das …?

2. Juli 2018 - 9:22 | Renate Baumiller-Guggenberger

Literarisch-komödiantischer Theaterabend um Lust und Leid der Liebe: Das Sensemble feiert mit der Produktion »Herz über Kopf 2.0« sein Freilichtjubiläum am Jakoberwallturm.

Kann es denn am Ende eine echte Siegerin geben, wo die richtige, die wahre Haltung gegenüber der Liebe zur Disposition gestellt wird? Wohl kaum! Denn zu welch anderem Phänomen existiert eine so unbeschreibliche Fülle an konträren Ideen, Erfahrungen und Meinungen, an lyrischen, epischen oder dramatischen Äußerungen wie zur Liebe insbesondere aus der weiblichen Perspektive?

Die Sommertheaterproduktion »Herz über Kopf 2.0«, von Gianna Formicone überarbeitet und zwischen den raffinierten Büchersitzregalen (Konzept: Studierende der HS Augsburg!) in der zauberhaften, aber leider lärmanfälligen historischen Kulisse mit den Darstellerinnen Daniela Nehring als Violetta, Lisa Fertner (Emma) und Kerstin Becke (Sybille) in Szene gesetzt, filterte aus diesem Überangebot an Dichtung und Denkungsart drei mögliche Positionen. Zwischen die Alternativen von »Herz = Schmerz«, für die euphorisch und romantisch Sibylle schwärmt und »Kopf = kühler Verstand«, die Violetta versiert in den Spielarten von Verführung bis Verachtung vorführt, schob sich zaghaft die jugendliche inspirierte Sehnsucht der Tagebuch führenden Emma. Sie hoffte insbesondere im Club beim Antanzmanöver auf den ritterlicher gestimmten Frauenflüsterer und damit einen glücklichen Kompromiss aus Herz und Kopf.

Quer durch die Jahrhunderte und die Genres wurden in leicht monotoner Dramaturgie von Wechsel aus Zitat/Rollenspiel mit bemüht wirkenden Überleitungen aussagekräftige Passagen aus Flauberts »Madame Bovary«, aus Oscar Wildes »Dorian Gray«, aus Goldonis Komödie »Mirandolina«, aus dem Opernlibretto »Cosí Fan Tutte«, aus Arthur Millers »Der letzte Yankee« aber auch aus Nino Haratischwilis 2010 uraufgeführtem Theaterstück »Das Jahr von meinem schlimmsten Glück« montiert. Die drei freundschaftlich verbundenen Damen illustrierten und stützten mit den präsentierten Mono- und Dialogen ihre vermeintlich unschlagbaren Argumente und Bedenken im Diskurs um das Lust- und Leidvolle des Liebeswahns. Den Schlagabtausch um das eher rationale oder eher emotionale Für und Wider setzten sie mal drastisch, mal komödiantisch um. Das hatte über die 90 Minuten Spieldauer durchaus Höhen (wie die desillusionierend endende Konfrontation von Dorian Gray mit der ihm verfallenen Schauspielerin Sybil Vane) aber auch manche Längen und Tiefen, brach aber in jedem Fall eine Lanze für Buch und Theater als probate Nachschlagewerke in Sachen »Es ist, was es ist, sagt die Liebe«.

Nächste Termine:
7., 13., 14., 20. und 21. Juli, jeweils 20:30 Uhr

www.sensemble.de

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