Hochwertige Auftritte, verschiedene Experimente

29. Oktober 2017 - 14:32 | Iacov Grinberg

Auch in diesem Jahr bestand das lab30 aus zwei Teilen: Bühnenprogramm und Ausstellung. Diese Teile waren fast prinzipiell verschieden.

Das lab30 versteht sich als Plattform für „Medien Kunst Experimente. Die Bühnenauftritte waren, wie in den vorigen Jahren, technisch und künstlerisch interessant. Sie kombinierten unter anderem Tanz, Pantomime, Stepp, Musik mit Videoprojektionen und Lichteffekten. Künstlerisch waren die Auftritte tiefgreifend und sehr vielschichtig. Ich stütze mich dabei nicht nur auf meine eigene Meinung, sondern auch auf das Benehmen des Saals. Natürlich können die zahlreichen Besucher verschiedenen Alters und kulturellen Hintergrunds, mit verschiedenen Erfahrungen und Vorlieben, das Gezeigte nicht auf dieselbe Art und Weise wahrnehmen – mit welcher angestrengten Aufmerksamkeit alles verfolgt wurde, glich jedoch dem Traum eines Lehrers. Und gleich danach, in den Pausen, folgte eine intensive und interessierte Besprechung des Gesehenen und Gehörten.

Die ausgestellten Arbeiten fielen dagegen fast alle ab. Es fehlt bei diesen „Experimenten“ häufig eine übergreifende Idee. Beim Betrachten wurden vom Publikum einige unbequeme Fragen formuliert. Wozu dient ein Gerät, das einem die Möglichkeit gibt, zweisekündige gif.-Files zu produzieren und diese gleich ins Internet zu stellen? Das Netz ist schon voll mit statischen Selfies – unzählige Antlitze, Gesichter unter einer dicken Schicht von Kosmetik. Brauchen wir diese in einer bewegten Variante? Was sagt uns ein dunkler Raum, in dem es in Echtzeit blitzt, wenn irgendwo in Europa ein Blitz einschlägt? Gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen einigen selbst spielenden Triangeln und zahlreichen anderen mechanischen Musikinstrumenten? Was können uns kleine Metalldrähtchen sagen, die sich als Reaktion auf die Verdunkelung einiger Sensoren ein bisschen rühren? Man kann vermuten, dass die Schöpfer dieser Arbeiten gewisse Vorstellungen hatten und den Betrachtern etwas zu sagen versuchen. Diese vagen Ideen wurden jedoch öfters nicht erkannt und nicht erhört.

Solche Fragen wurden bei fast allen ausgestellten „Experimenten“ gestellt, mit einer Ausnahme: „Skyline“, einem Imitator des Gleitschirmfluges. Im Unterschied zu den üblichen Imitatoren der virtuellen Realität erfolgt hier die Steuerung nicht mit Knöpfen, sie erfordert reale Muskelkraft. Bei Bewegungen des imaginären Schirms nach links oder rechts bewegt sich auch der Benutzersitz. Das wandelt den Imitator in einen wirklich interaktiven um und schenkt dem Benutzer ein hochwertiges Erlebnis. Es gibt noch etwas zu verbessern, aber die gute Idee und ihre Realisierung sind da.

Ausgerechnet das schenkt mir die Hoffnung, dass das nächste lab30 noch besser werden kann. Für das Bühnenprogramm wählen die Organisatoren sehr hochwertige Auftritte, für die Ausstellung kann man „Experimente“ mit guten Ideen finden, ihre Existenz wurde mit „Skyline“ bewiesen.

www.lab30.de

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