Club & Livemusik

Hypno-Rave im Empire of Roy

Martin Schmidt
3. Oktober 2016

Das auch noch: Bei einem Konzert der Eagles of Death Metal in Kanada biss heuer ein Besucher dem anderen ein Ohr ab. »Aufmerksame Zuschauer hätten das Ohr den Sanitätern übergeben«, berichtete das Musikmagazin Visions. Die vorliegende Ausgabe der Mischpult-Kolumne überreicht Ihnen einen aufmerksamen Scan durch den Live-Gig-Körper der Fuggerstadt im Oktober, prächtig kontrastreich von Roy Black über Indie-Noise bis zu experimentellem Techno. Und kaut Ihnen dabei mit onkeligen Jokes ein oder zwei Leseaugen ab. Ta-dah:

Ganz in Noise

Popkulturelles Trauerzentralevent im Oktober ist sicher das Abschiedskonzert der hiesigen Indie-Heroen Kitty Empire. Am Samstag, 15. Oktober, gibt das Indie-Noise-Rock-Trio im zwanzigsten Jahr seines Bestehens in der Soho Stage sein letztes Konzert. Eigentlich aus Krumbach stammend, waren sie – Zitat Presseinfo – »mal sowas wie Kritikerlieblinge«. Und, bei Klaus Kinski, das stimmt. Sie spielten mit Ikonen wie Dinosaur Jr. und Trail of Dead. Der Kolumnist erinnert sich, ihre erste 10-Inch »Diary of Failure« (1999, noch vor Erfindung von mp3 und Buchdruck) rezensiert zu haben, auf dem beigelegten Booklet stand: »Making pop a threat again«. Und, bei Kurt Gribl, das stimmt. Sänger und Gitarrist Markus Christ (auch bei Schnitt und Mitbetreiber der duophonic-Vinylisten), Bassist und Gitarrist Peter Kling und Schlagzeuger Christian Lohr postulieren Pop als roughen, bedrohlichen Klangangriff, als Sprengkraft-Core, als noisy neu. Zwanzig versatile Jahre im Geiste von Sonic Youth und Shellac: brachial, frickelig, laut, aber immer Pop am Revers und Post-anything im Schallkranz. Das Abschiedskonzert wartet auf mit Ausstellung und Indie-Disko mit Kitty-DJs, Start: 21 Uhr.

Ganz in T(r)anz

Eine Nacht vorher, Freitag, 14. Oktober, nehmen die Kraut-Techno-Hypno-Schamanen 1115 Augsburg in den Schwitzkasten. Tatort: City Club. Das experimentelle Duo besteht aus Produzent Grey und dem Vokalisten mit der schönen Namensreferenz Fehler Kuti. Und, bei Albert Hofmann, was 1115 zusammen mit den Irren des Supports Gebrochene Beine abliefern werden, ist wahrsächlich und tatlich Fehler-Rave. Da beißt die Maus keinen Faden ab und der eine Konzertbesucher dem anderen kein Ohr. Die akute Haltestation von 1115 heißt Bewusstseinsveränderung, sie sporten repetitive Impro-Soundscapes, tribal und noisig, dubbig und krautig. Ist auch klar: Einer der beiden ist nämlich Ethnologe und Theatermacher. Dazu die wirren Cut-up-Electro-Spacer Gebrochene Beine. Ich würde sagen: Shazam-Hölle aus Dada-Land, Kartoffelsalat mit Tic Tacs, Stromanschluss am Tanzwaderl. Falls Sie immer noch nicht hingehen wollen: Produzenten des 2017 erscheinenden EP-Nachfolgers und Debut-Albums »Post-Europe« sind Markus Acher und Cico Beck (The Notwist). DJs des Abends sind Volka Glück und mycrotom (mongkong music).

Ganz in Schwarz

Roy heißt der Augsburger Pop-Preis, aber Roy heißt auch Gerhard Höllerich: Sein, Roy Blacks, Todestag jährt sich am 9. Oktober zum 25. Mal. Pop-Preis versus Pop-Greis? So ein Quatsch: Mit seiner Band Roy Black & The Cannons legte der Stimmzar in den frühen 60er-Jahren die Latte für Rock ’n’ Roll und Beat in Augsburg recht hoch: Vergleiche den zu Roys 20. Todestag im Jahr 2011 auf dem krediblen und integren Rock-’n’-Roll-Label Rhythm Island Records erschienenen Livemitschnitt »The Last Rock ’n’ Roll Show«. Die 10-Inch dokumentiert ein Konzert von Roys Combo am 26.12.1964 in der einstigen Sheridan-Kaserne – aufgenommen mit einem Grundig-TK23-Koffertonband und einem Mikro. Fast ein bisschen wie die letzte Show von Kitty Empire.

Fakt ist freilich, dass die im Bobinger Stadtteil Straßberg geborene Samtstimme in ihrer nachfolgenden Schlagerzeit zur Ikone wurde (remember den Hit »Ganz in Weiß«). Die Stadt Bobingen ehrt ihren berühmten Sohn mit einem Galaabend zum 25. Todestag. Termin ist Samstag, 8. Oktober, um 19 Uhr (Einlass ab 18 Uhr) in der Singoldhalle. Die besagten Cannons (Leitung: Günter Ortmann) werden die legendären Hits von Roy Black interpretieren, singen wird Kay Dörfel. Bereits ab 18:30 Uhr wird das Kulturamt Bobingen im Foyer der Singoldhalle eine kleine Roy-Black-Ausstellung präsentieren. Gezeigt werden Fotografien und persönliche Gegenstände aus dem Besitz der Familien Höllerich, Thiemann und Schwedes. Weiterer Höhepunkt ist um 19 Uhr die Premiere eines aktuellen Filmfeatures über Roy Black, produziert von einem mitteldeutschen Sender mit dem sehr guten Namen »Melody TV«. Die Dokumentation wird am selben Abend etwas zeitversetzt im Fernsehen zu sehen sein. Nach dem Film, um 19:30 Uhr, startet das musikalische Galaprogramm. Hingehen, sonst beroyen Sie es später.

Foto: Bewusstseinserweiterung durch Gadgets, Devices – Geräte halt: Die Kraut-Techno-Hypno-Schamanen 1115 spielen am Freitag, 14. Oktober, im City Club.

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